Das Entlassmanagement ist in Deutschland in Kraft getreten

Seit Oktober müssen Kliniken Patienten am Entlasstag eine ausführliche Dokumentation für Nachbehandler mitgeben. Dies fördert die Vernetzung im Gesundheitswesen und ruft die IT-Abteilung im Krankenhaus auf den Plan. So kann sie helfen.

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Cornelia
Wels-Maug

Ursprünglich auf den 1. Juli festgesetzt, haben sich der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft in einer Änderungsvereinbarung zu ihrem Rahmenvertrag darauf geeinigt, die Regelung zum Entlassmanagement nach §39 Abs. 1a Satz 9 SGB V um drei Monate zu verschieben. Nun ist die Regelung am 01.10.2017 in Kraft getreten.

Anschub der intersektoralen Vernetzung

Markus Stein, Geschäftsfeld Krankenhaus, RZV Rechenzentrum Volmarstein GmbH, bewertet dies als einen wichtigen Schritt in Richtung integrierter Versorgung: „Die Regelung zum Entlassmanagement dürfte einen Schub in Richtung intersektoralen Dokumentenaustauschs auslösen, da die Kliniken nun Dokumente nicht nur an weiterbehandelnde Ärzte, sondern auch an andere, am Versorgungsprozess beteiligte Leistungserbringer wie Therapeuten oder Pflegeeinrichtungen weitergeben sollen.“

Stein betont, dass dadurch den Kliniken die Verantwortung für eine geregelte Überführung von voll- und teilstationären Patienten in die weitere Versorgung zugeteilt wird, um dadurch eine nachhaltige Behandlung ohne Versorgungs- oder Kommunikationsbrüche etablieren zu können.

Digitalisierungsdruck auf Kliniken steigt

Was bedeutet die Neuregelung des Entlassmanagements für die Kliniken? In den Krankenhäusern steigt dadurch der Digitalisierungsdruck, denn sie haben nun die Verpflichtung, Patienten direkt am Entlassungstag eine umfangreiche Dokumentation mitzugeben. „Nur durch die Integration der benötigten Daten und abgeleiteten Informationen in die klinischen Informationssysteme kann ein hoher bürokratischer Aufwand am Ende der stationären Behandlung vermieden werden“, legt Stein dar.

Kernbestandteile des Entlassmanagements nach Rahmenvertrag §39 SGB V

Kernbestandteile des Entlassmanagements nach Rahmenvertrag §39 SGB V

Markus Stein: Entlassmanagement, Staffellauf für Kliniken, erschienen in f&w 1/2017, Seite 84-86

Umsetzung eines standardisierten Entlassmanagements

Gemäß Rahmenvertrag wird von allen Krankenhäusern die Etablierung eines „standardisierten Entlassmanagements“ gefordert, welches laut §3 Abs. 1 auch im Internetauftritt präsentiert werden soll. Dabei müssen die Kliniken eine Reihe von Kriterien beachten. Zu deren Umsetzung jedoch können auch die IT-Abteilungen das ihre beitragen, siehe Tabelle 1.

Laut Stein sollte die Klinik auch der Erstellung der für Mitarbeiter verfügbar zu haltenden Standards große Aufmerksamkeit schenken. Denn im Schiedsstellenurteil findet sich eine Protokollnotiz, dass der Spitzenverband der GKV und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) für eine Übernahme der verfügbaren Entlassstandards in die strukturierten Qualitätsberichte eintreten.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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