SCARLETRED, STAATSPREIS DIGITAL SOLUTIONS 2017

Österreich vergibt den Innovationspreis Digital Solutions 2017

Auch in Österreich weiß man, dass Digitalisierung ein Effizienz- und damit ein Erfolgsfaktor ist, den es gilt, auch im Gesundheitsmarkt sinnvoll einzusetzen. Der Staatspreis Digital Solutions unterstreicht dies.

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Cornelia
Wels-Maug

Der neu ausgelobte Staatspreis Digital Solutions, der dieses Jahr erstmals verliehen wurde, zeichnet hervorragende digitale Produkte, Dienste und Anwendungen in Österreich aus. Der vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) in Wien verliehene Preis würdigt zukunftsweisende digitale Prototypen, Pilotprojekte sowie noch nicht am Markt befindliche Produkte, Dienste und Anwendungen. Anlässlich der Preisverleihung, die im Rahmen eines Festaktes am E-Day:17 im April stattfand, stellt Staatssekretär Harald Mahrer klar: „Der Wettbewerb wird härter, internationaler und innovationsgetriebener. Unsere Unternehmen sind in einigen Bereichen bereits führend, aber wir müssen neue, chancenreiche Felder stärker besetzen. Nur wenn es uns gelingt, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, werden wir auch in Zukunft erfolgreich sein“.

Standardisierte Dokumentation von Hautveränderungen gewinnt

Das Diagnostik-Tool ‚SCARLETRED®Vision‘ wurde aus den acht nominierten Projekten zum Gewinner des neuen Staatspreises gewählt. Hinter dem Produkt steht das von Harald Schnidar gegründete Wiener Start-up Scarletred. Bei dem Tool handelt es sich um eine Smartphoneapp, die Hautveränderungen standardisiert dokumentieren kann. Die Lösung kombiniert eine Smartphoneapp, um Hautstellen zu fotografieren, einen Sticker zum Kalibrieren der Bilder, einen QR-Tag und eine Cloud-Datenbank: "Das Produkt ist in der Handhabung vergleichbar mit dem eines Thermometers, nur anstelle von Hauttemperatur vermisst unsere App Hautfarben und liefert Zahlen zur Größe und zeitlichen Veränderung der untersuchten Hautregionen", erläutert Schnidar. Bisher setzt man für solche Messungen teure Spektrophotometer ein. Die App erlaubt, Hautveränderungen wie Rötungen, Pigmentierung, Schuppung oder Wunden erstmals ortsunabhängig messen und in weiterer Folge vergleichen zu können. Bei der Beurteilung orientiert man sich am in der Farben- und Lackindustrie standardisiert eingesetzten Farbraum CIE-LAB*.

Mit dem Produkt könnten Milliarden an Kosten im Gesundheitsbereich eingespart werden, in dem etwa neue Medikamente rascher und sicherer entwickelt werden ist Scarletred überzeugt: "Ineffiziente Therapien oder schlecht wirkende Medikamente aber auch Nebenwirkungen können rascher erkannt und Behandlungen effizient verbessert werden". Bei chronischen Wunden könne so beispielsweise einfach nachvollzogen werden, ob eine Antibiotikatherapie tatsächlich ihre Wirkung entfaltet.

App für bessere Befundung ausgezeichnet

Der Innovationspreis Digital Solutions für noch nicht am Markt befindliche Lösungen ging an die von Wiener Forschern konzipierte bildbasierte Suchmaschine ‚RadiologyExplorer‘, einer weiteren E-Health-Anwendung. RadiologyExplorer wurde von Start-ups Contextflow, einer Ausgründung der Medizinischen Universität Wien zusammen mit der Technischen Universität (TU) Wien, entwickelt. Basierend auf Methoden des maschinellen Lernens durchsucht die Software automatisch Bilddatenbanken, die Röntgen-, Magnetresonanz- oder Computertomografieuntersuchungen entstammen. Dabei können auch 3-D-Bilder und Textinformationen berücksichtigt werden. Die Lösung erlaubt, Verbindungen zwischen den Diagnosen und den zugrunde liegenden Bilddaten aufzuspüren: "Die Technologie unterstützt Radiologen bei der Erstellung von genaueren Befunden in kürzerer Zeit, indem sie ermöglicht, während der Befundung direkt und schnell auf relevante Referenzfälle zuzugreifen", so Contextflow, das bereits Tests in vier Ländern durchgeführt hat. Für den Leiter der Uniklinik für Radiologie und Nuklearmedizin, Christian Herold, ist die Entwicklung "ein wichtiger Schritt in der Anwendung von Machine Learning Algorithmen im klinischen Alltag. Eine Suchmaschine, die das Finden relevanter Bilddaten und den quantitativen Vergleich von Fällen erlaubt, ist in der Radiologie hochrelevant."

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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