„Unser Commitment für Tasy in Deutschland steht“

Start für Tasy in Deutschland, IHE-Komponenten in den eigenen Lösungen, eine neue Plattform für Patienteninteraktion – der Philips-Konzern setzt seinen Weg zum umfassenden Anbieter von Digitalisierungslösungen im Healthsektor fort. HealthTech Wire sprach mit Gerrit Schick, Business Group Manager Healthcare Informatics und Population Health Management Philips GmbH Market DACH.

Herr Schick, man mag es kaum noch hören: „Deutschland ist Schlusslicht“, „Deutschland hinkt hinterher“. Wenn es um die Digitalisierung im Gesundheitswesen geht, in den hiesigen Kliniken zumal, erhält Deutschland regelmäßig schlechte Noten – gerade erst wieder im aktuellen Krankenhausreport der AOK nachzulesen. Sagen Sie, steht es hierzulande wirklich immer noch so schlecht um die Vernetzung innerhalb der Gesundheitswelt?

Zunächst einmal muss man sagen, dass es in Deutschland reichlich Bewegung gibt, vor allem auf politischer Seite. Gesundheitsminister Spahn, Herr Dr. Ludewig und Herr Klose haben sich die Digitalisierung auf die Agenda geschrieben, entsprechend sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen sehr zugunsten einer zunehmenden Vernetzung justiert worden. Dass ab 2020 Gesundheitsdaten in eine Gesundheitsakte übermittelt werden müssen, ist nur ein Beispiel. Zudem erleben wir natürlich von Seiten der Kassen viele Innovationen – denken Sie an TK Safe oder das AOK-Gesundheitsnetzwerk. Tja, und dann sind da aber noch die Krankenhäuser...

...die aus Ihrer Sicht wo stehen?

Sagen wir: Wir erleben hier – übrigens auch bei den Arztpraxen – derzeit noch die ganze Bandbreite an möglichen Entwicklungsstadien auf dem Weg zur Digitalisierung. Von Old-School bis hochmodern, vom Hängeregister bis zu ersten Anwendungen künstlicher Intelligenz ist alles vertreten. Obwohl ich mir von Klinikseite schon etwas mehr Initiative erhofft hätte – gerade jetzt...

Wie meinen Sie das?

Derzeit ist die wirtschaftliche Situation, vielleicht nicht für die Krankenhäuser selbst, aber doch für die Kommunen und Träger recht positiv. Das Geld, das jetzt verfügbar ist, gehört dringend in digitale Infrastrukturen und Projekte gesteckt, da wird gerade viel verschenkt. Die Institutionen mögen ihre Gründe haben, den Bedarf nicht erkennen, ihre Prioritäten anders setzen – ich würde aber empfehlen: Fix your roof while the sun is shining. Lieber jetzt agieren als nachher im Regen zu stehen.

Aber ein Blick auf Ihre aktuellen Kundenprojekte zeigt, dass sehr wohl einige Häuser, auch außerhalb des universitären Umfelds, ihre Digitalisierung vorantreiben. In Düren etwa ist man sehr rührig...

Ja, hier hat sich eine fortschrittlich denkende Geschäftsführung aufgemacht, ihre komplette Patientendokumentation künftig papierlos zu gestalten – und wir dürfen das mit unserem KIS Tasy unterstützen. Schon seit zwei Jahren läuft unsere Partnerschaft. Ende des letzten Jahres konnten wir unser Co-Design abschließen.

Es ist der erste Einsatz Ihres KIS-Systems Tasy – das ja sonst bislang vor allem in Kliniken in Süd- oder Mittelamerika installiert ist – in Deutschland. Wie lief der Start?

Wir haben Tasy im Rahmen des Co-Design-Projekts in Düren fit gemacht für den deutschen Markt. Das heißt, wir haben mit einem sogenannten Parallel-Live-Test auf einer Station die Patientendaten parallel im existierenden KIS und in unserem eigenen System geführt. Das hat so gut geklappt, dass wir im Dezember schließlich – in einem öffentlichen Vergabeverfahren – den Zuschlag für die Implementierung des Systems erhalten haben, für das Krankenhaus Düren also in den nächsten Jahren der KIS-Partner sein dürfen.

Das müssen Sie uns genauer erklären: ein KIS „fit machen für den deutschen Markt“ – worauf war dabei besonders zu achten, und was waren Ihre Lessons-learned?

Das System, das war der größte Knackpunkt, wurde bislang nur in Ländern eingesetzt, in denen es keine DRGs gibt. Das heißt: Eine Falllogik war Tasy fremd. Es konnte natürlich Dokumentationen aufzeichnen und wiedergeben, was im klinischen Prozess passiert – doch das Ganze mussten wir erst in einen Fallkontext stellen; sonst hätte das Krankenhaus ja keine DRG-Abrechnungen fakturieren können. Darüber hinaus gibt es in Deutschland ganz klare Definitionen darüber, wer in einer Klinik Zugriff auf welche Daten eines Patienten hat – ein restriktiver Datenschutz, der so in den meisten anderen Ländern auch nicht existiert. Da musste zusätzliche Logik einfließen, mussten viele Anpassungen erfolgen – sicher auch mehr, als wir anfangs erwartet hatten. Aber nun haben wir es geschafft, wir sind stolz darauf – und Tasy wird in Düren noch im zweiten Halbjahr 2019 live gehen. Unser Commitment für Tasy in Deutschland steht.

