Digitalisierung bedarf eines politisch gestalteten Ideenwettbewerbs

Das Potential der Digitalisierung des Gesundheitswesens wurde von einem multidisziplinären Auditorium diskutiert, um zu differenzierteren Lösungsansätzen zu deren gesellschaftlichen Umsetzung u gelangen.

„Die Digitalisierung ist längst im Gesundheitswesen angekommen. allerdings hinkt das Gesundheitswesen bei digitalen Anwendungen im Vergleich zu anderen Branchen noch deutlich hinterher“. So beginnt Dr. Florian Staeck, Redakteur des Ressorts Gesundheitspolitik/Wirtschaft der Ärzte Zeitung, seine Zusammenfassung der jüngsten Tagung des Frankfurter Forums. Die dort gehaltenen Vorträge sowie das Resümee der Veranstaltung bilden den Gegenstand des Diskurs-Hefts 17 „Digitales Gesundheitswesen: Konzepte und Praxisbeispiele“, das Anfang Mai 2018 publiziert wurde.

Das im Herbst 2008 als „offenes und interdisziplinäres Diskussionsforum“ entstandene „Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen” trifft sich zweimal jährlich, um „langfristige Fragen der Gesellschafts- und Gesundheitspolitik überparteilich und im Austausch von Fachleuten aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft ohne Zeitdruck“ zu diskutieren. Die Ergebnisse dieser Tagungen erscheinen in Form der frei erhältlichen Diskurs-Hefte.

Im Heft 17 werden bereits realisierte sowie geplante digitale Vorhaben im Gesundheitswesen vorgestellt. Dabei werden deren Chancen und Einschränkungen im Hinblick auf eine bessere Versorgung von Patienten beleuchtet. Als Hürden der Digitalisierung seien insbesondere „die starke Fragmentierung des Systems und seiner Akteure, die hohe regulative Normendichte und die ungleiche Verteilung von Kosten und Nutzen der Digitalisierung zu nennen. Doch digitale Angebote in anderen Wirtschaftszweigen hätten bei den Versicherten längst neue Erwartungshaltungen im Hinblick auf Bequemlichkeit, Verfügbarkeit und Service auch im Gesundheitswesen wachsen lassen“, fasst Staeck zusammen.

Er weist ferner auf die neuen Akteure im Gesundheitswesen hin, insbesondere auf die privaten Krankenversicherungen, die mit neuen Geschäftsmodellen experimentieren würden: „Zugleich nehmen Versicherte längst neue digitale Angebote an, die ihnen eine aktivere Rolle erlauben: Wearables, ..., werden immer beliebter“, stellt er fest. Insgesamt würde die Digitalisierung den Krankenkassen viele Möglichkeiten eröffnen, „Patienten enger als bisher in das Management ihrer Krankheit einzubeziehen“, wird im Fazit festgehalten. Staeck weist auch darauf hin, dass das Gesundheitswesen „immer mehr zum Marktplatz werde, „sei es bei der Bewertung von Ärzten oder bei der Online-Terminvergabe. Schließlich tauschen sich Patienten immer häufiger in Foren oder Chats aus und handeln selbstbestimmter“. Infolge dessen wachse der Druck in der gesetzlichen Krankenversicherung und anderen Bereichen des Gesundheitswesens, Regeln aufzustellen, die „einen selbstbestimmten Umgang mit Daten und hohe Schutzanforderungen in Einklang zu bringen“.

Ein zentrales Ergebnis des 17. Frankfurter Forums war, dass eine ordnungspolitische Debatte über Ziele und Wege für die Digitalisierung im Gesundheitswesen notwendig sei, allen voran das Festsetzen von Interoperabilitätsstandards. Dafür sei der Gesetzgeber in der Pflicht. Chancen und Risiken seien gleichermaßen vorhanden: „Jetzt kommt es auf die politische Gestaltung eines sinnvollen und dem Ziel der guten Patientenversorgung dienenden Ideenwettbewerbs an“, schließt Staeck das Resümee der Tagung. 

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cwm

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