Investition in Big Data Anwendungen

Die Bundesregierung versucht, Forschung und Patientenversorgung auf den Stand des 21. Jahrhundert zu lancieren. Big Data als Chance, Erkrankungen künftig besser zu verhindern, schneller zu diagnostizieren und zielgerichteter bzw. nebenwirkungsärmer zu therapieren.

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Cornelia
Wels-Maug

Das Bundesforschungsministerium (BMBF) hat gerade €150 Millionen zum Aufbau einer national vernetzen Infrastruktur und Datenintegrationszentren sowie von Lehrstühlen für Medizininformatik vergeben. Ziel laut BMBF ist es, „die wachsenden Datenschätze – von Röntgenbildern bis hin zu Erbgut-Analysen – in einer nationalen Infrastruktur zu verknüpfen, um daraus neues Wissen für eine bessere Gesundheitsforschung und Versorgung zu gewinnen“.

Vier Konsortien mit insgesamt 17 Universitätszentren werden ab Januar 2018 mit jeweils rund €30 Millionen für vier Jahre gefördert. Gleichzeitig sind auch 40 Partner aus Forschung und Wirtschaft involviert. Drei weiteren Konsortien, die auch aus Universitätskliniken bestehen, kommt eine Förderung von jeweils €10 Millionen zu. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln der Förderlinie Medizininformatik des BMBF. Mithilfe innovativer IT-Lösungen soll der Austausch und die intelligente Nutzung von Daten aus der Krankenversorgung sowie der klinischen und biomedizinischen Forschung vorwärtsgebracht werden. Das BMBF betont, dass Datenschutz und Datensicherheit haben dabei höchste Priorität.

Bessere Versorgung durch Erkenntnisse der Datenanalyse

Letztendlich geht es darum, die durch die fortschreitendende Digitalisierung entstehenden Datenmengen zu nutzen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und damit zu einer verbesserten und effizienteren Gesundheitsversorgung beizutragen. Forschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka erläuterte anlässlich der Vergabe der Fördermittel in Berlin: „Unsere Vision ist, dass jede Ärztin und jeder Arzt, egal ob in Kliniken, Haus- oder Facharztpraxen, alle verfügbaren Erfahrungswerte und Forschungsergebnisse auf Knopfdruck abrufen und in seine Therapieentscheidungen einbeziehen kann. Dadurch werden die Patientinnen und Patienten zukünftig noch besser beraten und therapiert".

Der Vergabe der Fördermittel ging ein neunmonatiger Auswahlprozess voraus, für den sich 28 der 33 Universitätskliniken Deutschlands in sieben Konsortien zusammengeschlossen hatten. An der Auswahl waren neben internationalen Experten aus dem Bereich Medizin und Medizinische Informatik auch Patientenvertretern und Datenschützern beteiligt, um sicherzustellen, dass die Datenhoheit bei den Patienten selber verbleibt.

Die glücklichen Gewinner sind …

Die Wahl fiel auf die vier folgenden Konsortien:

  • Difuture (Data Integration for Future Medicine): Harmonisiert, integriert und analysiert verschiedenste Arten von Daten aus der Krankenversorgung und der Forschung. Ziel ist es, Krankheitsursachen und Verläufe besser zu verstehen, um Erkrankungen künftig zu verhindern, schneller zu diagnostizieren beziehungsweise zielgerichteter und nebenwirkungsarm therapieren zu können. Erste Anwendungsfälle werden neurologische Erkrankungen sowie Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein.
  • Highmed (Heidelberg-Göttingen-Hannover-Medizininfromatik): Ziel ist es, gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) vermittels neuer medizininformatischer Lösungen und einem übergreifenden Datenaustausch, die Forschung und Versorgung zu verbessern. HiGHmed legt zudem großen Wert auf die Qualifizierung von Mitarbeitenden in der Medizininformatik sowie das Training der Ärzte und des Gesundheitspersonals im Umgang mit den neuen Technologien. HiGHmed fokussiert auf die Bekämpfung von Krankenhausinfektionen sowie darauf, Krebs- und Herz-Kreislauferkrankungen durch personalisierte Ansätze wirkungsvoller zu behandeln.
  • Smith (Smart Medical Information Technology for Health): Bündelung medizininformatischer, klinischer, systemmedizinischer, computerlinguistischer und epidemiologischer Kompetenzen, um eine institutionen- und standortübergreifende Nutzung elektronischer Gesundheitsdaten aus der Krankenversorgung und der patientenorientierten Forschung zu ermöglichen. Dabei geht es darum, aus elektronischen Patientenakten automatisierte Informationen zu gewinnenden, um Versorgungsabläufe zu studieren und zu verbessern; Patienten auf Intensivstationen automatisch zu überwachen, um schnellere therapeutische Eingriffe zu ermöglichen, und computerbasierte Entscheidungshilfen für Ärzte beim leitliniengerechten Einsatz von Antibiotika zu entwickeln.
  • Miracum Medical Informatics in Research and Care in University Medicine): Bildgebende Diagnostik, genetische und molekulare Untersuchungen gehören zu den Informationen aus der Klinik, die MIRACUM vernetzt, um beispielsweise Hirntumore künftig wirkungsvoller behandeln zu können. Per Datenanalyse sollen Patienten mit verbesserter Trennschärfe bestimmten Subgruppen zugeordnet werden und Datenabfragen sollen die Rekrutierung von Patienten für klinische Studien erleichtern.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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