Professor Erwin Böttinger wird IT-Anwendungen und Datenanalysen im Gesundheitssystem erforschen. Foto: HPI/K. Herschelmann

In Potsdam beginnt der Aufbau des ‚Digital Health Centers‘

Ein hehres Ziel: Die Entwicklung und Erforschung modernste IT-Anwendungen und Datenanalysen im Gesundheitssystem. Aber unter der Ägide eines international renommierten Forschers an einer privat finanzierten Fakultät ist das ein vielversprechendes Vorhaben.

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Cornelia
Wels-Maug

Das Hasso-Plattner-Institut (HPI) will sich im Zuge seiner Erweiterung in Zukunft noch stärker im Gesundheitsbereich engagieren. Deshalb hat das HPI gemeinsam mit der Universität Potsdam zum 1. April dieses Jahres die Digital-Engineering-Fakultät gegründet. Sie bietet ein ingenieurwissenschaftliches Informatikstudium an, das sich in Lehre und Forschung auf die Grundlagen und Anwendungen großer, hoch komplexer und vernetzter IT-Systeme spezialisiert. Finanziert wird das Ganze zu 100 Prozent von der Hasso-Plattner-Stiftung.

Studienfach Digital Health

Laut dem Dekan der neuen Digital-Engineering-Fakultät, Professor Dr. Christoph Meinel, hat sie es sich auf die Fahnen geschrieben, die modernsten IT-Anwendungen und Datenanalysen im Gesundheitssystem zu entwickeln und zu erforschen. Dies soll dann innerhalb der vier neuen Masterstudiengänge in den Fachbereichen Digital Health, Smart Energy, Cybersecurity und Data Engineering umgesetzt werden.

Prof. Dr. Erwin Böttinger, international renommierter Spezialist auf dem Gebiet ‚Digital Health‘ wurde zum 1. Oktober 2017 berufen, den neuen Fachbereich Digital Health aufzubauen. Damit verbunden ist die Ausgestaltung des ‚Digital Health Centers‘ sowie die Konzeption eines entsprechenden Studienganges.

„Wir freuen uns, diesen international renommierten Experten für die Universität Potsdam gewinnen zu können“, so Universitätspräsident Oliver Günther, Ph.D. „Professor Böttinger ergänzt unsere Stärken im Bereich der Digitalisierung und Präzisionsmedizin in idealer Weise. Auch die Schnittstellen zum Gesundheitscampus Brandenburg sind gegeben.“

Böttinger hat sich international einen Ruf in der biomedizinischen Forschung erworben. Nach seinem Medizinstudium in Bayern wechselte er 1987 in die USA und forschte unter anderem an den Harvard-Universitätskliniken in Boston und dem National Cancer Institute. Vor seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete er in New York City, wo er das ‚Charles Bronfman Institute for Personalized Medicine‘ gründete. Zuletzt leitete er das Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH).

Digitale Transformation mitgestalten

„Der Aufbau des zukunftsweisenden ‚Digital Health Centers‘ und Studienganges Digital Health an der gemeinsamen Digital-Engineering-Fakultät der Universität Potsdam und des Hasso-Plattner-Instituts bietet einzigartige Möglichkeiten, die digitale Transformation der Medizin auf internationalem Topniveau mitzugestalten“, findet Böttinger. Er freue sich sehr, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen in Potsdam diese Herausforderung anzunehmen. „Unser Ziel ist es, die nächste Generation von Innovatoren in der Gesundheitsbranche auszubilden,“ sagte Böttinger. Geplant sind außerdem Onlinekurse für Patienten oder Mitarbeiter im Gesundheitswesen – über die am HPI entwickelte Plattform openHPI.

Über Potsdam hinaus …

Das neue Zentrum wird im Gebäude des HPI angesiedelt. Parallel dazu soll noch eine Außenstelle in New York City im selben Gebäude, in dem auch das von Plattner mitgegründete Softwareunternehmen SAP einen Sitz hat, aufgebaut werden. Über die New Yorker Außenstelle wolle man die Zusammenarbeit mit Partnern in den USA ermöglichen, so der Gründungsdirektor des Digital Health Centers. Dort sei man in der Entwicklung Deutschland momentan voraus.

Aber auch in Brandenburg und Berlin sei man auf der Suche nach potenziellen Partnern, kündigte Böttinger an. Gespräche gebe es etwa mit dem ‚Gesundheitscampus Brandenburg‘, einem vom Land ins Leben gerufenen Netzwerk zur langfristigen Sicherung der Gesundheitsversorgung im Flächenland Brandenburg. Es gehe darum, einen Kreislauf zu etablieren, in dem praktische Erfahrungen mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen gesammelt werden können.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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