Geriatronik zum Anfassen: Prof. Sami Haddadin erläutert Horst Demmelmayr, Vorsitzender des Seniorenbeirats von Garmisch-Partenkirchen, bei der Eröffnung des TUM Anwender- und Forschungszentrums "Geriatronik" eine Roboter-Physiostation für Armgelenksbewegung. Foto: Uli Benz/ TU Muenchen

Selbstbestimmtes Wohnen im Alter mit Roboterassistenz

Bis ins hohe Alter selbstbestimmt leben und trotzdem bezahlbar gut pflegerisch und ärztlich versorgt sein ist eine große Herausforderung. Ob dabei Robotik zur Pflegeassistenz und als telemedizinische Plattform einsetzbar ist, soll nun erforscht werden.

Fast täglich wird über den Mangel an qualifizierten Pflegekräften in Deutschland in der ein oder anderen Form lamentiert. Angesichts der Tatsache, dass die Lebenserwartung in allen Industriestaaten steigt, ist das Bestreben, Wege zu finden, Individuen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu Hause zu ermöglichen, auch über die Grenzen Deutschlands hinaus, hochaktuell.

Dieser Herausforderung hat sich die Munich School of Robotics and Machine Intelligence (MSRM), einem der sechs interdisziplinären Forschungszentren der Technischen Universität München (TUM) angenommen. Unter Einbezug externer Kooperationspartner sollen neue Ansätze für zentrale Zukunftsfragen im Bereich Technik und Medizin entwickelt werden.

Das am 6. Oktober 2018 in Garmisch-Partenkirchen eröffnete TUM-Anwender- und Forschungszentrum „Geriatronik“ versucht durch seine Arbeit, selbstbestimmtes Leben im Alter zu ermöglichen. In der ehemaligen Hotelfachschule Garmisch-Partenkirchen sollen zu diesem Zweck zukünftig Roboterassistenten entwickelt und in Feldstudien erprobt werden. Der bayerische Staatsminister für Bundesangelegenheiten, Dr. Florian Herrmann, Leiter der Staatskanzlei, sagte anlässlich der Eröffnung von Geriatronik: „Wir wollen, dass jeder Mensch in Würde leben und altern kann. Dafür haben wir als Freistaat Bayern nicht nur ein umfangreiches Pflegepaket beschlossen, sondern wir fördern intensiv Wissenschaft und Forschung im Pflegebereich. In Garmisch-Partenkirchen wird mit dem Anwenderzentrum „Geriatronik“ ein echtes Forschungszentrum für Robotik in der Pflege entstehen“.

Testbett Garmisch-Partenkirchen

Das in München ansässige MSRM wird gemeinsam und komplementär mit dem TUM-Anwender- und Forschungszentrum „Geriatronik“ in Garmisch-Patenkirchen die Technologie- und Feldforschung betreiben. Professor Sami Haddadin, Direktor der MSRM, erläutert bei der Eröffnung des Zentrums: „Der Name ist Programm. Wir werden hier Geriatronik-Forschung betreiben und die Technologie mit den Menschen in Garmisch-Partenkirchen in Berührung bringen, ihnen sollen unsere Entwicklungen ja in der Anwendung von Nutzen sein. Nur so können wir sicherstellen, dass wir unsere Roboter an den Bedürfnissen der Menschen ausrichten und Berührungsängste von Anfang an abbauen.“

Das bedeutendste Projekt des Zentrums ist Garmi, der zweiarmige Roboterassistent, der beispielsweise älteren Menschen bei Alltagstätigkeiten wie dem Aufstehen aus einem Sessel helfen soll. Gleichzeitig ist angedacht, ihn als ein intelligentes Werkzeug für die Telemedizin einzusetzen. So soll er Ärzten in die Lage versetzen, sowohl bei Routineuntersuchungen als auch bei Notfällen „aus der Ferne verzögerungsfrei vor Ort handeln können“, heißt es in der Pressemitteilung.

Das Projekt ist vorerst auf acht Jahre angelegt. Dabei wird die Unterbringung in der ehemaligen Hotelfachschule nur vorübergehend sein, denn es ist geplant, es auf dem LongLeif-Campus anzusiedeln. Dort sollen zusätzlich auch ein „generalistisches“ Ausbildungszentrum für Pflegekräfte und ein Neubau des Caritas-Pflegeheims entstehen.

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cwm

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