Elektronische Patientenakte soll bis 2021 kommen

Die elektronische Patientenakte nimmt reelle Züge an, denn Kassen, Ärzte und Gesundheitsministerium haben sich nun auf ein Grundkonzept geeinigt. Bei Verzögerungen gibt es einen Plan B.

Krankenkassen und Ärzte haben sich mit dem Gesundheitsministerium auf ein Grundkonzept für die elektronische Patientenakte (ePA) geeinigt berichtet gestern das Handelsblatt unter Berufung auf eine ihr vorliegende dreiseitige Absichtserklärung. Zentraler Punkt dabei ist, dass sich die Akteure im Gesundheitswesen auf die Schaffung gemeinsamer Standards verständigt haben. Aber damit nicht genug. Der jahrelangen Verzögerungen bei der seit 2004 geplanten ePA-Einführung und der dafür aufgewendeten 2.7. Milliarden Euro überdrüssig, gibt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Takt an: Sollten sich, wie in der Vergangenheit, Kassen und Ärzte gegenseitig blockieren, wolle das Ministerium die Ausgestaltung der Digitalakte an sich ziehen. Die ePA soll nämlich den gesetzlich Versicherten bis spätestens 2021 zur Verfügung stehen.

Die Umsetzung der ePA

Laut der dem Handelsblatt vorliegenden Absichtserklärung soll ein Arbeitskreis eingerichtet werden, dessen Koordination vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen wird. Dieser ist dafür verantwortlich, die Struktur der ePA festzulegen. Die Akte soll neben Arztbefunden und Röntgenbildern auch getrennte Bereiche für Informationen, die sowohl von Krankenkassen als auch von den Patienten selbst stammen, enthalten. Dabei kann es sich beispielsweise im Fall der Kassen um Angaben zu Bonusprogrammen und Quittungen und bei den Patienten um Aufzeichnungen von Fitnesstrackern handeln.

Es wird der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) obliegen, in Absprache mit den anderen Akteuren des Gesundheitssystems, die digitalen Formate und eine sichere Datenspeicherung zu ermitteln. Hier ist Interoperabilität großgeschrieben, die Formate sollen sich an internationalen Standards orientieren. Die Datenhoheit liegt bei dem Patienten, die bestimmten, wer auf die gespeicherten Informationen zugreifen darf. Der Gesellschaft zum Aufbau der Telematikinfrastruktur (Gematik) fällt dabei die Aufgabe zu, die grundlegenden technischen Standards und einheitlichen Schnittstellen zu definieren. 

Ab 2019 sollen Ärzte mit der Karte die Patientenstammdaten wie Anschrift, Versichertennummer und -status online abgleichen können. Der dazu benötigte Anschluss der Arztpraxen an das von der Gematik aufgebaute Datennetz verlaufe jedoch bisher noch sehr zögerlich. 

„Die elektronische Patientenakte wird ein Meilenstein in der Modernisierung der Patientenversorgung“, lobt Doris Pfeiffer, Chefin der GKV, die Einigung.Die Absichtserklärung zeige, dass Ärzte und Kassen „gemeinsam an dem weiteren Auf- und Ausbau des sicheren Gesundheitsnetzes und seiner Anwendungen arbeiten“. Die KBV begrüßt die „klare Aufgabenteilung“, nach der die Standards für medizinische Daten in Ärztehand liegen. „Es ist wichtig, dass nun alle Beteiligten am gleichen Strang ziehen und es in die gleiche Richtung geht“, ermuntert KBV-Vorstand Thomas Kriedel.

Die Zeit drängt

Bis zum Jahresende möchte Spahn Ergebnisse sehen. Sollte die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen weiter bei der Digitalisierung auf der Bremse stehen, hat er angekündigt, „dass er die Ausgestaltung der elektronischen Patientenakte selbst regeln wird“.

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cwm

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