Dr. Hannes Kenngott, Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg, begeht mit Hilfe der Hololens-Brille ein virtuelles Patientenzimmer in der neuen Chirurgischen Klinik, die 2019 in Betrieb genommen wird. Die Brille soll im Zuge der Recruiting-Kampagne und bei Mitarbeiter-Schulungen zum Einsatz kommen. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg.

OP 4.0 – Chirurgie der Zukunft im Bau

Die Digitalisierung der klinischen Versorgungsprozesse weitet sich schrittweise auch auf andere Arbeitsbereiche eines Krankenhauses aus. Nur konsequent, Hightech affine Mitarbeiter mithilfe neuer Technologien zu gewinnen.

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Cornelia
Wels-Maug

Wenn die Heidelberger Chirurgie spätestens im Juli 2019 das gegenwärtig noch im Bau befindliche neue Klinikgebäude bezieht, wird sie ihr gegenwärtiges, 1939 eingeweihtes, Zuhause nach 80 Jahren verlassen. „Hier wurde nationale und internationale Medizingeschichte geschrieben“, erklärte Professor Dr. Matthias Krack, Ärztlicher Direktor, auf einer Presseversammlung im Heidelberger Universitätsklinikum in der vergangenen Woche. „Von hier aus wurde ein Innovationsschub ausgelöst – in Deutschland und weltweit“, und er verwies dabei auch auf die Gründung des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), die hier stattfand. Der Geist der Innovation setzt sich auch in der Konzeption der „neuen“ Chirurgie fort. „Zum Zeitpunkt des Einzugs wird es das modernste Krankenhaus Europas sein, da es mit der neuesten und zeitgemäßesten Technik ausgestattet sein wird“, betonte Krack. Bald schon werden dort unter anderem Hybrid Operationssäle, Roboterchirurgie und fusionierte Bildgebung Einzug halten.

Patient im Fokus

Aber Krack stellte auch klar, dass trotz der faszinierenden Technik nichts so wichtig wie der Mensch sei, und der stehe nach wie vor im Mittelpunkt. Gisela Müller, Leiterin Pflegedienst Chirurgie, führte einige der Neuerungen auf – klimatisierte, hellere und größere Zimmer mit moderner Lichtsteuerung – die zu einer noch besseren Versorgung der Patienten beitragen sollen. Aber auch für die Pflegenden bedeutet das modernisierte Konzept geringere Laufwege, besser vernetztes Arbeiten und damit eine Reduktion von Doppeldokumentation. Im Übrigen würden die identisch ausgelegten Abteilungen durch ihre homogene Logistik zu einer Verringerung der Einarbeitungszeiten für das Personal führen.

Der Infocube – Digitale Transformation erreicht das Personalwesen

Bevor jedoch die Pflege dort ihre Arbeit aufnehmen kann, gilt es noch, den Bedarf an Mitarbeitern aufzustocken. Und dazu setzt die Heidelberger Chirurgie auch bei der Mitarbeiterrekrutierung auf den Einsatz von Hightech in Form eines "Infocubes", einem gläsernen digitalen Display, das 3-D-Animationen vorführt, und in einen Informationsstand integriert ist. Hausintern wurde für diesen Zweck ein Video erstellt, das „choreographierte Video- und 3D-Elemente enthält. Zusätzlich werden mittels einer "Mixed-Reality"-Brille faszinierende Einblicke in die Chirurgie der Zukunft ermöglicht”, heißt es in der begleitenden Pressemitteilung. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Digitalisierung klinischer Versorgungsprozesse sich schrittweise auch auf andere Arbeitsbereiche eines Krankenhauses ausweitet.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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