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Freiwillige vor!

Mehr Daten- und Zugriffstransparenz für Patienten ist ja so eines der Mantras, die Politiker im Zusammenhang mit dem Ausbau der Healthcare-IT-Infrastruktur gerne im Munde führen. Die Wahrheit ist, dass davon in Deutschland fast gar nichts zu sehen ist.

By
Philipp
Grätzel von Grätz

In der Schweiz und Österreich ist es etwas besser. Aber ein echtes E-Health-Topthema ist die Patienteneinbindung dort auch nicht.

Begründet wird die demonstrative Ausblendung der Patientenperspektive bei den allermeisten Vernetzungsprojekten im deutschsprachigen Raum meist damit, dass es sich ja um Arzt-zu-Arzt-Kommunikation handele. Dass mit dieser Argumentation der ursprüngliche Anspruch der Gesundheits-IT, nämlich einen Beitrag zu einer neuen Kommunikationskultur im Gesundheitswesen zu leisten, komplett über Bord geworfen wird, fällt den Beteiligten oft gar nicht erst auf.

Die feine Unterscheidung zwischen Arzt-zu-Arzt-Kommunikation und sonstiger (welcher eigentlich?) medizinischer Kommunikation, auf die bei uns immer so viel Wert gelegt wird, stößt anderswo in Europa regelmäßig auf Erstaunen. Umgekehrt erstaunt es vor diesem Hintergrund überhaupt nicht, dass das spannendste europäische Projekt zur digitalen Patiententransparenz, das SUSTAINS-Projekt, komplett ohne Beteiligung aus der D.A.CH.Region abläuft.

Dabei steht im Rahmen dieses Projekts in diversen E-Health-Regionen in Europa der Patient wirklich einmal im Mittelpunkt. So wird in der schwedischen Region Uppsala interessierten Patienten über ein geschütztes Portal die komplette Primärdokumentation (!) der Ärzte und Krankenhäuser zugänglich gemacht. Und in Estland, wo die nationale Patientenakte ebenfalls Teil des SUSTAINS-Projekts ist, wird Patienten in einem europaweit bisher einzigartigen Umfang gestattet, Daten zu verbergen und ärztliche Zugriffe inklusive Nennung von Klarnamen detailliert von zu Hause aus nachzuverfolgen.

Es mag den einen oder anderen erstaunen, aber das Abendland scheint dadurch nicht unterzugehen. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt unbeliebt mache: Vielleicht würden all die stockenden Infrastrukturprojekte in Mitteleuropa deutlich an Fahrt gewinnen, wenn die Verantwortlichen endlich einmal Ernst machen würden mit der Patienteneinbindung. Wer immer nur den Schwanz
einzieht, sobald sich irgendein Dachverband zu Wort meldet, muss sich nicht wundern, dass das öffentliche Interesse an der Gesundheitstelematik begrenzt bleibt. Sie ändert ja nichts.

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