Internisten-Kongress über Chancen und Risiken der digitalen Medizin

Auf dem jüngsten Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) debattierten Ärzte und Forscher darüber, was eine digitale Umgebung für die einzelnen Felder der inneren Medizin leisten kann.

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Anna
Engberg

Im Mai fand in Wiesbaden die jüngste Jahrestagung der Internisten in Deutschland statt – und war mit 8.300 Medizinern und Experten sowie 2000 Patienten am Patienten-Tag gut besucht.

Der 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) widmete sich dem Leitthema „Digitale Medizin – Chancen, Risiken, Perspektiven“ im Zusammenhang mit Hauptthemen wie Multimorbidität, internistischer Intensivmedizin, seltenen Erkrankungen, nicht medikamentösen Therapieverfahren und der aktuellen Gesundheitsforschung.

Welche Chancen bietet die digitale Medizin den Internisten?

Angesichts der älter werdenden Gesellschaft mit Phänomenen wie Komorbidität und Multimorbidität sei es für Ärzte nicht mehr sinnvoll, sich nur zu spezialisieren, sondern wichtiger denn je, den Menschen als Ganzes zu betrachten, so der Tenor der Referenten auf der DGIM 2019.

Ziel müsse sein, Instrumente der Digitalisierung so zielgerichtet einzusetzen, dass eine bessere Medizin, frühere Diagnosen, personalisierte Therapien und schnellere Erfolgskontrollen möglich seien. „Im Endeffekt wollen wir so mehr Zeit gewinnen, um uns den Patienten zuzuwenden – ein Anliegen von uns, das mit den Mitteln der digitalen Medizin, sofern sie richtig eingesetzt wird, erzielt werden kann“, betonte Prof. Dr. Claus Vogelmeier, Vorsitzender der DGIM 2018/2019 und Kongress-Präsident des 125. Internistenkongresses.

Entsprechend widmete sich die Tagung in zahlreichen Tracks der digitalen Revolution in den einzelnen Feldern der inneren Medizin: abgedeckt wurden neben Allgemeinthemen wie Big Data und Datensicherheit auch spezifische Inhalte wie beispielsweise die personalisierte Darmkrebsvorsorge, die Rolle der Health-IT für einzelne Organe und spezifische Erkrankungen, wie das Schilddrüsenkarzinom, sowie Differentialdiagnosen in der Geriatrie.

Was gesagt wurde

„Ärzte sollen nicht von Ängsten, sondern von Hoffnung und Optimismus gesteuert werden“, betonte der DGIM-Präsident. Die Umwälzungen durch die Digitalisierung in der Medizin müssten offensiv aufgenommen und eine holistische Behandlungsweise angesteuert werden, so Vogelmeier: „Wir müssen weg von der Idee, dass wir die Situation für den Menschen nur mit Medikamenten und Apparaten verbessern können.“

Dass der Fortschritt der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen verglichen mit anderen modernen Industriestaaten rückständig sei, bemängelte Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) auf der DGIM 2019: „In vielen Ländern, die wir als Entwicklungsländer begreifen, wurden die Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung schon viel weiter genutzt und begriffen als bei uns“, so der BÄK-Präsident. Montgomery forderte eine stärkere Auseinandersetzung mit der Digitalisierung, ohne jedoch in die ärztliche Selbstverwaltung einzugreifen.

Patienten-Empowerment erwünscht

Um Patienten ging es auf dem eigens dafür organisierten Patienten-Tag, den rund 2000 Patienten besuchten. Auf einer Pressekonferenz der DGIM sprach sich der Mediziner und Comedian Eckart von Hirschhausen zudem mit Nachdruck für öffentliche Gesundheitsportale aus: Patientenkompetenz müsse gestärkt werden. „Wir brauchen dringend transparente, öffentlich-rechtliche gemeinschaftlich finanzierte Seiten und Suchmaschinen mit evidenzbasierten, geprüften Inhalten ohne kommerzielle Interessen“, sagte Hirschhausen und plädierte für eine neue, ärztliche Haltung zum Internet.

Forschungszentren im Fokus

Außerdem stellte die DGIM der medizinischen Öffentlichkeit die Forschungsergebnisse aus den Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung (DZG) vor, in denen bestimmte große Krankheitsfelder untersucht und mit ergebnis- und anwendungsorientiertem Ansatz erforscht werden. Ziel sei es, die Internisten auf bevorstehende Themen im Praxisalltag vorzubereiten und den Fokus vom Spezialistentum zum ganzheitlichen Ansatz zu verrücken, sagte der DGIM-Präsident.

Mit dem „Forum Junge Internisten“ richtete sich die Veranstaltung zudem gezielt an Studierende und junge Ärzte der Inneren Medizin, welche den Kongress zahlreich besuchten.

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Anna Engberg

ist eine in Wiesbaden ansässige freiberufliche Journalistin mit den Schwerpunkten Gesundheit und Technologie.

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