Eine digitale Romanze – Healthtech.Belgium

HealthTech.Belgium, eine „Dating-Agentur“ für Gesundheits-IT in Belgien, möchte Start-ups mit Partnern, die ihre Geschäftsideen verwirklichen können, zusammenbringen. HIMSS hat von der Agentur erfahren, wie sie das Innovationstempo in Europa beschleunigen will.

By
Tammy
Lovell

HealthTech.Belgium wurde dieses Jahr mit dem Ziel auf den Markt gebracht, einen „Fast Track“ zu entwickeln, der MedTech- und eHealth-Projekten den Zugang zu Informationen und Unterstützung ermöglicht, die sie benötigen.

Im Geiste dieses Ansinnens startete das Unterfangen mit einer Speed-Dating-Veranstaltung, bei der Unternehmer die Gelegenheit hatten, sich mit Industrievertretern zu vernetzen und sich über die nächsten Schritte zur Entwicklung ihrer Projekte beraten zu lassen. Innovationen, die die Forschungs- und Entwicklungsphase (F & E) erreicht haben, erhalten die Gelegenheit, in der Liveumgebung getestet und validiert zu werden.

Bei der von der Regierung finanzierten Initiative handelt es sich um eine Zusammenarbeit zwischen drei belgischen Industrieverbänden: dem Verband der Technologieunternehmen (Agoria), dem Verband der Medizintechnischen Industrie (beMedTech) und dem der Krankenhausmanager (ABDH). „Zu oft fallen neue Projekte in das Tal des Todes und erreichen nie die Patienten", bedauert Carole Absil von Agoria. „Technologie-Start-ups haben oft fantastische Produkte, aber es gibt keine Pläne, sie zu finanzieren. Es dauert lange, bis sie von den Behörden genehmigt werden. In der Zwischenzeit können sie in Schwierigkeiten geraten, müssen vielleicht Konkurs anmelden oder können das Produkt nicht auf den Markt bringen, weil sie falsche Entscheidungen getroffen haben und zu langsam mit der Umsetzung sind“, fügt sie hinzu.

Um dem entgegenzuwirken, nutzt HealthTech.Belgium eine breite Palette an Kontakten, um Start-ups mit den richtigen Ansprechpartnern in Krankenhäusern, Universitäten oder der Industrie zusammenzubringen. Eines der zentralen Themen für Innovationen im Bereich der Gesundheits-IT ist die Einhaltung der EU-Verordnungen, wie z. B. den neuen Richtlinien zu Medizinprodukten, die 2020 in Kraft treten werden. „Ab 2020 müssen Medizinprodukte, die für die Diagnose oder Prognose einer Krankheit herangezogen werden, die CE-Kennzeichnung erhalten", führt Absil aus. „Wir müssen die Industrie auf die Durchführung klinischer Studien und die Evaluierung ihrer Produkte vorbereiten. HealthTech.Belgium ist eine Antwort auf ihre Bedürfnisse“.

Die Initiative zielt nicht darauf ab, „das Rad neu zu erfinden“, betont Absil, vielmehr „weist sie Start-ups in die richtige Richtung, um bereits verfügbare Dienste zu finden“. Dies kann so unterschiedliche Dienstleistungen wie Business-Coaching, Produktvalidierung, Teambuilding und die Erstellung internationaler Strategien beinhalten, die von HealthTech.Belgiums strategischen Partnern angeboten werden. „Diese Art Expertise fehlt oft in der Start-up-Umgebung", findet Absil.

Unterstützung beim Lernen

HealthTech.Belgium unterstützt auch das MedTech Akzelerator Schulungsprogramm der Gesundheits- und Technologieverbände lifetech. Brüssel, MedTech Flanders und MedTech Wallonia.

Das Akzelerator Programm läuft seit 2016 für Unternehmer in Brüssel. Dieses Jahr ist jedoch das Erste, in dem Bewerber aus ganz Belgien zugelassen wurden. Es steht für MedTech-Projekten offen, die weniger als drei Jahre alt sind, über eine erste Labor-Machbarkeitsstudie verfügen und ihre Hypothesen über ihren Markt von potenziellen Kunden bestätigt haben lassen. Die teilnehmenden Start-ups erhalten vier Monate Gruppen- und Einzelcoaching sowie Informationen zu Themen wie Geschäftsmodelle, Regulierung, geistiges Eigentum, klinische Studien und wie sie den Markt für ihre spezifischen Lösungen ermitteln können.

„Die dahinterstehende Idee ist, die Start-ups aus dem Labor zu holen und ihnen eine unternehmerischere Perspektive nahezubringen. Wir stellen auch sicher, dass sie noch während der Laufzeit ihres Projektes, Endnutzer zu Rate ziehen und von diesen eine schnelle Rückmeldung erhalten, sodass sie ihre Lösung schneller verbessern können“, erläutert Sophie Lienart von lifetech. Brüssel. „Dies ist für die meisten Teilnehmer ein großer Schritt, da sie aus der Wissenschaft kommen und keine Ahnung haben, wie ihre Lösung in der realen Welt angenommen wird. Die meisten von ihnen haben noch nie mit Krankenhäusern oder Ärzten gesprochen“.

Einer der Teilnehmer, El Taghdouini Adil, ein Doktorand der Freien Universität Brüssel, erhielt den diesjährigen Preis für sein StellaScreen-Biotechnologie Projekt, das die Entwicklung innovativer anti-fibrotischer Medikamente beschleunigen soll. Dazu setzte er in-vitro phänotypische Screening-Tests ein. Adil erhielt neben 3.000 Euro für die Entwicklung seines Projekts auch eine Jahresmitgliedschaft bei Agoria und beMedTec. Das Projekt wird von  Innoviris, dem Brüsseler Institut zur Förderung von Forschung und Innovation, finanziert.

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Hierbei handelt es sich um eine Übersetzung des Artikels von Tammy Lovell, der in der HIMSS Insights 7.1 erschienen ist.

Tammy Lovell

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