Ruf nach einer standardisierten elektronischen Patientenakte

Krankenversicherer treiben aktiv den Gebrauch elektronischer Patientenakten voran. Nun appellieren Techniker Krankenkasse und die AOK Baden-Württemberg, dabei keine Insellösungen zu schaffen, sondern die Portabilität der Daten zu gewährleisten.

Als Teil der CEBIT, die sich diese Woche in Hannover ereignet, fand am Mittwoch der „Digital Health Summit“ unter dem Motto „Research & Innovation“ statt. Dabei standen unter anderem die Themen “Big Data Analytics“,“Artifical Intelligence“, „Virtual/Augmented/Mixed Reality“, „Intelligent vernetzte Gesundheitsversorgung“, „Digitale Transformation“, „Digital Health ― the physician’s perspective“ auf dem Programm. Aber auch die Rolle der Krankenversicherer als eine treibende Kraft der Digitalisierung des Gesundheitswesens sowie der elektronischen Patientenakte als Herzstück des vernetzten Gesundheitswesens wurden diskutiert.

Am besten vernetzt …

In einer gemeinsamen Presseerklärung anlässlich des Digital Health Summits erklärten die Techniker Krankenkasse (TK) und die AOK Baden-Württemberg ihr einhelliges Ziel, „die Akteure im Gesundheitswesen über die Sektorengrenzen hinweg zu vernetzen, und so die Versorgung der Versicherten zu optimieren.“ Nur medizinische Daten, die nicht isoliert voneinander bei Ärzten, Krankenhäusern, Therapeuten oder Krankenkassen lägen, sondern sinnvoll zusammengeführt und genutzt würden, hätten einen Mehrwert für die Versorgung der Versicherten. Damit diese aber bestimmen könnten, wer auf die eigenen Daten zugreifen dürfe, müssten die Versicherten die Datenhoheit über ihre persönlichen Gesundheitsinformationen ausüben. Deshalb forderten beide Versicherer, dass bestehende technische Lösungen sinnvoll zusammengeführt werden müssten, „damit diese digitale Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen möglich wird“.

Standardisierung der Gesundheitsakten zum Nutzen der Versicherten

Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, und Siegmar Nesch, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, drängten deshalb auf eine Standardisierung der Gesundheitsakten für Versicherte in Deutschland. Alle Aktenlösungen sollten einheitlichen technischen Standards folgen. „Nur so sei gewährleistet, dass die unterschiedlichen Lösungen der Krankenkassen miteinander kompatibel sind und sich keine Insellösungen etablieren“, hieß es in der Pressemitteilung. 42.News berichtete bereits über die verschiedenen Angebote der Versicherer. Baas strich hervor: „Es ist gut, dass Krankenkassen hier die Führungsposition übernommen haben und das Thema Gesundheitsakte voranbringen." Es dürfte jedoch nicht zu einer Vielzahl von Einzellösungen führen. Nesch ergänzte „Die Digitalisierung macht dort Sinn, wo sie den Versicherten und ihrer Gesundheitsversorgung einen Mehrwert bringt. Die großen Potenziale der Digitalisierung können wir heben, wenn wir gemeinsam auf die Kompatibilität der technischen Lösungen setzen“. Deshalb müssten Aktenlösungen und Gesundheitsnetzwerke so gestaltet werden, dass die Daten portabel sind. "Wir schaffen offene Standards, sodass ein Versicherter seine Daten bei einem Kassenwechsel problemlos mitnehmen kann", postulierte Baas.

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cwm

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