Mehr Bundesärztekammern machen den Weg zur Fernbehandlung frei

Immer mehr Landesärztekammern folgen der Empfehlung des Deutschen Ärztetages, das ausschließliche Fernbehandlungsverbot umzustoßen, um das Tor für eine zeitgemäße Patientenversorgung zu öffnen, auch wenn es Vorbehalte gibt.

Gerade hat die Delegiertenversammlung der Thüringer Ärztekammer Ende September beschlossen, „ausschließliche Fernbehandlungen“ zuzulassen. Damit handelten die Thüringer Delegierten im Sinne der Umsetzung einer bundeseinheitlichen Regelung der Berufsordnung, wie sie der Deutsche Ärztetag in Erfurt schon im Mai dieses Jahres angestoßen hatte. Das bis dato geltende Verbot der ausschließlichen Fernbehandlung wurde dort gelockert und die Musterberufsordnung entsprechend geändert. Jetzt wird eine entsprechende Änderung der Berufsordnung für Ärztinnen und Ärzte auch in Thüringen in die Wege geleitet.

Trotz des Votums für die Telemedizin ließen die Vertreter keinen Zweifel daran, dass der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt weiterhin unerlässlich bleibe. „Mit der Möglichkeit zur ärztlichen Fernbehandlung tragen wir neueren Entwicklungen Rechnung, verlieren aber gleichzeitig den Patientenschutz nicht aus den Augen“, kommentierte die Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen, Dr. Ellen Lundershausen, den Beschluss. „Der unmittelbare Arzt-Patienten-Kontakt in der Beratung und Behandlung ist nach wie vor aus unserer Sicht der Goldstandard. Insofern möchten wir die Möglichkeit der Fernbehandlung eher als Ergänzung betrachten“, heißt es in einer diesbezüglichen Pressemitteilung der Thüringer Ärztekammer.

Auch Bremen lockerte gerade das Fernbehandlungsverbot

Nur wenige Wochen zuvor, in der ersten Septemberwoche, hatte sich schon die Delegiertenversammlung der Bremer Ärztekammer zu dem gleichen Schritt entschlossen und einer ausschließlichen Fernbehandlung zugestimmt. Auch hier betonten die Delegierten die Wichtigkeit des persönlichen Arzt-Patienten-Kontaktes und dass digitale Techniken nur die ärztliche Tätigkeit unterstützen sollten.

Konkret bedeutet dies, dass im Einzelfall Patienten ausschließlich über Kommunikationsmedien beraten und behandelt werden können. Dies ist jedoch nur dann erlaubt, wenn es „ärztlich vertretbar ist und die ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird“, heißt es in einer diesbezüglichen Pressemitteilung der Bremer Ärztekammer. Außerdem sind die Mediziner in der Pflicht, die Patienten über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufzuklären.

Noch Klärungsbedarf

In Bremen sind bisher noch nicht alle rechtlichen Rahmenbedingungen geregelt. Beispielsweise gilt es noch zu klären, bei welcher Kammer die fernbehandelnden Ärzte gemeldet sein müssen, wer ihre Qualifikation überprüfe und inwieweit sie per Fernbehandlung Arznei- und Hilfsmittel verordnen dürfen. Dies ist auch mit der Frage verbunden, ob und unter welchen Voraussetzungen Mediziner berechtigt sind, Patienten auf Basis einer Fernbehandlung krankzuschreiben. Diese und weitere Fragen werden bereits von einer Arbeitsgruppe der Bundesärztekammer geprüft.

Wer bietet in Deutschland noch Fernbehandlungen an?

Neben den Landesärztekammern in Thüringer und Bremen haben auch andere Bundesländer bereits den Weg für Telemedizin geebnet: Allen vorangegangen war die Landesärztekammer Baden-Württemberg im Jahre 2016 mit einer Revision ihrer Berufsordnung, um dadurch ein Modellprojekt der telemedizinischen Versorgung auf den Weg bringen zu können. Mittlerweile gibt es sechs genehmigte Modellprojekte im Ländle.

Schleswig-Holstein hat im April 2018 die Berufsordnung geändert und die rechtliche Grundlage geschaffen, dass das Arzt-Patientengespräch auch telefonisch oder über das Internet geführt werden kann. Die Landesärztekammer Sachsen folgte nach dem Deutschen Ärztetag; und auch die Ärztekammer Rheinland-Pfalz hat sich angeschlossen. Sie erlaubt ihren Mitgliedern durch eine Änderung der Berufsordnung künftig eine Fernbehandlung im Einzelfall, auch wenn es nicht zum persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient kommt.

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cwm

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