Innovationsfonds auf dem Prüfstein

Die Bertelsmann Stiftung beleuchtet im 2. Teil ihrer Studie über digitale Gesundheitsanwendungen u. a. den Innovationsfonds: Das erforderliche hohe Maß an Aufwand, Know-how und Netzwerk kommt etablierten Unternehmen mehr zugute als Start-ups, finden die Autoren.

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Cornelia
Wels-Maug

Die Bertelsmann Stiftung hat im August einen weiteren Teil ihres Studienprojektes „Transfer von Digital-Health-Anwendungen in den Versorgungsalltag, Teil 2: Bedarfsgerechte Innovations- und Forschungsförderung: Innovationspotenzial, Förderbedarf und Implikationen“, vorgelegt. Das Anliegen der Studie ist, „die Kompatibilität gängiger Förderprogramme aus Wirtschaft und Gesundheitswesen mit dem Förderbedarf von Digital Health zu analysieren und Handlungsfelder aufzuzeigen“1. Insbesondere wird auch untersucht, inwiefern die gegenwärtige Innovationsförderung in Deutschland Start-ups zugutekommt, neue Anwendungen im eHealth Bereich auf den Markt zu lancieren. Dabei haben die Autoren sieben öffentliche Wirtschaftsförderungsprogramme sowie den speziell auf das Gesundheitswesen zugeschnittenen Innovationsfonds untersucht.

42 News hat im Folgenden die komprimierte Beurteilung der Konzeption des Innovationsfonds, die sich auf den Seiten fünf und sechs der Studie befindet, extrahiert:

„Im Gesundheitswesen gibt es nur wenige Förderprogramme, die für Digital Health infrage kommen. Das derzeit prominenteste ist der Innovationsfonds. Spezifische Förderbedarfe von Digital Health, wie Nutzennachweis, Vergütung oder Interoperabilität, werden thematisch angesprochen, doch sind sie für Anbieter als Hauptantragsteller kaum realisierbar, da eine produktbezogene Förderung ausgeschlossen ist. Beim Innovationsfonds gibt bzw. gab es zudem nur ein kurzes Zeitfenster für die Antragstellung bei lediglich einer Förderwelle mit den Schwerpunkten Telemedizin, E-Health und Telematik. Diese sind in anderen Förderwellen ausgeschlossen.

Programme der Wirtschaftsförderung und der Innovationsfonds schließen einander aus, sind also nicht zu kombinieren. Die Analyse zeigt darüber hinaus, dass Programme der Wirtschaftsförderung teilweise für Beratung zu den Themen „Interoperabilität“, „Zertifizierung“ und „Vergütung“ genutzt werden können; für Studien zum Nutzennachweis sind sie meist weniger geeignet. Insgesamt leiten sich drei wesentliche Handlungsempfehlungen ab:

Handlungsempfehlung 1 (an Start-ups): Förderbedarf und Fördermöglichkeiten frühzeitig abschätzen

Oft unterschätzen Anbieter von Digital-Health-Lösungen den Mehraufwand für den Zugang in den ersten Gesundheitsmarkt. Dies betrifft insbesondere die Themen „Interoperabilität“, „Zertifizierung“, „Vergütung“ und „Nutzennachweis“. Für die Anbieter ist es sinnvoll, diese Bedarfe frühzeitig abzuschätzen, ggf. einzuplanen und geeignete Förderprogramme zu nutzen.

Handlungsempfehlung 2 (an Politik und Selbstverwaltung): Förderprogramm für Studien zum Nutzennachweis von Digital-Health-Anwendungen (v. a. für akut und chronisch Kranke) aufsetzen

Insbesondere Digital-Health-Lösungen für akut und chronisch Kranke sollten durch eine Finanzierung des Nutzennachweises in Form primärdatenbasierter Studien gefördert werden. Diese Forschung sollte vor allem für Start-ups verfügbar sein, die aktuell in kleinen Teams mit kurzen Entwicklungszyklen arbeiten. Entsprechende Förderbudgets sollten jederzeit, auch außerhalb enger Antragszeiträume, zu beantragen und mit Vorgaben zu methodischen Mindestanforderungen verbunden sein. Auch das wirtschaftliche Interesse eines Anbieters und eine Zugehörigkeit zu der Klasse der Medizinprodukte sollte kein grundsätzliches Ausschlusskriterium darstellen.

Im Rahmen des Innovationsfonds könnte die Umsetzung in einem gesonderten, fortlaufenden Förderschwerpunkt erfolgen. Alternativ kann ein eigenes Förderprogramm, losgelöst vom Innovationsfonds, hierfür aufgesetzt werden. Folgende Eckpunkte eines solchen Programms erscheinen basierend auf der Analyse sinnvoll:

  • Der Fokus liegt auf der spezifischen Förderung des Nutzennachweises von Digital-Health-Anwendungen, die im weitesten Sinne eine medizinische Zweckbestimmung haben.
  • Es sollten nur geringe bzw. Mindestanforderungen an die Eigenkapitalbasis der Hersteller gestellt werden.
  • Eine zeitlich flexible Antragstellung während der Laufzeit sowie eine kurzfristige Prüfung und Rückmeldung zu den Förderbescheiden ist möglich.
  • Die Antragstellung und die Bewilligung erfolgen in einem mehrstufigen Prozess. Der Antragsaufwand kann reduziert und die Eintrittsbarriere niedriggehalten werden, indem für jede Stufe ein kurzer spezifischer Antrag gestellt wird.
  • Um den Verwaltungsanteil sowohl für Start-ups als auch für den Programmträger kleinzuhalten, sollte das Antragsverfahren transparent sein.
  • Um die Beratung und Begutachtung zu zentralisieren, ist ein bundesweiter Projektträger sinnvoll.

Handlungsempfehlung 3: Digitalisierung als Voraussetzung in relevanten Förderprogrammen definieren

In Anforderungskatalogen von Förderprogrammen mit versorgungsinhaltlicher Ausrichtung wie etwa dem Innovationsfonds sollte beachtet werden, dass IT als Querschnittsthema bzw. als Grundanforderung verankert ist und nicht als eigenständiges Thema neben versorgungsinhaltlichen Förderschwerpunkten. Digital Health, Telemedizin und Telematik sollten demnach als Voraussetzung, nicht als eigener Schwerpunkt, in entsprechende Kriterienkataloge aufgenommen werden:

  • Für den Fall einer Anwendung im Innovationsfonds wird empfohlen, den Ausschluss von Telemedizin, Digital Health und Telematik außerhalb des eigenen Förderschwerpunktes (zweite Welle) aufzuheben und IT stattdessen als Voraussetzung oder Kriterium für alle Förderwellen aufzunehmen.
  • Für alle anderen Förderprogramme sollte ebenfalls gelten, dass versorgungsinhaltliche Anforderungen sowie Anforderungen an Digitalisierung bzw. IT-Umsetzung gleichermaßen und von Anfang an mitberücksichtigt werden.“

1Siehe: Transfer von Digital-Health-Anwendungen in den Versorgungsalltag (Teil 2) zuletzt betrachtet am 21.9.2017

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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