Per Zuckersensor Typ-1-Diabetes selbstständig managen

Deutschlands erste virtuelle Diabetes-Ambulanz für Kinder mit Typ 1 existiert seit eineinhalb Jahren. Hier haben Familien Gelegenheit, sich einmal im Monat per Video ärztlich beraten zu lassen und bisher scheint dies gut angenommen zu werden.

Seit Juli 2017 existiert in Deutschland die erste virtuelle Diabetes-Ambulanz für Kinder und Jugendliche (ViDiKi), die am Typ-1-Diabetes erkrankt sind. Im Rahmen einer Studie, die noch bis Ende 2019 laufen soll, werden die Zuckerwerte von 240 ausgesuchten Kindern, die in Schleswig-Holstein und Hamburg diabetologisch betreut werden, per Sensor kontinuierlich überwacht. Finanziert wird das Projekt vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen.

Initiatorin der Studie sowie deren Leiterin ist Dr. Simone von Sengbusch, Oberärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein am Standort Lübeck. Sie will herausfinden, wie die telemedizinische Betreuung von den Familien aufgenommen wird, was sie kostet und ob sich der Stoffwechsel der Kinder sowie die Lebensqualität der Familien dadurch verbessern lassen. Eine der teilnehmenden Familien bekräftigt dies: „Nach einem knappen Jahr ViDiKi ist Johannes HbA1c von über acht auf 6,9 gesunken", berichtet die Mutter des Kindes und dessen Vater merkt an: „Wenn Johannes krank ist oder sein Zucker stark schwankt, dürfen wir uns auch zwischendurch an Dr. von Sengbusch wenden. Und sogar abends mit ihr chatten, wenn Johannes schläft". Die teilnehmenden Studienärzte können freiwillig Abend- und Wochenendtermine anbieten.

Und so funktioniert es

Die betreuten Kinder bleiben weiterhin bei ihrem bisherigen Diabetesteam in der Klinik oder Arztpraxis in Behandlung, wo einmal im Quartal auch der Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c) bestimmt wird. Zusätzlich erhalten die Familien mindestens alle vier Wochen einen Telemedizintermin mit einem Kinderdiabetologen der Unikliniken Lübeck und Kiel oder am Städtischen Krankenhaus Kiel.

Am Tag vor dem vereinbarten Videochat übermitteln die Eltern die Dateien mit den aktuellen Messwerten, Insulingaben und anderen wichtigen Informationen ihres Kindes an den Arzt, der, basierend auf den übermittelten Informationen, gegebenenfalls die Diabetestherapie anpasst. Beim Onlinechat werden mögliche Änderungen mit den Eltern besprochen sowie deren vielfältigen Fragen beantwortet. Bis zu 40 Minuten Zeit nehmen sich die Ärzte je nach Problemlage: „Neben Infekten und Zuckerschwankungen sind es bei den Kleinen häufig Wachstumsschübe, die den Eltern das Diabetes-Management erschweren", erzählt von Sengbusch. „Oder es geht darum, wie man Jugendliche motiviert, die keine Lust zum Spritzen haben".

Vorteile der virtuellen Ambulanz

Sengbusch sieht insbesondere zwei große Vorteile von ViDiKi für Eltern und Kinder: „Sie lernen, den Diabetes mithilfe des Zuckersensors möglichst selbstständig zu managen. Zudem ersparen sie sich lange Fahrten in die Klinik, für die sich viele extra freinehmen müssen. Und das oft nur, um Zuckerkurven mit dem Arzt anzuschauen".

Damit die Therapie nach Bedarf angepasst werden kann, müssen die involvierten Eltern allerdings bereit sein, sich intensiv mit der Technik zu beschäftigen. Dazu wurden sie zu Beginn der Studie geschult. „Wir laden die Daten aus dem Speicher der Insulinpumpe auf den Server der Herstellerfirma hoch", erklärt der Vater des kleinen Johannes. „Dort kann die Ärztin sich alles ansehen". Für den Datenschutz werden Passwörter, verschlüsselte PDF-, Mail- und SMS-Programme und ein spezielles Arzt-Patienten-Videoportal verwendet, das keine Daten speichert.

Sengbusch erhofft sich, dass die Studie dazu beiträgt, die telemedizinische Betreuung von Kindern mit Diabetes Teil der Regelversorgung wird. „Und das nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern auch in anderen Regionen, in denen Kinderdiabetologen Mangelware sind und Eltern lange Anfahrten in Kauf nehmen müssen", wünscht sie sich.

Quelle

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cwm

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