Deutscher Pflegepreis 2018 zeichnet bessere Vernetzung aus

Die letztjährige Neuregelung zum Entlassmanagement zeigt ihre Früchte: Beispiele einer verbesserten Versorgung durch eine engere Zusammenarbeit zwischen Medizinern und Pflegebereich wurden letzte Woche ausgezeichnet.

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Cornelia
Wels-Maug

Der vom Deutschen Pflegerat e.V. (DPR) ausgelobte Pflegepreis 2018 wurde am 14. März in Berlin verliehen. Damit würdigt der DPR, der Dachverband der bedeutendsten Berufsverbände des deutschen Pflege- und Hebammenwesens, der sich für eine nachhaltige, qualitätsorientierte Versorgung der Bevölkerung einsetzt, die Bandbreite der Pflege. Aus diesem Grunde wird der Preis auch in sechs Kategorien verliehen: „Deutscher Pflegepreis“, „Botschafter“, „Nachwuchs“, „Praxis“, „Innovation“ sowie „Freund der Pflege“. Franz Wagner, Präsident des DPR stellt klar: „Mit den Preisen werden Menschen und Projekte ausgezeichnet, die einen bedeutsamen Beitrag zu einer besseren Versorgung geleistet haben, die sich für das Thema Pflege engagieren und für das Wohl von Pflegenden und Patienten einsetzen. Das reicht vom Lebenswerk bis zum konkreten Projekt.“ Die Preise sind mit einer Gesamtsumme von 24.000 Euro dotiert.

Gelungenes Entlassmanagement prämiert

42.News fiel insbesondere die Kategorie „Praxis“ ins Auge. Wir berichteten im vergangenen Jahr über die Neuregelungen zum Entlassmanagement, die seit Mitte 2017 gelten. Sie verpflichten Krankenhäuser, einem Patienten ein individuelles Entlassmanagement zukommen zu lassen. Es muss klar regeln, wie die Weiterbehandlung ambulant fortzuführen ist. Nun werden erfolgreiche Umsetzungen dieser Praxis erstmals prämiert.

Der Preis für vorbildliche „Praxis“, der sogenannte Hartmann Pflegepreis, ging an drei Projekte, die sich durch ihre gelungene patientenorientierte und sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Medizinern und Pflegefachkräften hervortun. „Die ausgezeichneten Projekte sind praxiserprobt und zeigen, wie professionelles Entlassmanagement gelingen kann – denn wir wissen um den Aufwand für die Kliniken“, lobte Dr. Chima Abuba, Geschäftsführer von Paul Hartmann Deutschland.

Die drei Preisträger sind:

  • Das Trierer Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Die Einrichtung wurde für ihr strukturiertes Entlassungsgespräch ausgezeichnet. Dieses verhilft den Patienten sich „sehr gezielt auf die Zeit nach dem Krankenhaus“ vorbereiten zu können, heißt es in der Pressemitteilung des DPR. Dafür wurde speziell eine Checkliste entwickelt, um den Pflegefachkräften einen Leitfaden für die Kommunikation mit dem Patienten an die Hand zu geben sowie Schulungen zur Gesprächsführung durchgeführt.
  • Das Diakonissen-Stiftungskrankenhaus Speyer für den Aufbau einer Vernetzung mit dem nachgelagerten stationären Bereich. Ein onkologischer Patient bekommt eine bestimmte Pflegefachkraft als festen Ansprechpartner zugewiesen, die täglich eine Pflegevisite durchführt. Außerdem kann der Patient diese Pflegefachkraft bei Problemen auch nach dem Klinikaufenthalt kontaktieren und erhält einen Pflegeordner mit relevanten Informationen. „Die Pflegefachkraft steht in ständigem Kontakt mit dem Klinischen Sozialdienst und dem Case Management. Für den Patienten werden Folgetermine koordiniert und organisiert. Auch gibt es Hilfe etwa beim Ausfüllen von Anträgen“, heißt es in der Mitteilung von Hartmann.
  • Die Karl-Heinz-Howe-Simon-Fiedler-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Krankenhaus Kiel. Dabei wird ein Entlassmanagement von Senioren, die in verdeckter Armut leben, ausgezeichnet. Diese werden nach einem Krankenhausaufenthalt beim Übergang in den häuslichen Alltag begleitet. Zunächst besucht eine Mitarbeiterin der Stiftung den Patienten in der Klinik und klärt, was er zu Hause benötigt. Sofern dieser sich damit einverstanden erklärt, wird er später in seiner Wohnung besucht, um zu eruieren, ob er weiterer Unterstützung bedarf. Dabei arbeitet die Stiftung im Bereich des Entlassmanagements eng mit dem Krankenhaus zusammen.

„Die ausgezeichneten Projekte sind praxiserprobt und zeigen, wie professionelles Entlassungsmanagement gelingen kann, denn wir wissen um den Aufwand für die Kliniken“, sagt Raimund Koch, gesundheitspolitischer Sprecher von Hartmann.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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