Notfall auf der Insel?

Notarzteinsatz per Helikopter oder Krankentransport mit Seenotrettungskreuzer? Das kann passieren, wenn man auf einer Insel wohnt. Ist das immer notwendig oder kann eine telemedizinische Triage nicht die Aufregung für den Patienten abfangen und Kosten sparen?

Immer wieder kommt es auf den Halligen zu Notfalleinsätzen. Entweder muss dazu ein Notarzt per Hubschrauber eingeflogen werden, oder aber ein Kranker wird per Seenotrettungskreuzer oder Helikopter zum Festland gebracht. Oft aber stellen sich diese anstrengenden und kostspieligen Einsätze im Nachhinein als unnötig heraus.

Basierend auf dieser Erfahrung wurde das Telemedizinprojekt „HALLIGeMED“ vom Institut für Rettungs- und Notfallmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) ins Leben gerufen, um das therapiefreie Intervall für den akutmedizinischen Notfall zu verkürzen. Es wird mit 750.000 Euro von den Ministerien für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren sowie für Inneres, ländliche Räume und Integration gefördert.

Nun kann ein Arzt per Telemedizin live aus dem 100 Kilometer Luftlinie entfernten UKSH zugeschaltet werden, um mit Datenbrille und Monitor die Erstversorgung durchzuführen. So kann sachkundig und zeitnah entschieden werden, ob ein Patient mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden muss oder ein Transport mit der Fähre am nächsten Tag ausreicht.

Dazu werden die Krankenpfleger auf den Halligen im Umgang mit der technischen Ausrüstung geschult, sodass sie bei einem Notfall einen direkten Kontakt mit dem UKSH herstellen sowie Patientendaten austauschen können.

Das dreijährige Pilotprojekt HALLIGeMED startete am 1.1.2018 und wird bis zum 31.12.2020 auf den Halligen Hooge, Langeland und Oland erprobt. Nach Ablauf des Projektes soll dessen Wirksamkeit beziehungsweise Effizienz evaluiert werden.

HALLIGeMED ist allerdings nicht die einzige telemedizinische Versorgung, die in Schleswig-Holstein angeboten ist, gegenwärtig gibt es die folgenden Angebote:

  • Die „elektronische Visite“―elVi: Mit elVi ermöglichen die AOK Nordwest, die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) und das Praxisnetz Herzogtum-Lauenburg eine Livevisite per Tablet oder PC zwischen Arztpraxis und einer stationären Einrichtung. Dabei sollen Medikation, Therapievorschläge sowie Unklarheiten über eine räumliche Distanz hinweg direkt besprochen werden. Anfänglich können ausschließlich Versicherte der AOK Nordwest das Angebot wahrnehmen, das für diese kostenfrei ist.
  • „Mein Herz“: Das Projekt der Segeberger Kliniken in Kooperation mit der DAK erlaubt Menschen mit chronischer Herzschwäche, zu Hause medizinisch betreut zu werden. Dabei bildet der tägliche Gesundheitscheck im eigenen zu Hause das Herzstück. Patienten mit Herzschrittmacher oder Defibrillator werden über ein Zusatzgerät 24 Stunden überwacht. Dadurch gelingt es, Risiken frühzeitiger zu erkennen und die Notwendigkeit für Krankenhausaufenthalte zu reduzieren.
  • EPI-Vista: Ist ein Angebot, das sich an junge Menschen mit Epilepsie richtet. Mittels der EPI-Vista Software können Kinder und Jugendliche mit Epilepsie von zu Hause aus Medikamenteneinnahme oder Auffälligkeiten ihrer Krankheit dokumentieren. Dies wird durch eine einmal in der Woche stattfindende Telefonsprechstunde mit einem Arzt ergänzt, der wiederum alle für eine Behandlungsentscheidung relevanten Informationen aus EPI-Vista entnehmen kann. Wie in einer Krankenakte dokumentieren sowohl die behandelnden Ärzte als auch die Betroffenen selbst die Medikamenteneinnahme, -dosierung oder -wirkung, Anfallshäufigkeiten und Erfolge bisheriger Behandlungsmaßnahmen.
  • Patientus: Diese Onlineplattform schafft die Voraussetzung für virtuelle Hausbesuche per Videosprechstunde. Patient und Arzt können miteinander sprechen und Bildmaterial und Dokumente austauschen. Den Termin für die Videosprechstunde können Patienten online buchen oder telefonisch verabreden.
  • Die virtuelle Diabetesambulanz ViDiKi: Dieses Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1, die von zu Hause mit einem Behandler sprechen können.

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cwm

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