Je vernetzter, desto zukunftssicherer die Gesundheitsversorgung

Die Vernetzung eines Gesundheitssystems ist ein Indikator für dessen Zukunftsfähigkeit, so die zentrale Aussage einer neuen Studie, die die Wahrnehmungen von dessen Vertretern und Nutzern hinsichtlich dessen Leistungsfähigkeit messbaren Indikatoren gegenüberstellt.

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Cornelia
Wels-Maug

Wir leben länger, die Zahl chronischer Erkrankungen steigt. Weltweit müssen die Gesundheitssysteme den Spagat vollziehen, die Qualität der Gesundheitsversorgung mit deren Finanzierbarkeit in Einklang zu bringen, obgleich die Ressourcen knapper werden. Wie kann eine qualitativ hochwertige und effiziente Gesundheitsversorgung in Zukunft sichergestellt werden?

In der Studie „Future Health Index 2017“ untersucht Philips anhand von Umfragen und Interviews mit mehr als 33.000 medizinischen Fachkräften, Versicherern und Bürgern, wie gut die Gesundheitssysteme in 19 ausgewählten Ländern auf fünf Kontinenten für die Zukunft aufgestellt sind. Dazu wurden die Wahrnehmungen und Erfahrungen der Befragten in Hinblick auf die folgenden Kriterien beleuchtet:

  1. Zugang zur Gesundheitsversorgung
  2. Integration von Gesundheitssystemen
  3. Adoption der technologiegestützten vernetzten Versorgung.

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse über ein Land wurden dann einem Maß für die Effizienz des jeweiligen Gesundheitssystems gegenübergestellt. Zur Ermittlung dieses Effizienzgrades wurden die nationalen Gesundheitsausgaben mit den erzielten Gesundheitsergebnissen wie Müttersterblichkeitsrate und Lebenserwartung in Beziehung gesetzt. Dies erlaubt eine angemessenere Beurteilung, in welchen Bereichen die untersuchten Gesundheitssysteme eine über- oder unterdurchschnittliche Leistung erbringen.

Prävention und aktive Beteiligung

Laut den Verfassern der Studie ermöglicht dieser Ansatz, „Einblicke in die Fortschritte jedes Landes auf dem Weg zu einem zukunftsfähigen Gesundheitssystem“ zu gewinnen. Sie konstatieren: „Der Future Health Index macht deutlich, dass die Verlagerung des Fokus von der Behandlung auf die Prävention und die Befähigung sowohl der Öffentlichkeit als auch der Fachkräfte zur Übernahme einer aktiveren Rolle bei der Gesundheitsversorgung von entscheidender Bedeutung für die Überbrückung der Lücken sind, die die Gesundheitssysteme beeinträchtigen.“ Die Studie fand heraus, dass 50 % der Weltbevölkerung der Auffassung sind, dass „der Zeit und Ressourcenfokus von medizinischem Fachpersonal auf Prävention liegen sollte“. In Deutschland wird diese Auffassung lediglich von 25 % der Bevölkerung geteilt.

Lieber nicht krank auf dem Land …

Die Gesundheitsversorgung in ländlichen Gegenden stellt eine zunehmende Herausforderung dar.
Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der Bevölkerung (69 %) und der größte Teil der Ärzte (79 %) glauben, dass der Zugang zur Gesundheitsversorgung auf dem Land schlechter als in Großstädten sei.

Laut der Studie kann die Versorgung im ländlichen Raum gerade bei chronischen Erkrankungen durch ein vernetztes Gesundheitssystem entscheidend verbessert werden: “Vernetzte Versorgung kann die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, besonders bei chronischen Erkrankungen, substanziell verbessern und auch in der Zukunft sicherstellen.“ Dabei basiert ein integriertes Gesundheitssystem, so die Studie, auf dem Einsatz einer durch das Internet of Things (IoT) vernetzten medizinischen sowie pflegerischen Versorgung, die sich über den gesamten Lebenszyklus eines Individuums hinweg erstreckt.

In Deutschland, findet die Studie, sehen insgesamt 80 % der Bevölkerung und 83 % des medizinischen Fachpersonals den Mehrwert integrierter Versorgung. Die befragten Individuen sehen dieses Potenzial insbesondere bei Diagnosen (62 %) und ambulanter Pflege (34 %), das medizinische Fachpersonal sieht den Vorteil ebenso bei Diagnose (57 %) und ambulanter Pflege (45 %). Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Future Health Index 2017 für Deutschland in puncto integriertes Gesundheitssystem eine Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität von 20,2 Prozent aufweist. Dies bedeutet, dass die deutsche Bevölkerung den Eindruck hat, die Vernetzung im Gesundheitswesen sei wesentlich weiter fortgeschritten, als sie bisher technisch messbar realisiert wurde. Dabei hat die Studie herausgefunden, dass in Deutschland 52,3 % der Bevölkerung Vertrauen in ihr Gesundheitswesen haben, dies liegt etwas unter dem Durchschnitt der Weltbevölkerung von 54 %. Das medizinische Fachpersonal weltweit bringt dagegen mit 72 % dem jeweiligen nationalen Gesundheitssystem wesentlich mehr Vertrauen.

Strategie für zukunftssichere Versorgung entwickeln

Jan Kimpen, Chief Medical Officer von Philips, betont im Vorwort der Studie die zentrale Rolle, die die Integration der Gesundheitssysteme spielt, "damit eine engere Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Patienten sowie zwischen klinischer und häuslicher Versorgung möglich wird."

Um dorthin zu gelangen, muss nun jedes Land seine Hausaufgaben machen: Es gilt genau zu bestimmen, worin die aufgedeckten Diskrepanzen bestünden: "Basierend auf dieser Erkenntnis muss man sich anschließend damit befassen und über einen Strategieplan zu einem proaktiveren und ganzheitlichen Ansatz für ein Gesundheitswesen gelangen, das besser auf die aufkommenden globalen Realitäten abgestimmt ist", so die Autoren.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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