Zwischen Hoffen und Bangen

Die jüngste Umfrage des Bitkoms zur künstlichen Intelligenz zeigt größeres Wissen über das Thema und mehr Vertrauen in deren Potenzial. Doch nicht in allen Lebensbereichen ist sie gleichermaßen willkommen und es gibt auch noch viel Skepsis ihr gegenüber.

Kurz vor dem Ende des vergangenen Jahres veröffentlichte der Digitalverband Bitkom die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 1.007 Bundesbürgern ab 16 Jahren, die von Bitkom Research durchgeführt wurde. Die Mehrheit (62 Prozent) der Befragten sahen künstliche Intelligenz (KI) eher als eine Chance an, jedoch 35 Prozent schätzten KI als eine Gefahr ein.

Gegenüber dem Vorjahr ist dies eine deutlich positivere Einschätzung der KI, denn im Jahr 2017 äußerten sich nur 48 Prozent als deren Befürworter im Gegensatz zu 47 Prozent Skeptikern. Die gestiegene Wertschätzung von KI geht mit einer Zunahme an Wissen über KI einher: 2018 gaben 12 Prozent der Deutschen an, dass sie noch nie etwas von dem Begriff „Künstliche Intelligenz" gehört hatten im Vergleich zu noch 22 Prozent im Jahr 2017. „Künstliche Intelligenz ist die wichtigste Schlüsseltechnologie der kommenden Jahrzehnte. Für die Wirtschaft bedeutet KI eine neue Stunde null. Es muss uns gelingen, die vielfältigen Chancen der KI für alle Lebensbereiche nutzbar zu machen – von der Medizin über die Mobilität bis zur Bildung", strich Achim Berg, Präsident von Bitkom, bei der Veröffentlichung der Ergebnisse hervor.

Positive Erfahrungen mit KI

Die zunehmende Nutzung von KI-Anwendungen im Alltag scheint die Akzeptanz von KI zu fördern: So hat mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) bereits Sprachassistenten auf ihren Smartphones genutzt und weitere 21 Prozent würden dies gerne tun. Mahr als jeder Dritte (37 Prozent) hat sich schon automatischer Übersetzungen per App oder im Web bedient und fast ebenso viele (32 Prozent) zeigen sich daran interessiert, dies zukünftig auszuprobieren. Jeder Fünfte (20 Prozent) hat digitale Sprachassistenten wie Alexa von Amazon oder Google Home zu Hause genutzt und fast doppelt so viele (39 Prozent) zeigen sich daran interessiert. Sieben Prozent haben bereits ihre Digitalfotos von einem Algorithmus nach Motiven oder Personen auf den Fotos sortieren lassen, 18 Prozent interessieren sich dafür.

KI im Einsatz im Gesundheitswesen

Die Umfrage ergab unter anderem auch, dass sich 68 Prozent der Befragten KI zur Unterstützung älterer Menschen wünschen würden, beispielsweise in Form von Anwendungen, die Bewegungsmuster erkennen und Gesundheitsdaten überwachen. Sollten dann Abweichungen vom Regelverhalten auftreten, etwa, wenn jemand gestürzt ist und keine Hilfe rufen kann, sollte dann automatisch ein Alarm ausgelöst werden. Ebenfalls 68 Prozent wünschen sich, dass KI Ärzte bei der Diagnose und der Wahl der aussichtsreichsten Therapie unterstützt.

Wie einflussreich ist die KI?

Fast ein Fünftel (19 Prozent) der Befragten sind davon überzeugt, dass KI die Gesellschaft bereits heute spürbar verändert und lediglich sechs Prozent sind der Meinung, dass KI die Gesellschaft nicht spürbar verändern wird. Zwei Drittel glauben, dass KI spätestens in zehn Jahren die Gesellschaft verändert hat.

Insgesamt sind sich zwei Drittel (66 Prozent) sicher, dass KI-Technologie spätestens in zehn Jahren spürbaren Einfluss auf die Gesellschaft haben wird. Jeder Zweite (53 Prozent) geht davon aus, dass KI die Welt so grundlegend verändern wird, wie die Erfindung des Verbrennungsmotors oder die Elektrifizierung erläutert Bitkom. Auch herrscht bei 54 Prozent der Befragten die Sorge, dass künftig diejenigen, die KI kontrollieren, die Menschen kontrollieren: „All das sind gute Gründe, dass wir in Deutschland nicht nur KI-Produkte von anderen kaufen und nutzen, sondern KI hierzulande entwickeln und gestalten", fordert Berg auf. Die Studie konnte auch eine starke Ablehnung von KI in einigen Gesellschaftsbereichen feststellen: 90 Prozent möchten nicht, dass KI bei der Betreuung von Kleinkindern eingesetzt wird und 63 Prozent lehnen es ab, KI im Beziehungsleben anzuwenden – etwa als Ansprechpartner für einsame Menschen – oder als Lehrer in der Schule und Dozent an der Uni (61 Prozent) sowie im militärischen Bereich (57 Prozent).

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cwm

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