Deutschland als unattraktivster Standort für Digitalinvestitionen geoutet

Eine gerade vorgelegte Studie zur Attraktivität verschiedener Steuersysteme für Investitionen in digitale Geschäftsmodelle bemängelt die Höhe des durchschnittlichen effektiven Steuersatzes und das Fehlen von anderen steuerlichen Anreizen in Deutschland.

Ein entscheidender Faktor für die Standortentscheidung eines Investors, ist die steuerliche Behandlung von Investitionen in dem Land seiner Wahl. Der gerade von PwC in Kooperation mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Universität Mannheim veröffentlichte „Steuerlicher Digitalisierungsindex 2018“  stellt Deutschland in dieser Hinsicht ein schlechtes Zeugnis aus: „Deutschland verliert im Standortwettbewerb um digitale Investitionen an Boden“, heißt es dort.

Die größte Volkswirtschaft der EU ist laut der Analyse vom 31. auf den 33. und letzten Platz abgerutscht, denn die anderen untersuchten Länder können mit wesentlich großzügigeren Steueranreizen punkten. Die Spitzenreiter im Hinblick auf digitale Geschäftsmodelle in der EU, zumindest aus steuerlicher Sicht, sind Italien, Irland und Ungarn. Neben den 28 EU-Staaten wurden auch Japan, Kanada, Norwegen, die Schweiz und die USA in der Analyse mitberücksichtigt. Im Fokus der Untersuchung stand die Frage, wie attraktiv die Steuersysteme für Investitionen in digitale Geschäftsmodelle sind.

Höhe des Steuersatzes entscheidend

Die Studie belegt, dass die effektive Besteuerung eines Landes ein ausschlaggebendes Standortkriterium ist. Zwar ist der durchschnittliche effektive Steuersatz für digitale Investitionen in Deutschland im Vergleich zu 2017 geringfügig auf 22,2 Prozent gesunken, aber das ist im internationalen Vergleich völlig unzureichend, um die Attraktivität des Standortes Deutschland zu erhöhen, findet Frank Schmidt, Partner und Leiter der Tax & Legal Praxis von PwC, Frankfurt: „Das hat angesichts des verschärften internationalen Standortwettbewerbs aber nicht gereicht, um gegenüber anderen Ländern aufzuholen - im Gegenteil", äußert sich Schmidt. Die geringe Standortattraktivität sei zum einen auf einen Tarifsteuersatz von mehr als 31 Prozent zurückzuführen, der Deutschland inzwischen zu einem Hochsteuerland mache. „Zudem gibt es hierzulande nur wenige Steueranreize, die auf digitale Geschäftsmodelle von Unternehmen zugeschnitten sind", gibt Schmidt zu bedenken. Zum Beispiel existiere bislang keine steuerliche Förderung für Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E).

Abschreibungsregeln und gezielte Forschungsförderung als Drehschrauben

Um Digitalinvestitionen ins eigene Land zu ziehen, sollten Länder mit großzügigen Abschreibungsregeln für immaterielle Wirtschaftsgüter und einer gezielten Forschungsförderung werben, findet die Studie: „Steuerliche Anreize für F&E-Aktivitäten sowie die daraus erzielten Erträge beeinflussen die Standortattraktivität erheblich", so Christoph Spengel, Professor für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Universität Mannheim und Research Associate beim ZEW. Zudem haben zahlreiche Länder – z. B. Italien, Irland, Ungarn, Belgien, die Niederlande und die Schweiz – durch die Schaffung sogenannter "Intellectual-Property-Boxen" (IP-Boxen) zusätzliche Steuervorteile geschaffen. „Das bedeutet, dass der Fiskus Einkünfte aus immateriellen Wirtschaftsgütern wie selbsterstellter Software deutlich niedriger besteuert oder – gemessen an Effektivsteuersätzen – sogar subventioniert", erläutert Spengel. Unterm Strich können zahlreiche Staaten gezielt mit stark ermäßigten Sätzen für bestimmte Einkünfte werben.

Deutschland kann nicht mithalten

Die Studie arbeitet heraus, dass angesichts großzügiger Steuervorteile der effektive Durchschnittssteuersatz für Investitionen in digitale Geschäftsmodelle bei 8,9 Prozent liegt. Bei den drei Spitzenreitern sowie Litauen werden digitale Investitionen gemessen an den Effektivsteuersätzen sogar vom Staat subventioniert.

Im Vergleich dazu werden Investitionen in traditionelle Geschäftsmodelle im Schnitt mit einem Effektivsteuersatz von rund 21 Prozent besteuert. Auch mit Deutschland vergleichbare europäische Volkswirtschaften wie Frankreich und Großbritannien sind mit einstelligen Effektivsätzen deutlich günstiger sind als Deutschland mit 22.2 Prozent. Da Japan und die USA auch ähnlich hohe Steuerlasten wie Deutschland auferlegen, landeten auch sie beim "Steuerlichen Digitalisierungsindex 2018" weit hinten.

„Denk ich an Deutschland in der Nacht, …“

„Die hohe Mobilität digitaler Geschäftsmodelle und die Möglichkeit, internationale Märkte, ohne signifikante physische Präsenz zu bedienen, machen die Besteuerung zu einem entscheidenden Faktor für die Standortwahl", sagt Schmidt. „Aufgrund ihrer schlanken Struktur profitierten gerade Plattform-Modelle von günstigeren fiskalischen Rahmenbedingungen."

Erschwerend hinzu, so der Bericht, kommt aus deutscher Perspektive auch, dass es auch die nicht-steuerlichen Standortfaktoren, wie die digitale Infrastruktur, kein Anlass zum Jubeln geben: Deutschland landet bei diesbezüglichen Vergleichsstudien regelmäßig auch nur im Mittelfeld.

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cwm

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