Entlassmanagement: Zu viel Spielraum für Interpretation

Entlassbriefe sind wichtig für eine gute Nachbehandlung. Aber sie helfen nur dann, wenn die darin enthaltenen Informationen vollständig, korrekt und eindeutig formuliert sind. Das ist aber nicht immer der Fall, sagt eine neue Studie der Heinrich-Heine-Universität.

Eine Entlassung aus dem Krankenhaus bedeutet noch lange nicht, dass Patienten nicht länger auf medizinische Versorgung durch ihren Haus- oder Facharzt, einen Pflegedienst oder auch einen Rehaaufenthalt, angewiesen sind. Oft birgt der Übergang von der stationären in eine anschließende Behandlung das Risiko von Behandlungsbrüchen, die auf mangelnder Koordination und einem unterbrochenem Informationsfluss mit den beteiligten Akteuren der Anschlussversorgung beruhen. Um aber eine optimale Anschlussbetreuung sicherzustellen, verpflichtet seid dem 1. Oktober 2017 § 39 Absatz 1a des Fünften Buches des Sozialgesetzbuchs (SGB V) alle Krankenhäuser, eine sektorenübergreifende Versorgung der gesetzlich Versicherten durch ein standardisiertes Entlassmanagement zu gewährleisten (wir berichteten in 2018 und 2017).

Für die Krankenhausärzte bedeutet dieses Entlassmanagement eine zusätzliche Belastung, die sie so zeitsparend wie möglich in ihre Arbeitsprozesse zu integrieren versuchen. Dass dieser Hergang nicht immer optimal verläuft, belegt eine Studie über Arztbriefe der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität unter 197 Hausärzten, deren Ergebnisse gerade vorgestellt wurden. Dabei stellt die Umfrage einen Teil eines Forschungsprojekts der Heinrich-Heine-Universität zur Sprache in Arztbriefen dar, das im Jahr 2020 durch ein größeres interdisziplinäres Projekt erweitert werden soll.

Mangel an eindeutigen Formulierungen moniert

Die Studie legt offen, dass das tägliche Schreiben bzw. das Lesen von Arztbriefen keinen trivialen Arbeitsaufwand darstellen: Klinikärzte verbringen bis zu maximal drei Stunden mit dem Schreiben von Arztbriefen und Hausärzte lesen im Mittel drei bis zehn Briefe, was einer täglichen Lesedauer von bis zu 60 Minuten entspricht.

Das größte Problem für die Hausärzte, so die Studienergebnisse, ist, dass missverständliche Formulierungen sowie die Verwendung fachinterner Ausdrücke und unbekannter oder doppeldeutiger Abkürzungen einer verlustfreien und eindeutigen Übermittlung therapierelevanter Informationen im Wege stehen. Mehr als ein Drittel (34 Prozent) der befragten Hausärzte beklagten, dass „unbekannte Abkürzungen häufig oder sehr häufig in Arztbriefen vorkommen. Nur 1,5 Prozent der Hausärzte mussten sich noch nicht damit auseinandersetzen“, so die Umfrage. Der Leiter des Projekts, der Linguist Dr. Sascha Bechmann, konstatierte: „Dass solche Dokumente keinen Spielraum für Interpretationen geben dürfen, liegt auf der Hand. Dennoch zeigen die Ergebnisse der Befragung, dass missverständliche und unvollständige Arztbriefe eher die Regel als die Ausnahme sind. 99 Prozent der Befragten gaben an, dass die Qualität der Arztbriefe verbesserungswürdig sei. Nur 3,6 Prozent der Befragten waren in ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn noch nicht mit missverständlichen Arztbriefen konfrontiert worden.“

Insbesondere bemängelt die Studie die Übermittlung falscher Informationen. Dies betrifft insbesondere inkorrekte Entlassungsmedikation (von 76,6 Prozent der Hausärzte ausgewählt), unzutreffende Therapieempfehlungen (von 74,1 Prozent ausgewählt) und Fehler in der Epikrise (von 64,5 Prozent ausgewählt). Dass dies negative Konsequenzen für die Güte der Nachbehandlung haben kann, war sich die große Mehrheit der befragten Hausärzte einig: 88 Prozent von ihnen waren der Meinung, dass unverständliche als auch fehlerhafte Arztbriefe zu Behandlungsfehlern führen können.

Konkrete Handlungsempfehlungen

Die Studie legt nahe, dass die Einführung von strukturellen und inhaltlichen Standards insgesamt dazu beitragen könnten, die Qualität der klinischen Entlassungsbriefe stark zu verbessern. Außerdem sollten die Verfasser von Arztbriefen auf vage Formulierungen und komplizierte Satzkonstrukte zugunsten besserer Verständlichkeit verzichten.

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cwm

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