Erste Arztpraxis mit Telematik Infrastruktur verbunden

Nach etlichen Jahren ist nun die erste Arztpraxis online gegangen. Viele andere würden gerne nachfolgen, wenn das Zulassungsverfahren der elektronischen Praxisausweise sie nicht aufhalten würde, obgleich der Mehrwert für Ärzte noch sehr gering ist.

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Cornelia
Wels-Maug

Seit Jahren streckt sich schon die Einführung der Telematik Infrastruktur (TI) in Deutschland hin. Dreizehn Jahre, um genau zu sein. Immer wieder kam es zu Verzögerungen. Aber auf der diesjährigen Medica in Düsseldorf war es dann so weit, es wurde angekündigt, dass im benachbarten Neuss die erste Arztpraxis am Nachmittag des 20. November online gehen würde.

Bis es so weit kam, brauchte Dr. Wolfgang von Schreitter, Hausarzt, Koordinator der kassenärztlichen Notfallpraxis, einen langen Atem, berichtete die Neuß-Grevenbroicher Zeitung. Denn von Schreitter war schon seit 2014 in die Vorbereitungen eingebunden, die schließendlich dazu führten, dass seine Praxis als Erste an die TI angebunden wurde. Für die Liveschaltung mussten dann noch der Kartenleser und Konnektor ausgewechselt werden.

Was heißt das nun aber für seine Praxis? Konkret heißt das, dass er nun in der Lage ist, sektorübergreifend und sicher zu kommunizieren, obwohl momentan der Umfang der auszutauschenden Daten sehr gering ist. Zentraler Bestandteil der TI ist die elektronische Gesundheitskarte, die jeder Versicherte von seiner Krankenkasse erhält. Bisher werden aber nur die sogenannten Stammdaten des Kartenbesitzers auf dem eingebauten Chip gespeichert. Diese werden dann beim Einlesen der Karte in der Praxis online abgeglichen. Bisher, so von Schreitter, sind aber im Testbetrieb noch keine Änderungen angefallen, obgleich er in dem Zeitraum etwa 130 ungültige Karten identifiziert und aus dem Verkehr gezogen hatte.

Allerdings, so merkt Christopher Schneider, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, in der etwa 14.000 Praxen organisiert sind, an: "Für die Praxen hat dieser Abgleich noch keinen wirklichen Mehrwert.“ Die Datenabgleichfunktion ist vielmehr im Interesse der Kassen, um einen Missbrauch der Karten zu verhindern.

Bis die TI wirklich anfängt, für Arztpraxen und Patienten einen Mehrwert zu generieren, wird wiederum mehr als ein Jahr ins Land ziehen. Schneider vertröstet auf das Jahr 2019. Denn die dann zu erwartenden medizinischen Anwendungen wie die elektronische Patientenakte, der elektronische Medikationsplan und der Notfalldatensatz würden dann wirklich einen feststellbaren Mehrwehrt schaffen. Von Schreitter sieht aber noch eine weitere nützliche Anwendung, das Impfmanagement: "Wenn eine Speicherung von Impfdaten möglich ist, wäre das schon ein großer Fortschritt", findet er.

Momentan ist von Schreitter noch der einzige Arzt, der ans Netz angeschlossen ist, denn die elektronischen Praxisausweise oder sogenannte SMC-B-Karten, mit denen sich die Arztpraxen in der TI identifizieren müssen, sind noch nicht zugelassen. "Wir rechnen in dieser Woche mit der Zulassung", sagte Uwe Eibich, Vorstand CompuGroup Medical AG Deutschland, Anfang November. CompuGroup Medical ist bisher das einzige Unternehmen, dessen Konnektor bereits zertifiziert ist. Die SMC-B Karte, die vor der Zulassung steht, stammt von der Bundesdruckerei. Laut Eibich warten bundesweit rund 10.000 Praxen auf deren Auslieferung.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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