Foto: Shutterstock (NicoElNino)

Wie die Health-Cloud von alleine kommt

Der Wandel von der Softwarelizenz zum Dienst („as a Service“) als Geschäftsmodell treibt das Cloud Computing – und nicht umgekehrt

By
Stefan
Fritz

Schon die Überlegungen und Gedankenspiele zur Nutzung von externen Rechnerressourcen mit dem Ziel des Aufbaus von Cloud-basierten Diensten im Gesundheitswesen werden heute mit dem Argument des Datenschutzes im Keim erstickt. Zu einer erfolgreichen Umsetzung von Projekten oder dem Aufbau von Diensten kann es so erst gar nicht kommen.

Scheinargument Datenschutz und Sicherheit

Der Datenschutz wird dabei vor allem vorgeschoben von nicht veränderungswilligen Softwareanbietern mit überalterten Lösungen, die (Sicherheits-)technisch überhaupt nicht in der Cloud betrieben werden können.

Doch auch die IT-Abteilungen selber werfen Nebelbomben. Schließlich geht es um einen Teil der eigenen Arbeitsplätze. Und falls tatsächlich Applikationen, die bisher im eigenen Krankenhaus betrieben wurden, auf einmal in die Cloud wandern, bringt das massive Veränderungen für den eigenen Job mit sich. Da werden gerne die Argumente einer sterbenden IT-Industrie nachgebetet und technische Konzepte zu Privat-, Public- und Hybrid-Cloud Computing auf den Tisch gelegt.

Cloud Computing ist ein Baustein – kein Treiber!

Diese Gefechte und Argumentationen gehen am Kern vorbei. Für ein Krankenhaus mit der aktuell eingesetzten Applikationswelt sind Überlegungen, Rechnerressourcen nach außen zu verlagern, gar nicht sinnvoll. Egal, ob man das noch Outsourcing nennt oder schon Cloud Computing. Denn die darunter liegende Applikation wird ja nicht von alleine und über Nacht Cloud-fähig.

Cloud Computing mit verbrauchsabhängiger Abrechnung kann nie der Treiber für innovative neue Lösungen sein, sondern nur ein Baustein!

Der wirkliche Treiber: As a Service Geschäftsmodelle

Der wahre Treiber ist der Umbau des Software-Lizenzgeschäftes in as a Service Geschäftsmodelle. Das KIS oder das Laborsystem werden dabei nicht mehr als Lizenz und Softwarepaket bereitgestellt, sondern als fertiger Service/Dienst. Die Abrechnung erfolgt pro Nutzung. Updates werden im Hintergrund eingespielt. Der Dienst ist Multimandanten-fähig: Auf ein und demselben Dienst arbeiten viele verschiedene Krankenhäuser.

So machen es andere Branchen vor und so müssen es die Kunden fordern. Denn sie erhalten ein ganzes Bündel von Vorteilen. Nicht nur die Produktionskosten für einen Dienst können massiv gesenkt werden, auch die Sicherheit eines solchen zentralen Dienstes ist klar höher einzustufen als die im eigenen Krankenhaus-Keller betriebenen IT-Systeme.

Solange die Krankenhaus-Kunden solche Dienste-orientierten Angebote von ihren heutigen Softwareanbietern nicht fordern, wird alles so bleiben wie es ist. Und das ist vor allem eines: bequem!

Die Health-Cloud als Übergang in die Dienste-Welt

Die Healthcare IT Solutions aus Aachen (HITS), eine 100-prozentige Tochter des Universitätsklinikums Aachen, bietet Softwareunternehmen im Gesundheitswesen Unterstützung beim Umbau der eigenen Lösung in die „as a Service“- Welt an.

Softwareanbieter können ihre Lösung über die HITS Health-Cloud sicher betreiben. Die Daten liegen im zertifizierten Rechenzentrum des Universitätsklinikums Aachen.

Aber wesentlicher und wertvoller sind die Unterstützungsleistungen, die den Softwareanbietern helfen, die eigene Software in einen Dienst für die „as a Service“-Welt umzubauen. Und das muss nicht eine komplette Neuentwicklung sein. „Mit einem mehrjährigen Stufenplan lassen sich immer größere Teile der meisten Applikationen in einen Service transformieren“ weiß Volker Lowitsch, Geschäftsführer der HITS, aus Erfahrung zu berichten.

Egal ob mit der HITS oder anderen Anbietern: Die Softwareanbieter im Gesundheitswesen müssen sich auf den Weg in die „as a Service“ Welt machen und ihren Kunden eigene Dienste anbieten.

Und die Krankenhäuser und anderen Kunden im Gesundheitswesen sollten ihre heutigen Softwareanbieter fragen, wie deren Strategien und Konzepte für die Dienste-Welt von morgen aussehen.

So kann der dringend erforderliche Wandel im Gesundheitswesen gelingen – ohne weiterhin über Cloud Computing und Technologien zu lamentieren.

Stefan Fritz

Gründer & Geschäftsführer, synaix

Gründer und Geschäftsführer, synaix Gesellschaft für angewandte Informations-Technologien mbH (www.synaix.de)

Stefan Fritz ist seit über 20 Jahren leidenschaftlicher Mehrfach-Unternehmer und Impulsgeber in der digitalen Welt. Als Geschäftsführer verantwortet er bei synaix den Bereich Cloud- und DataCenter Operations. synaix betreibt in eigenen und fremden Rechenzentren Systeme und Lösungen mit extremem Schutzbedarf (Banken, Versicherungen, Gesundheitswesen). Als Experte für Digitale Plattformen und "as a Service"-Modelle schreibt Stefan Fritz auf seinem Blog stefanfritz.de über die weitere Entwicklung und Gestaltung der digitalen Gesellschaft.

 

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