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Eine Vision des Krankenhauses der Zukunft

Die Digitalisierung ist ein zentrales Instrument zur Steigerung sowohl der Effizienz als auch der Qualität der Behandlungsergebnisse eines Krankenhauses. Auf der diesjährigen conhIT vom 17. bis 19. April stellte Philips anlässlich einer Pressekonferenz sein Konzept vor, wie der Konzern Kliniken dabei unterstützen kann, die mit der Digitalisierung verbundenen Potenziale besser auszuschöpfen. Philips positioniert sich als Gesundheitskonzern, dessen Produkte das Leben von Menschen in unterschiedlichen Bereichen verbessern. Um Gesundheitsinstitutionen bei der digitalen Transformation zur Seite zu stehen, offeriert Philips „best of suite“ und „best of breed“ Lösungen. Dadurch können sie einheitliche Supportmodelle und Roadmaps verwenden.

Das KIS als digitale Schaltzentrale eines Krankenhauses

Für Philips ist das Krankenhausinformationssystem (KIS) das Kernstück oder die „Schaltzentrale“, um die Digitalisierung eines Krankenhauses zu orchestrieren. Durch die Optimierung klinischer und administrativer Prozesse wird ein effizienteres Arbeiten ermöglicht. Dies wiederum fußt auf einem sicheren, sektorübergreifenden Datenfluss zwischen den am Genesungsprozess beteiligten Stakeholdern inklusive dem Patienten. Um sein Portfolio mit einem eigenen KIS zu vervollständigen, akquirierte Philips vor sieben Jahren Tasy, den KIS-Marktführer in Brasilien. „Das Rückrat von Tasy ist die elektronische Patientenakte“, erklärt Gerrit Schick, Business Group Manager Healthcare Informatics Solutions and Services, Philips DACH.

Dabei bilden Interoperabilität beziehungsweise Integration von IT-Systemen, die Virtualisierung von Strukturen und der Austausch mit Patienten mittels Telekommunikationstechnologie die Eckpfeiler zur Umsetzung von Philips Vision eines digitalen Krankenhauses.

Zur Gewährleistung des Datentransfers verwendet Philips offene, auf Standards beruhende Schnittstellen wie DICOM, IHE und HL7. Dadurch ist es möglich, diverse klinische Informationssysteme in eine existierende Krankenhaus-IT-Infrastruktur zu integrieren. Dies erlaubt auch, bisher nicht genutzte Daten oder solche aus neu geschaffenen Quellen, wie beispielsweise Apps, mit in die Diagnoseentscheidung und Therapiesteuerung einzubeziehen.

Durch eine telemedizinische Anbindung an regionale oder überregionale Kompetenzzentren oder Spezialisten können insbesondere kleinere Häuser personelle und finanzielle Beschränkungen ausgleichen und dadurch den Ressourceneinsatz optimieren.

Was erwarten Nutzer von einem KIS? Eine Deloitte/Philips Studie

Tasy soll in der zweiten Jahreshälfte 2018 in Deutschland gelauncht werden. In der Vorbereitungsphase führte Philips 2017 gemeinsam mit Deloitte eine Onlinestudie durch, in der einhundert Krankenhausanwender sowie Patienten und deren Angehörige nach ihrer Zufriedenheit mit den am Markt gängigen KIS befragt wurden. Florian Benthin, Senior Manager Life Sciences & Health Care, Deloitte, kommentiert die Studienergebnisse: „Es gibt noch viele Verbesserungspotenziale in unterschiedlichen Bereichen, die von KIS-Herstellern berücksichtigt werden sollten.“

Ein KIS soll Mitarbeiter und Patienten besser unterstützen

Insbesondere wünschen sich die befragten Patienten von Gesundheitseinrichtungen innovative Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten in Form von mobilen Apps, personalisierten Angeboten oder Onlineservices. Beispielsweise, so führt Benthin aus, erhoffen sie, Informationen zum Behandlungsverlauf und Verhaltensempfehlungen nach ihrer Entlassung zu erhalten. Jedoch sei faktisch die digitale Einbindung von Patienten und deren Angehörigen in die Krankenhausprozesse bisher noch unterentwickelt, betont er. Dies wird vom Krankenhauspersonal bestätigt. Es verweist auf die gegenwärtig äußerst beschränkten Optionen, Patienten mithilfe des KIS aktiv in die Ablaufplanung einzubeziehen.

