Revolution der Versorgungsqualität durch Daten

Mit fortschreitender Digitalisierung der Patientendaten nimmt der Ruf nach einer intelligenten Auswertung der Flut elektronischer Daten zu, um eine bessere gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung zu ermöglichen.

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Cornelia
Wels-Maug

Die zunehmende Digitalisierung des Gesundheitswesens erzeugt eine Flut an Patientendaten. Neben dem Nutzen, den diese für ein Individuum stiften können, verspricht die Aggregation anonymisierter Daten zu Zwecken des Gesundheitsmanagements, vielleicht auch im Deutschen vielerorts besser unter dem Begriff „Population Health Management“, bekannt, ganz neue Einsichten über Ursachen und Verläufe von Krankheiten.

Auch wenn man sich in Deutschland mit der Digitalisierung von Patientendaten im internationalen Vergleich schwertut, so gibt es auch hierzulande das Bestreben, diese voranzutreiben und die elektronisch verfügbaren Patientendaten zum Wohl der Allgemeinheit zu nutzen. So fand letzte Woche in Berlin der Kongress „Big Data konkret“ statt. Hier wurden potenzielle Anwendungsszenarien der Analyse von Big Data auf den Gebieten der Gesundheitsforschung und -versorgung ausführlich beleuchtet. Der Grundtenor der Veranstaltung war, dass die Forschung sich eine Revolution der Versorgungsqualität mittels der Strukturierung und Analyse von Patientendaten verspricht. Um diese Vision voranzubringen, hat sich die Smart-Data-Begleitforschung („Smart Data – Innovationen aus Daten“) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), der Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e.V. und die Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF) zusammengetan, um im Rahmen des Kongresses konkrete Vorschläge für eine erfolgreiche Nutzung von Big Data zu erarbeiten.

„Hätten wir die Diagnosen und Behandlungsdaten von 80 Millionen Bürgern zuzüglich Daten zum Gesundheitsstatus, könnten wir wissenschaftlich belegen, welche Maßnahmen bei welchen Erkrankungen am effizientesten wirken,“ erläutert Prof. Dr. Wilhelm Stork, Gesundheitsexperte der Smart-Data-Begleitforschung und Direktor am FZI Forschungszentrum Informatik. Dass die Erkenntnisse, die durch Analysen von Big Data gewonnen werden, sich auch ganz konkret im Alltag niederschlagen können, führt Ekkehard Mittelstaedt, Geschäftsführer des Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e.V., aus: „Die Möglichkeiten, die wir durch eine intelligente Nutzung von Big Data im Gesundheitssektor haben, sind praktisch in jedem Bereich denkbar – egal ob in Reha-, Pflege- oder Sozialeinrichtungen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist entscheidend, dass wir eine einheitliche Infrastruktur schaffen, auf der die zahlreichen Produkte angewendet werden können. Darüber hinaus müssen wir die Bereitschaft der Anwender stärken, Zum jetzigen Zeitpunkt ist entscheidend, dass wir eine einheitliche Infrastruktur schaffen, auf der die zahlreichen Produkte angewendet werden können. Darüber hinaus müssen wir die Bereitschaft der Anwender stärken, indem wir den Mehrwert deutlich machen, den der Einsatz von datengestützten IT-Systemen für die Gesundheitsversorgung mit sich bringt.“

Auf dem Kongress wurde klar angesprochen, was einer besseren Datennutzung in Deutschland im Wege steht. Die Liste ist umfassend. Viele Redner nannten den deutschen Datenschutz als Forschungshemmnis und forderten, neue Konzepte für Datenschutz und –zugriff durch eigens geschaffene Professuren für Medizininformatik zu entwickeln. Andere beklagten den Datenschutzaufwand, der es nicht gestatte, dass Daten in verschiedenen Unterprojekten eines Forschungsvorhabens mehrfach genutzt, erhalten und kombiniert werden können oder dass keine Forschungsverbünde mit Krankenkassen zulässig seien. Es wurde auch angeregt, Konzepte wie Datensparsamkeit und Zweckbindung mit Hinblick darauf zu überprüft, dass oft Patienten selbst damit einverstanden seien, ihre höchstpersönlichen Daten zu teilen.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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