Spielerisch gesund?

Universitäten reagieren auf die steigende Nachfrage nach Wissen um ‚Serious Games‘ mit der Schaffung neuer Professuren. Gamifizierung wird zunehmend in der Medizin, insbesondere zu Operations- und Rehabilitationszwecken, angewendet.

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Cornelia
Wels-Maug

Jetzt wird es ernst. Zum 1. Februar hat der Informatiker Dr. Marc Herrlich die Juniorprofessur für Serious Games Engineering an der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern angetreten. Die Ausschreibung dieser Stelle ist ein Indiz, dass 3-D-Modelle, Animationen, Videobrillen und neue Computergrafiken schon lange nicht mehr nur reinen Spielewelten vorbehalten sind, sondern dass diese Technologien auch in ‚ernsten Industriefeldern immer mehr gefragt sind. Unternehmen nutzen sie heute beispielsweise schon, um Mitarbeiter zu motivieren, oder sie werden dazu eingesetzt, Menschen vermittels Schrittzählern anzutreiben, sich mehr zu bewegen. „In diesem Zusammenhang sprechen Fachleute von Gamification“, erklärt Herrlich vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Kaiserslautern. „Die Entwicklungen in der Spieleindustrie haben dazu beigetragen, dass die Technik günstiger geworden ist und sie so auch in anderen Bereichen Anwendung findet“, ergänzt Herrlich.

Herrlich, zu dessen Forschungsschwerpunkten unter anderem Serious Games, Mensch-Computer-Interaktion und Mixed Reality zählen, beschäftigt sich auch damit, wie solche dem Spielebereich entstammenden Techniken in der Medizin eingesetzt werden können. In der Forschungsgruppe „Creative Unit: Intra-operative Information“ der Universität Bremen, an der er noch bis vor Kurzem arbeitete, hat er einen virtuellen Operationssaal mitentwickelt. „In ihm können Ärzte zum Beispiel den Umgang mit neuen virtuellen Techniken trainieren. Sie üben etwa, mit Handgesten zu steuern“, berichtet Herrlich.

In einem anderen Projekt hat er ein Verfahren entwickelt, das Ärzten während einer Operation eine bessere Orientierung geben soll. „In unserem Fall ging es um das Entfernen eines Tumors aus der Leber“, sagt er. „Während des Eingriffs schauen Chirurgen immer wieder auf einen Bildschirm, auf dem ihnen ein 3-D-Modell des Tumors angezeigt wird. Damit orientieren sie sich.“ Um den Blick auf den Bildschirm zu umgehen, haben die Forscher das Operationsgerät, eine sogenannte Ablationsnadel, mit kreisförmig angeordneten Leuchtdioden ausgestattet. „Leuchten alle Lichter auf, ist der Arzt auf dem richtigen Weg. Weicht er ab, leuchten nicht mehr alle Lampen auf.“

Im Rahmen des Projekts „Adaptify“, hat der Juniorprofessor mit Physiotherapeuten daran gearbeitet, das Antrainieren von Bewegungsabläufen bei Patienten zu optimieren. „Die Bewegung der Probanden unserer Studie haben wir mit Kameras erfasst. Eine Software hat sie ausgewertet und die Therapeuten konnten auf einem Bildschirm zum Beispiel sehen, ob der Patient seine Übungen richtig absolviert hat oder ob nachgebessert werden musste,“ legt Herrlich dar. Er führt weiter aus, „hier ging es um körperliches Training. Schon lange setzen sogenannte Motion-based Games for Health, auf Deutsch bewegungsbasierte Spiele, auf eine körperliche Interaktion des Nutzers.“

Mit dem Wechsel an die TU Kaiserslautern will Herrlich seinen Fokus auf virtuelle Realität (virtual reality) und erweiterte Realität (augmented reality) legen. Wir sind gespannt, mit welchen Neuerungen er im Gesundheitsbereich noch aufwarten wird.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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