Mangelnde Transparenz bei Public Reporting im ambulanten Bereich

Patienten wissen in der Regel, welche Informationen sie für eine informierte Arztwahl bräuchten. Diese Daten werden teilweise auch schon erhoben, aber den Bürgern in Deutschland bislang vorenthalten ― im Gegensatz zu Großbritannien, Niederlanden und den USA.

Wie schneidet mein Hausarzt im Vergleich zu seinen Kollegen ab? Wie oft hat eine Ärztin eine bestimmte OP durchgeführt oder wie erfahren ist sie in der Behandlung meiner Krankheit? Wird in der Praxis auf Hygiene geachtet und welche medizinischen Geräte sind vorhanden?

Gegenwärtig ist es schwer, diese Antworten vor einem Arztbesuch abklären zu können. Da bereits viele dieser Daten existieren, wären Arztsuchportale mit solchen Informationen in Deutschland durchaus umsetzbar. Warum dies aber nicht geschieht, damit beschäftigt sich die Studie „Public Reporting über Arztpraxen. Open-Data-Politik schafft mehr Transparenz für Patienten“. Die Untersuchung wurde von der Weissen Liste und der Bertelsmann Stiftung auf Grundlage einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage von Kantar Emnid, einer Ländervergleichsstudie des IGES-Instituts sowie eines ergänzenden Rechtsgutachtens erstellt und wurde vor Kurzem der Öffentlichkeit vorgestellt.

Während hierzulande die Krankenhäuser seit mehr als zehn Jahren vom Gesetzgeber dazu verpflichtet sind, „regelmäßig über die Strukturen, Leistungsangebote und Behandlungsergebnisse zu berichten, gibt es für die ambulante Versorgung in Deutschland bislang keine vergleichbaren gesetzlichen Grundlagen“, erläutert die Studie. Eines deren zentralen Ergebnisse ist, dass in Deutschland „der politische Wille und ein Gesamtkonzept für mehr Transparenz über die Leistungen und die Ausstattungen von Arztpraxen“ fehle.

Die Studie fand auch heraus, dass ungefähr jeder vierte Deutsche (27 Prozent) sich sorge, nicht den richtigen Arzt aufgrund fehlender Informationen zu finden. Über die Hälfte der Bürger „wünscht sich mehr wichtige und neutrale Informationen“, heißt es in der Pressemeldung zu der Studie. Die bisherige Arztwahl in Deutschland basiere im weitesten Sinne auf dem ‚Trial and Error‘ Prinzip, heißt es dort weiter. „Die Mehrheit der Patienten weiß nicht, welche Expertise, Erfahrung und Ausstattung sie hinter der Praxistür erwartet", erläutert Brigitte Mohn, Vorstand Bertelsmann Stiftung.

Die Daten seien vorhanden, so die Studie: Die Kassenärztlichen Vereinigungen erheben Daten über die Ausstattung, das Leistungsspektrum sowie die Erfahrungen der Ärzte, aber die deutsche Gesundheitspolitik sähe es bisher nicht vor, diese öffentlich zu machen oder zur Nutzung freizugeben. „Dabei liegen viele dieser Informationen bereits vor. Deutschland bleibt hier deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück", bedauert Mohn. Und es fehle nicht an guten Vorbildern, arbeitet die Studie heraus: “Andere Industrieländer, allen voran England und die USA, gehen wesentlich offener mit ihren Daten um. Patienten können sich dort ohne Zugangsbeschränkungen darüber informieren, welche Leistungen ein Arzt wie oft und in welcher Qualität anbietet. Dazu werden Abrechnungsdaten von einer staatlichen Institution ausgewertet. Außerdem werden Patienten regelmäßig seriös zu ihren Erfahrungen mit dem Arzt oder der Praxis befragt“. Das könnte sich auch hier ändern!

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cwm

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