E-Medikation startet in Österreich

Ärzte in Österreich haben nun Zugriff auf E-Medikationsdaten ihrer Patienten und sehen sofort, was bereits verordnet und welche Medikamente tatsächlich in der Apotheke abgeholt wurden. So vermeidet man Mehrfachverordnungen und unerwünschte Wechselwirkungen.

Seit Jahresbeginn wird die Funktion e-Medikation flächendeckend im österreichischen Bundesland Vorarlberg als ein zusätzlicher Bestandteil der in 2015 eingeführten elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) ausgerollt. Laut dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (HVSV) soll die E-Medikation Anwendung bis 2019 schrittweise in allen Bundesländern Österreichs bei Apotheken, niedergelassenen Kassenordinationen und öffentlichen Krankenhäusern eingeführt werden.

Überblick über alle Medikamente

Der österreichische E-Medikationsplan gibt eine Übersicht über die in einem Zeitraum von einem Jahr verordneten und an einen Patienten ausgehändigten Medikamente. Dabei werden nicht nur rezeptpflichtige Arzneimittel, sondern auch wechselwirkungsrelevante rezeptfreie Arzneimittel berücksichtigt. Laut HVSV können Ärzte dank dieser Funktion auf die E-Medikationsliste ihrer Patienten zugreifen und sich darüber informieren, was ihre Kollegen bereits verordnet und welche Medikamente sich ein Patient in der Apotheke abgeholt hat. Gleichzeitig können auch die Apotheker auf die Liste zugreifen und so eine bessere Beratung beim Kauf zusätzlicher rezeptfreier Medikamente anbieten.

Die Aufstellung der Medikamente erfolgt in zwei Gruppierungen: „Abgeholte Arzneimittel“ und „Verschriebene Arzneimittel/offene Rezepte“, wobei die einzelnen Spalten Informationen über den Namen, die Dosierung und etwaige Zusatzinformationen zur Anwendung des Medikaments enthalten. Darüber hinaus wird angezeigt, zu welchem Zeitpunkt und von welchem Arzt ein Medikament verordnet beziehungsweise wann es in der Apotheke abgeholt wurde. Dadurch möchte man insbesondere Wechselwirkungen und eine mögliche Doppelmedikation vermeiden. Dies geschieht auch aus der Überlegung heraus, dass Patienten oft keine vollständige Übersicht über die von ihnen eingenommenen Arzneimittel und deren Dosierung haben oder sich nicht die Namen der Präparate merken können. Der HVSV weist darauf hin, dass nicht-rezeptpflichtige Medikamente, von denen der behandelnde Arzt nichts weiß, wie beispielsweise Hustensäfte, zu Interaktionen führen.

Damit der E-Medikationsplan auch tatsächlich umgesetzt wird, sind die niedergelassenen Vertragsärzte und Apotheken seit Februar 2018 verpflichtet, die verordneten Medikamente in den elektronischen Plan einzutragen. Der Arzt kann die bestehende Medikation prüfen und ein Rezept mit entsprechendem Code ausstellen. Die Apotheken können dann durch Scannen dieses Codes oder das Einlesen der E-Card den E-Medikationsplan um die neu verschriebenen Medikamente erweitern. Dazu ist es erforderlich, dass die Apotheke über ein spezielles Lesegerät für die E-Card verfügt.

Die EDV der Apotheken ist noch nicht so weit

Die österreichische Apothekerkammer begrüßt die Einbindung der Apotheken in die elektronische Gesundheitsversorgung, weist aber darauf hin, dass hinsichtlich der verwendeten EDV ein Verbesserungspotenzial in puncto Integration in den Berufsalltag bestünde. Eine umfangreiche Software mit Input zu füttern und gleichzeitig ein komplettes Beratungsgespräch zu führen sei im normalen Apothekenbetrieb schwer umsetzbar, zudem die Apotheken dafür auch nicht bezahlt würden. Budgetiert sei das Programm mit einem jährlichen Kostenbeitrag von mindestens €900, dem eine einmalige staatliche Finanzierung von €1.000 gegenübersteht.

cwm

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