Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften – Sitz der Einstein Stiftung; Foto: Angelika Fischer

Einstein Zentrum Digitale Zukunft: Innovationen an der Spree

Das neugeschaffene Einstein Center Digital Future in Berlin fungiert als eine Plattform für die Vernetzung exzellenter Forschung und Nachwuchsförderung zum Themenkomplex digitale Strukturen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Cornelia
Wels-Maug

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“ erkannte Albert Einstein im vergangenen Jahrhundert. Die Gründung des ‚Einstein Center Digital Future‘ (ECDF) in Berlin Anfang April 2017 setzt an dieser Einsicht an. In einem Schulterschluss aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik verfolgt es das Ziel, Konzepte und Technologien in den Bereichen digitale Industrie und Dienstleistungen, digitale Gesellschaft und Geisteswissenschaften sowie digitale Gesundheit zu erforschen und zu entwickeln. „Unser Ziel ist die Vernetzung der Innovationsbereiche. Das ist ein interdisziplinärer Prozess,“ erläutert Odej Kao, Professor für komplexe und verteilte IT-Systeme an der Technischen Universität (TU) und designierter Sprecher des ECDF. Statt neuer Einzelinitiativen setzt es auf die Kooperation junger Spitzenforscher verschiedener Richtungen und die Erprobung neuer Formen der Zusammenarbeit.

Für den Gesundheitsbereich ist insbesondere die Forschung an den Themen Bioinformatik, personalisierte Medizin, digitale Diagnostik, neue Methoden der Genomdatenanalyse, biomedizinische Bildgebung und semantische Datenintelligenz, Identitätsmanagement, physikalische Grundlagen der IT-Sicherheit, Internet der Dinge, Wearable Technologies sowie Smart Mobility und Digitale Bildung relevant.

Das ECDF sieht sich als ein hochschulübergreifender, interdisziplinärer Nukleus für die Erforschung und Förderung digitaler Strukturen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Im Zuge der Einrichtung des ECDF werden 50 IT-Professuren eingerichtet. Diese sind ganz bewusst interdisziplinär angelegt und sollen an den Schnittstellen zu anderen Disziplinen forschen.

Das ECDF hat den Austausch mit der Bevölkerung im Blick

„Digitalisierung ist schnell, vielfältig, für manche bedrohlich und chancenreich. Mit unserem Einstein Center wollen wir Antworten finden an den Schnittstellen der Disziplinen und möchten den Bürgern einen Anlaufpunkt geben, um Auswirkungen der Digitalisierung kennenzulernen, an ihr teilzuhaben und mit unseren Wissenschaftlern zu diskutieren“, erläutert Prof. Dr. Christian Thomsen, Präsident der TU Berlin. Ein besonderes Augenmerk legt die ECDF auf ihre Verantwortung für den Austausch mit der Öffentlichkeit. Prof. Dr. Dr. h. c. Günter Stock, Vorstandsvorsitzender der Einstein Stiftung Berlin, betont: „Hier werden neue Formen entwickelt für das Mitnehmen der Menschen, die sich nicht unmittelbar und ständig mit dem Thema unseres Forschungsansatzes auseinandersetzen, die aber dennoch an der Reise in eine digitale Zukunft beteiligt werden müssen. Denn es ist eine Zukunft nicht nur für uns in der Forschung und für diejenigen in der Industrie, sondern es ist auch Zukunft für unsere Bevölkerung.“

Wer steckt hinter dem ECDF?

Bei dem ECDF handelt es sich um eine Public Private Partnership (PPP) von Sponsoren aus Wirtschaft, Gesellschaft und öffentlichen Institutionen, die über ein Budget von €38.5 Millionen verfügt. Neben den vier Berliner Universitäten und zwei Berliner Hochschulen sind acht außeruniversitäre Forschungseinrichtungen (Berlin Institute of Health, Fraunhofer-Institut FOKUS, Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik – Heinrich-Hertz-Institut, Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft, die Physikalisch Technische Bundesanstalt und das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin), 20 Unternehmen sowie das Land Berlin, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Bundesministerium für Bildung und Forschung an dem ECDF beteiligt.

Der Zeithorizont

Das ECDF ist bislang auf eine Laufzeit von sechs Jahren angelegt. Die erste Förderphase läuft vom 1. April 2017 bis 31. März 2020. Sollte sich die für das Jahr 2018 eingeplante Zwischenevaluation als positiv erweisen, wird sich eine zweite Förderphase vom 1. April 2020 bis 31. März 2023 anschließen. Die meisten der 50 Professuren werden als Juniorprofessuren mit einer Laufzeit von sechs Jahren ausgeschrieben. Dabei ist es ein wichtiges Anliegen, einen Teil der aus privaten und industriellen Mitteln finanzierten Professuren zu verstetigen.

Die verflixten Berliner …

Was würde Einstein wohl sagen, wenn er wüsste, dass dieses nach ihm benannte Unterfangen ausgerechnet seinen Sitz in Berlin hat? Einstein, der sich missbilligend über die Berliner äußerte: “Von der Ferne sieht alles schief und suspekt aus, besonders, wenn es von den verflixten Berlinern kommt“, wäre wahrscheinlich beruhigt zu erfahren, dass das Einstein Zentrum Forscher aus Deutschland und der ganzen Welt beheimaten wird. Zumindest kommen die 300 Bewerbungen, die das ECDF bisher auf die ausgeschriebenen Professuren erhalten hat, aus mehr als 70 Ländern.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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