Nationaler Diabetesplan gefordert

Angesichts der steigenden Prävalenz von Diabetes, sehen Experten in der Nutzung relevanter Apps, Wearables und digitaler Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung eine wichtige Ergänzung traditioneller Diagnostik und Therapie.

Im Mai fand die 53. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Berlin statt. Unter dem Motto „Wissenschaft und klinischer Fortschritt – gemeinsam in die Zukunft“ wurde den fast 6.500 Teilnehmern ein Überblick über die wissenschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Monate als auch ein Ausblick auf zukünftige Perspektiven bezüglich der Ursachen und Entstehung des Diabetes mellitus, Prävention und Therapie vermittelt. In mehr als 135 Symposien, Workshops und Diskussionsrunden sowie mehr als 242 wissenschaftlichen Kurzbeiträgen standen Grundlagenwissenschaft und translationale Forschung, die praktische Relevanz neuer Studiendaten, patientenorientierte Versorgungsforschung und auch Digitalisierungsprozesse im Vordergrund.

Ein Fünftel aller Todesfälle der Diabetes geschuldet

In Deutschland allein gibt es 6,7 Millionen Menschen mit Diabetes und jährlich kommen 500.000 Neuerkrankungen dazu. Einer neuen Studie zufolge, so eine Pressemitteilung der DDG, ist jeder fünfte Todesfall in Deutschland auf Diabetes mellitus zurückzuführen. Vor diesem Hintergrund drängten die Teilnehmer der Jahrestagung darauf, dass „die Versorgung und die medizinischen Strukturen dringend verbessert werden“ müssten. Sie verlangten daher einen Nationalen Diabetesplan, der auch ein Diabetesregister mit Patientendaten beinhalten solle: „In Deutschland gibt es bisher lediglich bei Krebserkrankungen die gesetzliche Vorgabe, dass Krankheitsverläufe und deren Behandlung flächendeckend erfasst und zentral in einer Langzeitauswertung zusammengeführt werden müssen“, erläuterte Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Past Präsident und Pressesprecher der DDG. Er fuhr fort: „Wir benötigen solch ein zentrales Register mit Patientendaten jedoch auch dringend für Diabetes-Erkrankungen.“ Nur so seien regionale Unterschiede in der Versorgung aufzeigbar. Außerdem schaffe eine solch umfangreiche Datenbasis die Grundlage, validierte und detailliertere Erkenntnisse über die Langzeitwirkung von Therapien in der breiten Anwendung zu gewinnen. „Mithilfe eines Patientenregisters können wir beispielsweise auswerten, wie hilfreich Therapien mit bestimmten Medikamenten sind – und welche Wirkungen nicht medikamentöse Maßnahmen wie Patientenschulungen, die Stoffwechselselbstkontrolle und begleitende Lebensstiländerungen haben“, führte Gallwitz aus.

Basierend auf diesen Erkenntnissen könne die Patientenversorgung gezielt verbessert werden, so die DDG, und würde letztlich auch das Gesundheitssystem entlasten. Dazu will die DDG den Aufbau eines nationalen Diabetesregisters tatkräftig unterstützen. Die Kommission „Versorgungsforschung und Register“ der Fachgesellschaft plant, entsprechende medizinische und wissenschaftliche Standards zu definieren, verlautbarte die Pressemitteilung.

Auch die Digitalisierung steht auf dem Plan

Die DDG sieht in der fortschreitenden Digitalisierung eine Chance für eine verbesserte Versorgung: „Qualitativ hochwertige Diabetes-Apps, Wearables und digitale Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung können die herkömmliche Diagnostik und Therapie sinnvoll ergänzen und wichtige Patientendaten liefern“, betonte Gallwitz. „Sie entlasten Mediziner und geben ihnen mehr Zeit für den direkten Austausch mit ihren Patienten.“

Dabei seien wichtige Voraussetzungen für den Umgang mit digitalen Anwendungen unter anderem, dass Vorgaben zum Schutz der persönlichen Daten eingehalten würden, IT-Kenntnisse bei den Beteiligten ausreichend vorhanden sowie die Systeme untereinander sinnvoll und leicht kombinierbar seien. Nach den Vorstellungen der DDG soll ein nationales Diabetesregister ein zentraler Baustein eines Nationalen Diabetesplan sein.

Weitere wichtige Ansatzpunkte darin sind beispielsweise die Forderung nach einer adäquaten Medizinerausbildung und -weiterbildung sowie nach einer flächendeckenden Patientenversorgung durch niedergelassene Allgemein- und Fachärzte. Der Diabetesplan sieht auch den Einsatz moderner Medikamente und einer angemessenen Behandlung und Pflege im Krankenhaus vor. In diesem Zusammenhang forderten die Experten auch, den Beruf des Diabetesberaters staatlich anzuerkennen: „Wenn die Politik jetzt aktiv wird und die vorgeschlagenen Maßnahmen umsetzt, kann das Sterberisiko von Diabetespatienten stark reduziert und deren Lebenserwartung und -qualität eindeutig verbessert werden“, resümierte Gallwitz.

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cwm

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