Changemanagement in der Gesundheitsbranche

Die Stimmungslage gegenüber den durch Digitalisierung erzeugten Änderungen im Gesundheitswesen ist verhalten. Durch den geringen Durchdringungsgrad der IT im Gesundheitssektor konnten bisher auch nur wenige der verheißenen Vorteile realisiert werden.

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Cornelia
Wels-Maug

Die voranschreitende Digitalisierung bringt grundlegende Veränderungen für die Gesundheitsbranche, die sich in konkreten Anwendungen wie beispielsweise der Einführung einer digitalen Patientenakte und das Praktizieren von Telemedizin niederschlagen wird. So lautet ein Ergebnis des gerade veröffentlichten Change-Barometers „Herausforderungen der Gesundheitsbranche 2017 – 2021“, das die Mutaree GmbH in Zusammenarbeit mit Dr. Martina Oldhafer, Leitung Changemanagement am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, erstellt hat.
Die Grundlage der Studie bildet eine Befragung von 100 ausgewählten Repräsentanten der Gesundheitswirtschaft zu deren Einschätzung über die Gesundheitsbranche. Bei den Studienteilnehmern handelte es sich dabei um Führungskräfte in Verwaltung und Versorgung sowie Chefärzte und Mitarbeiter im Bereich Pflege.

Wo drückt der Schuh?

In den Gesprächen kristallisierten sich die folgenden pressierenden Herausforderungen innerhalb der Gesundheitsbranche heraus, die sich, laut Einschätzung der Befragten, auch noch signifikant bis ins Jahr 2021 verstärken werden:  Steigender Kostendruck (95%), Umgang mit steigenden regulatorischen und gesetzlichen Anforderungen (93%), Digitalisierung (89%) und steigende Anforderungen an die Bindung von Talenten (84%).

Kostendruck ist vorrangiges Problem

Es besteht akuter Handlungsbedarf in puncto „steigender Kostendruck“: 45 Prozent der Befragten sagen, dass diesbezüglich zwar erste Vorbereitungen getroffen wurden, diese jedoch nicht abgeschlossen seien. Sechzehn Prozent finden, dass es eher unwahrscheinlich sei, in nächster Zeit den notwendigen Veränderungen gewachsen zu sein und nur sechs Prozent gehen davon aus, dass sie im Bereich Kosten so gut aufgestellt sind, um daraus einen Wettbewerbsvorteil generieren zu können.
Doch auch in den anderen Themenfeldern herrscht Handlungsbedarf. Beispielsweise ist keiner der Studienteilnehmer der Auffassung, man sei gut auf die steigenden Anforderungen der Patientenbedürfnisse vorbereitet.

Digitalisierung muss von allen getragen warden

Die Studienteilnehmer rechnen mit ganz konkreten Veränderungen im Gesundheitswesen durch die Digitalisierung: 86 Prozent erwarten mit hoher Wahrscheinlichkeit die Einführung einer digitalen Patientenakte, 87 Prozent rechnen mit Telemedizin, 85 Prozent mit einer Vernetzung der Berufsgruppen über die Sektorengrenzen hinweg. Jedoch sei die Akzeptanz der digitalen Veränderungen noch nicht gegeben. Im klinischen Umfeld ist die Unzufriedenheit gerade mit den IT-Systemen tendenziell sehr hoch. Dies muss angegangen werden. „Die Digitalisierung bringt große Veränderungen. In ihr stecken aber auch viele Chancen, die erkannt, kommuniziert und umgesetzt werden müssen. Natürlich ist es wichtig, dass Organisationen Strukturen und Prozesse hinterfragen. Zeitgleich sollten sie aber immer die Menschen in ihren Fokus stellen. Um eine neue Kultur zu etablieren, muss sie von jedem Einzelnen getragen werden. Das sicherzustellen, ist die Verantwortung der Unternehmen und Organisationen,“ erläutert Claudia Schmidt, Geschäftsführerin der Mutaree GmbH. In dieser Hinsicht spielt das Thema der Verantwortungsübernahme eine entscheidende Rolle, denn oft, so berichtet Oldhafer, fühlt sich niemand für die Schaffung einer neuen Kultur verantwortlich.

Umfassendes Changemanagement erforderlich

Schmidt folgert aus den Studienergebnissen, dass eine umfassende Veränderung im Gesundheitswesen stattfinden muss: „Kostenreduzierungsprogramme alleine stellen keine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung sicher. Umfassende Veränderungsfähigkeit wird zur Überlebensfrage. Die Zukunft wird zeigen, ob der Gesundheitssektor ausreichend Agilität und Change-Fitness besitzt. Noch immer dominieren in der Branche traditionelle Denkweisen und -muster. Nun aber ist es mehr als dringlich, die notwendigen Veränderungen anzugehen, um ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen zu etablieren.“

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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