Interoperabilität im deutschen Gesundheitswesen voranbringen

Vernetzt arbeiten bedeutet auch, medizinische Dokumente einrichtungsübergreifend auszutauschen. Das ist nicht trivial. Deshalb hat IHE Deutschland mit Anwendern und Herstellern Value Sets für Metadaten erarbeitet. Sie liegen nun vor.

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Cornelia
Wels-Maug

Die Umsetzung integrierter Versorgung in die Praxis braucht viele Akteure. Ganz wichtig dabei ist, dass eine Kommunikation zwischen den verschiedenen IT-Systemen und Medizingeräten stattfinden kann. Dafür setzt sich IHE (Integrating the Healthcare Experience) Deutschland ein. Die 2002 gegründete Organisation hat es sich zum Ziel gesetzt, den Einsatz von etablierten internationalen Standards wie DICOM und HL7 zur Optimierung der Prozesse innerhalb eines Krankenhauses, einer Praxis oder auch zwischen den Gesundheitseinrichtungen zu fördern. Dazu stellt sie ein technisches Rahmenwerk als Implementierungsleitfaden und Testtools für Anwender und Hersteller zur Verfügung.

Einrichtungsübergreifenden Austausch medizinischer Dokumente

„Gerade der einrichtungsübergreifende Austausch von Dokumenten wird durch eine gemeinsame Sprache in den Metadaten erleichtert und aufwändige Umkodierungen werden dann überflüssig“, erklärt Antje Brander, Medizinische Informationssysteme, Universitätsklinikum Heidelberg, die als Anwendervertreterin bei der AG Value Sets mitarbeitet.

Die IHE Profile zum einrichtungsübergreifenden Austausch medizinischer Dokumente (XDS – Cross-Enterprise Document Exchange) werden in vielen Projekten in ganz Deutschland verwendet. Diese Profile stellen eine moderne, internationale Grundlage für den elektronischen Austausch medizinischer Dokumentationen im Gesundheitswesen dar und definieren einen umfangreichen Satz an Metadaten (wie z. B. Fachrichtung, Einrichtungsart und Dokumententyp) zur Beschreibung medizinischer Dokumente. Dies ermöglicht eine bessere und einheitliche Anzeige, Auswertung und Archivierung dieser Daten. Die internationale Spezifikation gibt hier jedoch keine konkreten Terminologien vor, um die häufig sehr landestypischen Konzepte (z. B. ein Medizinisches Versorgungszentrum als Einrichtungsart) abzubilden.

Value Sets für XDS Metadaten abgestimmt

Damit die unterschiedlichen IHE XDS Projekte in Deutschland in Zukunft auch überregional einfacher Dokumente austauschen können und um neuen Projekten einen schnelleren Einstieg zu ermöglichen, haben sich Anwender und Hersteller im Rahmen von IHE Deutschland zur Erarbeitung gemeinsamer Metadaten in der Arbeitsgruppe „Value Sets“ zusammengeschlossen. „Als wir in Heidelberg damit begonnen haben, eine IHE-basierte Infrastruktur aufzubauen, mussten wir uns zwangsläufig mit dem Thema Metadaten für IHE XDS auseinandersetzen, da es praktisch noch keine anderen Projekte gab, von denen man hätte lernen können. Zu dem Zeitpunkt wären die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Value Sets sehr hilfreich gewesen“, weiß Brander aus eigener Erfahrung.

„Value Sets“ sind Teil der „Cookbook“ Initiative von IHE Deutschland, deren Ziel es ist, die Nutzung moderner IHE Profile durch „Lösungs-Rezepte“ zu vereinfachen, die die internationalen Spezifikationen im deutschen Kontext erläutern. „Unser Value Set Projekt ist neben Cookbook auch Zulieferer des europäischen und von den USA unterstützen Metadataset Projects von IHE-Europe. Letzteres wird in Kürze als internationales Whitepaper veröffentlicht, in das auch unsere Ergebnisse und Anforderungen eingeflossen sind. Wir können so demonstrieren, dass deutsche Anforderungen international sehr wohl berücksichtigt werden, wenn man sie denn einbringt“, erläutert Dr. Frank Oemig, Senior eHealth Architect, Deutsche Telekom Healthcare and Security Solutions GmbH, und IHE-D ITI Caretaker.

In der aktuellen Version wurden Value Sets zu folgenden Attributen erarbeitet und innerhalb des Interoperabilitätsforums für Deutschland abgestimmt:

  • Einrichtungsart (DocumentEntry.healthcareFacilityTypeCode)
  • Fachrichtung (DocumentEntry.practiceSettingCode)
  • Dokumentenklasse (DocumentEntry.classCode)
  • Dokumententyp (DocumentEntry.typeCode)
  • Dokumentenformat (DocumentEntry.formatCode)
  • Dokumentensprache (DocumentEntry.languageCode)
  • Ordnerklassifizierung (Folder.codeList).

Die erste offizielle Version kann nun als PDF heruntergeladen werden. „Damit sind aber die Arbeiten noch lange nicht abgeschlossen“, merkt Oemig an und verweist darauf, dass gegenwärtig an Value Sets für weitere Attribute gearbeitet wird, wobei der Confidentiality Code und die AuthorSpecialty schon fertig sind, sowie Ergänzungen zu den bereits bestehenden Value Sets diskutiert werden.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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