Vom Selftracking in die Patientenakte

Immer mehr Menschen verwenden Apps zum Tracking ihres Blutdrucks. Nun fordert die Hochdruckliga, diese Daten den behandelnden Ärzten sicher in deren Praxissysteme zu übermitteln, damit diese Werte besser verwendet werden können.

Ärzte verzeichnen eine steigende Zahl von Patienten, die regelmäßig ihren Blutdruck mithilfe von Apps aufzeichnen und die Werte mit ihnen teilen möchten, so dass sie auf Basis dieser Daten, Therapieempfehlungen geben können. Damit diese Daten jedoch von ärztlicher Seite zur Diagnosestellung und Therapiesteuerung verwendbar sind, sollten sie idealerweise über einem vom Arzt festgelegten Zeitraum dokumentiert werden und in dem jeweiligen Praxisverwaltungssystem verwertbar vorliegen So lautet zumindest die vorherrschende Auffassung der Mediziner in Deutschland und Europa.

„Die Patienten leisten gute Vorarbeit, wir müssen jetzt dafür sorgen, dass wir Ärzte mit den Blutdruckdaten praxistauglich arbeiten können,“ stellt Prof. Dr. Martin Middeke, Sprecher der Kommission Telemedizin, fest.

Gelockertes Fernbehandlungsverbot ebnet digitale Behandlungsformen

Durch die Lockerung des Fernbehandlungsverbotes, das seit dem Ärztetag im Mai von einer wachsenden Zahl von Landesärztekammern gekippt wurde (wir berichteten), halten immer mehr digitale Behandlungsansätze in deutschen Praxen Einzug. Da sich die Blutdrucktherapie aber ausgesprochen gut für die telemedizinische Versorgung der Betroffenen eignet, haben sich die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL sowie die Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention der Entwicklung telemedizinischer Lösungen auf diesem Gebiet besonders angenommen, mit der Absicht, das Hypertonie Management zu verbessern. Zu diesem Zweck möchten sie, dass die von Patienten in ihren Blutdruckapps aufgezeichneten Werte sicher in das Praxissystem des behandelnden Arztes transferiert werden können, sodass dieser die Daten nutzen kann. Laut Ansicht der Deutschen Hochdruckliga sollten in Zukunft alle Blutdruckapps diese zentrale Anforderung erfüllen.

Wissenschaftlich belegte positive Effekte

Die 2018 im Lancet veröffentlichte TASMINH4-Studie konnte bei 1.182 Patienten mit nicht optimal kontrolliertem Blutdruck nachweisen, dass in Bezug auf die Therapie Titrierung die Heimmessung der Praxismessung signifikant überlegen ist. Obwohl der in der Studie verwendete Ansatz hinter den Ansprüchen eines modernen Telemedizinkonzepts zur Blutdruckbehandlung weit zurückbleibt, konnte die deutlichste Blutdruckabsenkung in der Telemonitoringgruppe verzeichnet werden, jedoch ohne Signifikanz gegenüber der einfachen Heimmessung, berichtet die DHL. Die Studie beruht auf Blutdruckmessungen, die über den Zeitraum eines Jahres jeweils in der ersten Woche eines Monats morgens und abends durchgeführt wurden und einmal monatlich als Textnachricht an den behandelnden Arzt übermittelt und von diesem anschließend überprüft wurden.

„Das Ergebnis ist nicht überraschend. Genau genommen haben wir es hier gar nicht mit Telemedizin im engeren Sinne zu tun. Die Patienten geben die Blutdruckwerte per Hand ein, das ist eine große Fehlerquelle. Zudem reagieren die Ärzte nur einmal pro Monat mit großer zeitlicher Verzögerung. Das nimmt der Methode den großen Vorteil der Telemedizin, als Arzt zeitnah auf die übermittelten Blutdruckwerte reagieren zu können“, findet Middeke.

Aufgrund der aktuellen Studienlage sowie jahrelanger Erfahrungen setzt sich die Kommission Telemedizin dafür ein, tägliche eine automatische digitale Blutdruckdatenübermittlung an den Arzt durchzuführen, wobei eine Reaktion bei Unter- bzw. Überschreiten vorher klar definierter Blutdruckgrenzen über einen begrenzten Zeitraum von zwei Monaten stattfinden sollte. Allerdings muss bei speziellen Indikationen, wie beispielsweise Schwangerschaftshypertonie, ein längeres Intervall gewählt werden.

Dass dies auch unter Einhaltung der Datensicherheitsauflagen geschehen kann, stellt eine speziell hierfür entwickelte hochsichere Datenverarbeitungs- beziehungsweise Integrationsplattform sicher, die eine End-zu-End-Digitalisierung ohne Medienbruch ermöglicht. Sie wurde bereits mit einigen Praxisverwaltungssystemen realisiert.

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cwm

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