Der Kauf von Tasy ist nun schon einige Jahre her. Jüngeren Datums sind dagegen die Zukäufe von Forcare und VitalHealth. Schlagen sich diese Akquisitionen mittlerweile in Ihren Produkten beziehungsweise im Einsatz bei Ihren Kunden nieder?

Ja, absolut. Die Interoperabilitätskomponenten von Forcare sind nun schon in viele unserer eigenen Produkte eingeflossen. Wenn Kliniken heute unser IntelliSpace PACS kaufen oder auch ein kardiologisches Informationssystem, können sie die Funktion IHE mit auswählen, um komplett IHE-interoperabel zu sein oder sie in ihre IHE-Domäne direkt einbinden zu können – ohne weitere Zwischenschritte. Sie können also ihr Haus in eine Affinity-Domain umwandeln.

Warum sollten Kliniken das tun, welche Vorteile ergeben sich für sie daraus?

Sie erreichen damit, dass die Systeme nicht nur zu einzelnen Datenpunkten miteinander sprechen, sondern dass sie dies in einer standardisierten IHE-Form tun. Bisher werden Daten in Häusern, deren Infrastruktur nicht IHE-standardisiert ist, oft irgendwo abgelegt – und brauchen, wenn sie später wieder abgerufen werden, eine erneute Interpretation. Wenn sie aber im IHE-Standard archiviert werden, kann die Klinik mit allen künftigen Systemen, die IHE verstehen, darauf zugreifen und die Daten und ihre Inhalte dauerhaft lesen. Es ist quasi eine Langzeitsicherung der langfristigen Verfügbarkeit von Informationen, was wir mit Forcare und den Forcare-Lösungen bieten können.

Und wie ist der Stand bei VitalHealth, der Plattform, über die Kliniken ihre Patienteninteraktion steuern können?

Hier ist die Lage gerade besonders spannend: Nicht nur haben wir mehrere Dutzend Projekte in der Pipeline, die auf VitalHealth basieren, da wird sich also noch einiges in diesem Jahr bewegen. Nein, wir stehen auch in einzelnen finalen kommerziellen Verhandlungen über den Einsatz von VitalHealth. Gerade hat sich die Martini-Klinik am UKE für unsere Lösung entschieden, um vom Patienten berichtete Ergebnisqualitätsdaten zu erheben. Wir hoffen, zur DMEA weitere Neuigkeiten verkünden zu können.

Klingt nach einem guten Grund, an den Philips-Stand zu kommen: um sich aus erster Hand davon berichten zu lassen...

Oh, aber da gibt es noch mehr Gründe.  

Kurz zusammengefasst, bitte?

Wir werden darlegen, wie Philips in allen Bereichen des Gesundheitswesens ein wichtiger Technologie- und Digitalisierungspartner ist. Von unseren Einzelanwendungen, die in ihrer Exzellenz einen Pfleger, einen Pflegedienstleiter, einen Intensivmediziner oder Radiologen unterstützen, über mehrere Dutzend Projekte, wie wir sie etwa gerade in der digitalen Pathologie durchführen, bis hin zur großen visionären und zugleich praxisorientierten Vernetzung. In diesem Sinne werden wir auch unsere Sicht auf den Nutzen Künstlicher Intelligenz für die Klinik geben.

KI – das Buzz-Word dieser Zeit...  

Ja, aber es ist eben nicht nur ein Buzz-Word, sondern, so wie wir es sehen, vor allem eine wichtige Unterstützung – und übrigens: kein Ersatz – für ärztliches Wirken. Deshalb sprechen wir intern auch weniger von KI, sondern von „adaptiver Intelligenz“: Das heißt, unser Ansatz startet nicht bei der großen Datenmenge, sondern nimmt den Anwendungsfall als Ausgangspunkt: Wie kann in einem bestimmten Use Case eine KI – entweder kontinuierlich mitlaufend oder aufgrund von Daten, die in eben diesem Prozessschritt schon vielfach erfasst worden sind – den klinischen Prozess unterstützen, wie kann sie helfen, clevere Schlüsse zu finden? Darüber auf der DMEA in interessante Gespräche zu gehen – darauf freuen wir uns.

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Philips finden Sie auf der DMEA (09. – 11. April) in der Messe Berlin, Halle 4.2 / Stand C-104

Philips

Royal Philips (NYSE: PHG, AEX: PHIA) ist ein führender Anbieter im Bereich der Gesundheitstechnologie. Ziel des Unternehmens mit Hauptsitz in den Niederlanden ist es, die Gesundheit der Menschen zu verbessern und sie mit entsprechenden Produkten und Lösungen in allen Phasen des Gesundheitskontinuums zu begleiten: während des gesunden Lebens, aber auch in der Prävention, Diagnostik, Therapie sowie der häuslichen Pflege. Die Entwicklungsgrundlagen dieser integrierten Lösungen sind fortschrittliche Technologien sowie ein tiefgreifendes Verständnis für die Bedürfnisse von medizinischem Fachpersonal und Konsumenten. Das Unternehmen ist führend in diagnostischer Bildgebung, bildgestützter Therapie, Patientenmonitoring und Gesundheits-IT sowie bei Gesundheitsprodukten für Verbraucher und in der häuslichen Pflege. Philips beschäftigt etwa 77.000 Mitarbeiter in mehr als 100 Ländern und erzielte in 2018 einen Umsatz von 18,1 Milliarden Euro. Mehr über Philips im Internet: www.philips.de/healthcare

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