Patientenbeteiligung am häufigsten durch Portale

Das HIMSS Analytics Trendbarometer: Der Patient rückt in den Mittelpunkt und beteiligt sich maßgeblich daran, gesund zu bleiben oder zu gesunden. Welche Optionen zur Patientenbeteiligung bieten Gesundheitseinrichtungen und was erwarten Verbraucher in der D-A-CH-Region?

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Cornelia
Wels-Maug

Wie wird Patientenpartizipation im D-A-CH-Gebiet gelebt? Welche Strategien verfolgen Institutionen des Gesundheitswesens und welche Erwartungen haben Verbraucher diesbezüglich? Die HIMSS Analytics Trendbarometerstudie “Patientenpartizipation” widmete sich dieser Thematik.

Etwa die Hälfte (48 Prozent) der im Rahmen der Trendbarometerstudie “Patientenpartizipation” befragten Gesundheitseinrichtungen in der D-A-CH Region gaben an, eine formelle Strategie zur Patientenpartizipation mittels Informationstechnologie (IT) zu verfolgen. Für die Studie wurden im ersten Quartal 2016 insgesamt 318 Personen online befragt, 216 (68 Prozent) davon aus Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern, Arztpraxen oder medizinische Versorgungszentren, sowie 102 (32 Prozent) aus „anderen Organisationen“ wie beispielsweise Beratungs- und IT-Unternehmen. Dabei geben 56 Prozent der Gesundheitseinrichtungen aus Deutschland sowie 54 Prozent aus Österreich an, eine solche Strategie zu verfolgen, wohingegen dies in der Schweiz nur bei 40 Prozent der Gesundheitseinrichtungen zutrifft.

Wie gestalten Gesundheitseinrichtungen Patientenpartizipation?

Laut der Studie sind Patientenportale die von Gesundheitseinrichtungen am häufigsten bereitgestellten Tools (36 Prozent), um Patienten in ihre persönliche Gesundheitspflege und -versorgung einzubinden. Angebote in Social Media Netzwerken (z. B. Facebook Gruppe zu gesunder Ernährung, Tweets zur Raucherentwöhnung, Youtube Videos für Rückenübungen) folgen an zweiter Stelle (18 Prozent). Apps zum Aufzeichnen von Gesundheits- und Vitaldaten entweder mit Smartphone oder mit Wearables und mHealth Geräten (wie Smartwatches, Bluetooth Körperwaagen, Fitbits etc.) spielen eher eine untergeordnete Rolle (insgesamt 7 Prozent). Eine Vielzahl der Einrichtungen, 39 Prozent, geben an, überhaupt keine Tools zur Patientenpartizipation bereitzustellen. Vor diesem Hintergrund ist es dann auch wenig verwunderlich, wenn nur 13 Prozent der Gesundheitseinrichtungen ihre Patienten nach deren Bedürfnissen im Umgang mit Gesundheits-IT befragen.

Patientenbeteiligung aus Sicht der Verbraucher

Die Unternehmensvertreter wurden aber nicht nur nach der Strategie ihrer Firma bezüglich Patientenpartizipation befragt, sondern auch auf deren persönlichen Einstellungen zu Tools, die eine Einbindung des Patienten ermöglichen.

Die Mehrheit der Befragten würde wahrscheinlich Patientenportale (Bereitstellung patientenspezifischer Fachinformation von Ärzten, Onlinesprechstunden etc.) verwenden, um sich für ihre persönliche Gesundheitspflege und -vorsorge zu engagieren. Dagegen schätzen sie es als sehr unwahrscheinlich ein, von einem Angebot aus einem Social Media Netzwerk Gebrauch zu machen.

Die Untersuchung hat auch gezeigt, dass es durchaus verschiedener Faktoren und Anreize bedarf, um Patienten/Verbraucher noch stärker in ihre Gesundheitspflege mit einzubeziehen, da insgesamt nur 1 Prozent der Befragten aus dem D-A-CH Raum der Meinung sind, dass es „keiner Faktoren und Anreize bedarf“. Zweiunddreißig Prozent der Befragten betonen dagegen die Notwendigkeit, „Finanzieller Anreize seitens der Krankenkasse/Versicherer“ und jeweils 24 Prozent denken, dass „Bessere Produkte /Angebote für den Patienten/Verbraucher“ sowie „Informationen über den gesamtgesellschaftlichen Nutzen“ notwendig wären, um Anreize für Patientenpartizipation zu schaffen. Siebzehn Prozent erhoffen sich, dass dies durch „Gesetzesänderungen hin zu einer verstärkten Teilhabe des Patienten“ umgesetzt werden könnte.

Mobile Applikationen als Schlüssel zu mehr Patientenpartizipation

Apps sind ein wichtiges Mittel, mit Institutionen des Gesundheitswesens in Kontakt zu treten, aber auch, um Parameter der eigenen Gesundheit zu erfassen beziehungsweise sich zu gesundheitsrelevanten Fragestellungen zu informieren. Laut Studie sind die wichtigsten Funktionen auf einem mobilen Gerät der Zugang zur persönlichen Krankenakte, die Überwachung der eigenen Vitalwerte bei chronischen Krankheiten, die Möglichkeit, Termine buchen, ändern oder absagen zu können sowie über einen Medikationsplan mit Erinnerungsfunktion zu verfügen. Dagegen wurde der Zugang zu einem animierten Erste Hilfe Handbuch oder die Überwachung der eigenen Vitalwerte zur Gesundheitsvorsorge als die am wenigsten wichtigen Funktionen eingestuft, unabhängig aus welchem der drei D-A-CH Länder die Befragten kommen.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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