Momentaufnahme

Ein HIMSS Analytics Streifzug durch die D-A-CH Krankenhauslandschaft belegt, dass zwar elektronisch dokumentiert wird, aber Daten nicht umfangreich für klinische Entscheidungsfindungssysteme genutzt werden. Arzneimittelsicherheit jedoch ist eine der wichtigsten Anwendungen.

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Cornelia
Wels-Maug

Werden klinische Systeme zur Entscheidungsstützung auch in der D-A-CH Region zur Behandlung eines Patienten zurate gezogen? Wenn ja, wofür?

Dieser Frage ging HIMSS Analytics in einer Telefonbefragung von 108 Krankenhaus CIOs nach, die im D-A-CH Gebiet im Zeitraum Q4-2014 bis Q1-2017durchgeführt wurde. Es handelt sich dabei nicht um eine repräsentative Umfrage, sondern vielmehr um eine ‚Momentaufnahme‘, die beleuchtet, inwiefern die digitalen Voraussetzungen für den Einsatz solcher Systeme überhaupt gegeben sind. Zumindest sind diese in den befragten Häusern vielversprechend, denn immerhin setzen dort ein:

  • 94 % Arztdokumentationssysteme
  • 84 % Pflegedokumentationssysteme.

Dies ist wichtig, denn die Erhebung dieser Daten ist die Voraussetzung zur Anwendung klinischer Systeme zur Entscheidungsstützung, die Medizinern dabei helfen können, bessere Entscheidungen bei der Diagnose beziehungsweise der Wahl der Behandlung zu treffen. Dabei identifizierte unsere Momentaufnahme, dass fast jedes zweite Krankenhaus solche Systeme dafür einsetzt:

  • klinischer Protokolle und Pfade zu unterstützen (48 %)
  • Arzneimittelinteraktionen zu erkennen (47 %).

Einsatz klinischer Entscheidungsfindungssysteme in D-A-CH

Quelle: HIMSS Analytics

Fast jeder fünfte Befragte nutzt ein computergestütztes Entscheidungssystem um:

  • Relevante Sammelverordnungen vorzuschlagen ("Order Sets") (24 %)
  • Arzneimittel / Allergie Interaktionen herauszufinden (18 %)
  • Doppelte Verordnungen zu bemerken (18 %)
  • Dosierung, inkl. kumulativer Dosierung, zu überprüfen (18 %)
  • Vorausschauende regelbasierte Warnungen basierend auf Patientenverfassung zu geben (18 %).

Gerade angesichts der Bedeutung der Thematik unerwünschte Arzneimittelreaktionen, die im D-A-CH Gebiet jährlich für fünfstellige Sterbefälle verantwortlich ist, ist es erfreulich zu sehen, dass dies die zweithäufigste Anwendung ist. Gleichzeitig wünscht man sich, dass sie noch viel höher liegen möge.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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