Erfolgreiches, motivierendes und nachhaltiges online-gestütztes Lernen hat Erfolg

Im ersten Jahr des neuen Masterstudiengangs „Health Information Management“ wird dieser mit einem eLearning Preis gekürt. 42.News sprach mit der Studiengangsleiterin, Professorin Dr. Elske Ammenwerth der UMIT, über ihre Erfahrungen am Ende des ersten Studienjahres.

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Cornelia
Wels-Maug

Im September 2017 startete an der privaten Universität für Medizinische Informatik und Technik (UMIT)in Tirol der im deutschsprachigen Raum erste ausschließlich online-basierte Masterstudiengang „Health Information Management“ (siehe auch), der bereits auf der diesjährigen Didacta ausgezeichnet wurde. Der Studiengang adressiert die Digitalisierung des Gesundheitswesens, indem er Fachkräften Fähigkeiten vermittelt, um als „Brückenbauer“ zwischen klinischen und technologischen Anforderungen zu wirken.

Der Masterstudiengang „Health Information Management“ verzichtet ja völlig auf Präsenzphasen – funktioniert das wirklich?

Ammenwerth: Unsere Studierenden können zeit- und ortsunabhängig online-basiert lernen, studieren aber trotzdem gemeinsam in ihrer Studiengruppe, eng betreut durch den Dozenten. Tatsächlich funktioniert dies sehr gut, so gut, dass wir im Februar anlässlich der Didacta 2018 mit dem eLearning Award 2018 in der Kategorie "Social Learning" ausgezeichnet wurden. Die Jury begründete dies damit, dassauch in asynchronen online-gestützten Lernsettings ein gemeinsames Lernen möglich sei, welches auch erfolgreich, motivierend und nachhaltig sein könne.

Wir haben dabei aber gelernt, wie wichtig hierfür eine gemeinsame Einstiegsphase ist. Zu Beginn des Studiums veranstalten wir daher eine dreitägige Netzwerkveranstaltung mit allen neuen Studenten. Diese war freiwillig, aber es nahmen alle teil. Diese Netzwerktage sind wichtig zur atmosphärischen und organisatorischen Vorbereitung auf das Studium. Wir haben gesehen, wie wichtig diese Tage sind, um einen Vertrauensraum für das gemeinsame Lernen in der Gruppe aufzubauen. Die Netzwerktage wiederholen wir jetzt auch zu Beginn des dritten Semesters auf Wunsch unserer Studierenden. 

Was sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit dieser Form des Unterrichts? 

Ammenwerth: Grundsätzlich hat das gemeinsame online-gestützte Lernen sehr gut funktioniert. Aber natürlich konnten wir auch dazu lernen. 

So haben wir erkannt, dass die Balance zwischen beruflichen und privaten Verpflichtungen unserer Teilnehmer und der Arbeitsbelastung im Studium individuell sehr genau geplant werden muss. Dieses Studium erfordert kontinuierliche und aktive Mitarbeit. Wir beraten daher in den Bewerbungsgesprächen jetzt noch genauer bezüglich des Zeitaufwands und der Vereinbarkeit vom Studium mit Beruf und Familie.

Wie kann man sich das gemeinsame Studium vorstellen?

Ammenwerth: Die Teilnehmer sind in einem ständigen Austausch miteinander und mit den Dozenten. Dies geschieht durch den regelmäßigen Austausch insbesondere in asynchronen Diskussionsforen, seltener face-to-face in einer Videokonferenz. Die Studenten müssen jede Woche praxisnahe Aufgaben bearbeiten, z. B. wird ein Einführungskonzept für eine elektronische Fieberkurve erstellt. Sie tauschen sich dann in den Diskussionsforen bezüglich ihrer Lösungsideen aus, geben sich gegenseitig Feedback und verbessern ihre Lösung. Dadurch entstehen intensive Diskussionen aus verschiedenen Perspektiven ̶ technischen, klinischen, ökonomischen usw. Dadurch lernen die Teilnehmer die Sichtweisen anderer Berufsgruppen kennen und können diese dann in ihre Lösungsvorschläge einbauen. Die Dozenten verfolgen die Diskussionen und geben fachlichen Input oder beantworten Fragen, wo notwendig. 

Wie steht es um die Motivation Ihrer Studenten im ersten Jahr?

Ammenwerth: Erfreulicherweise sind alle weiterhin mit Feuereifer dabei. Die Lehrevaluationen zeigen eine hohe Zufriedenheit mit dem Lernformat, den Lerninhalten und mit der Betreuung durch die Dozenten. Die Studierenden sehen, dass sie viel lernen können und das Gelernte auch in der Praxis anwenden können. 

Aber natürlich gibt es auch hier Verbesserungsmöglichkeiten: So haben wir anfänglich die Kursinhalte nur wochenweise eingeblendet, um das gemeinsame Studieren zu unterstützen. Dies hat sich nicht so bewährt, und jetzt sehen die Teilnehmer alle Kursinhalte von Anfang an. Das erleichtert ihnen die Zeit- und Arbeitsplanung. 

Planen Sie inhaltliche Änderungen des Curriculums?

Ammenwerth: Das Curriculum hat sich bisher sehr bewährt. Neben Themen wie Projekt- und Prozessmanagement bearbeiten wir im ersten Jahr auch Krankenhausinformationssysteme, eHealth und Interoperabilität. Das werden wir so beibehalten. 

Perspektivisch überlegen wir bereits jetzt für das 3. und 4. Semester Themen wie Machine Learning oder klinische Entscheidungsunterstützung noch stärker in das Studium zu integrieren. Hier möchten wir aber erst mal die weiteren Erfahrungen abwarten. 

Wie reagiert der Arbeitsmarkt auf die Absolventen?

Ammenwerth: Noch ist es zu früh für Absolventenstatistiken. Wir haben aber von einer Vielzahl an Firmen aus der Health-IT-Branche sowie von Gesundheitseinrichtungen und auch von Fachverbänden Unterstützungserklärungen bekommen, die einen Bedarf an unseren Absolventen klar sehen. Ein Teilnehmer mit einem pflegerischen Hintergrund hat übrigens bereits im 2. Semester in eine Health-IT-Firma gewechselt. 

Für Siemens Healthineers bieten wir sogar seit diesem Jahr einen eigenen, englischsprachigen Universitätslehrgang für ihre internationalen Mitarbeiter an, der dem gleichen Curriculum folgt. Dies zeigt doch den Bedarf. 

Was würden Sie anderen Anbietern online-gestützter Lernangebote empfehlen?

Ammenwerth: Aus unserer Erfahrung würde ich sagen: Eine gemeinsame Präsenzphase am Beginn des Studiums zum Kennenlernen ist entscheidend für ein vertrauensvolles, kooperatives online-gestütztes Studium. Und: Ein Onlinestudium darf nie zu einem „Fernstudium“ werden, wo passiv Lernunterlagen gelesen oder gehört werden. Nachhaltiges Lernen ist nur durch aktive Bearbeitung von realitätsnahen Lernaufgaben und durch kontinuierlichen Austausch in der interprofessionellen Teilnehmergruppe möglich. Gemäß unserem Motto: Gemeinsam Kompetenzen entwickeln!

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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