Benthin unterstreicht, wie wenig zufrieden die befragten Krankenhausmitarbeiter auch bezüglich der Frage seien, inwiefern das eingesetzte KIS zu einer optimalen betriebswirtschaftlichen Steuerung des Krankenhauses beitrage: Über 80 Prozent der Befragten seien nur „mittelmäßig“ oder „kaum“ zufrieden und nur wenige KIS böten die Möglichkeit, Echtzeitdaten zu konsolidieren. „Vor diesem Hintergrund wurde der Wunsch nach einem KIS geäußert, das noch tiefer in die Automatisierung der Prozesse integriert werden kann und Krankenhausmitarbeiter in größerem Umfang als bisher unterstützt. Zum Beispiel in Bezug auf die Supply-Chain, bei der Nachverfolgung von Materialien und Geräten sowie bei der Unterstützung einer klinischen Entscheidung“, erläutert Benthin. Gleichzeitig deckte die Studie einen Bedarf nach alternativen Finanzierungsmodellen bei der Anschaffung eines KIS seitens der kaufmännischen Leitung von Kliniken auf. Insbesondere Concurrent-User-Modelle, die die Lizenzierung an die wirkliche Nutzung knüpfen, aber auch Mietmodelle scheinen hierbei von Interesse zu sein. „Cloud-Fähigkeit und mobile KIS-Lösungen sehen 80 Prozent der Befragten als „wichtig“ oder „sehr wichtig“, obwohl konkrete Anwendungen in der Praxis eher selten sind“, legt Benthin dar.

Gelebte Vernetzung

„Das Krankenhaus der Zukunft ist nach innen und nach außen vernetzt“, erklärt Gerrit Schick von Philips. Um zu einer besseren Therapieentscheidung zu gelangen, hebt er die zentrale Rolle der Vernetzung nicht nur innerhalb einer Gesundheitseinrichtung, sondern auch innerhalb eines ganzen Gesundheitssystems hervor.

Schick exemplifiziert in seiner Präsentation anhand der KIS-Lösung Tasy, wie Vernetzung gelebt werden kann: “Tasy ist das Bindeglied, das Rückgrat, um die vielen Module zu transportieren und unsere Vision des digitalen Krankenhauses umzusetzen. Es verfügt über eine breite Abdeckung klinischer Prozesse und eine saubere Kommunikation in die anderen Spezialgebiete hinein,“ unterstreicht er.

Vernetzung setzt allerdings Interoperabilität voraus. „Mit der Akquise des Unternehmens Forcare schaffen wir die Grundlage, um einen Fluss interpretierbarer Daten von unseren eigenen Systemen mit der Systemlandschaft innerhalb einer Einrichtung oder eines Netzwerks herzustellen. Dadurch wird die Transformation von einem reaktiven in ein proaktives Gesundheitssystem realisierbar“, erläutert Schick.

Was heißt das konkret? Beispielsweise die Möglichkeit, „durch prädiktive Überwachung mittels kontinuierlicher Datenaufnahme, frühzeitige Trends zu identifizieren“, präzisiert Schick.

Höhere Diagnosequalität und Effizienz durch digitale Pathologie

Wie Qualität und Geschwindigkeit der Befundung durch Digitalisierung im Bereich der Pathologie gesteigert werden kann, veranschaulicht Jochen Schuck, Director Sales Digital Pathology Solutions Philips DACH. „Die Pathologen sind die Lotsen der Therapie. Ihre Befunde sind ein essenzieller Bestandteil des Patientenmanagements“, weiß Schuck. Und dieser Aufgabe auch in Zeiten zunehmender Belastung gerecht zu werden, sei unabdingbar: „Es gibt nicht nur mehr Krankheiten und mehr Parameter, die abgefragt werden müssen, sondern obendrein einen Pathologenmangel“, umreißt Schuck die Herausforderungen.

Durch die Digitalisierung in Verbindung mit Entscheidungsunterstützung und Künstlicher Intelligenz kann ein Krankenhaus wirtschaftlicher und flexibler agieren. „Mithilfe zentralisierter Befundung kann man Skaleneffekte nutzen. Die ortsunabhängige Befundung in einem Pathologennetzwerk ermöglicht Kapazitätsausgleich und Spezialisierung dank virtueller Konsile“, führt Schuck aus. Durch den Einsatz von Algorithmen können Strukturen sowie Zellanzahl automatisch und mit höherer Genauigkeit erkannt und die Therapieentscheidung schneller gefällt werden.

Portale eröffnen neue Möglichkeiten der Patientenbeteiligung

Zu welchen Vorteilen die Digitalisierung auch in puncto Patientenbeteiligung führt, stellt Dr. Sebastian Dries, Abteilungsleiter Connected Care bei Philips DACH, am Beispiel des Patientenportals vor. „Hierbei stützen wir uns auf drei Standbeine: kontinuierliche Betreuung statt episodischer Behandlung, einen besseren Informationsaustausch bei Sektorenübergängen und die messbare Ergebnisqualität in der Versorgung“, betont Dries. Er verweist zudem darauf, dass man nicht nur die Ergebnisqualität messen könne, sondern dadurch auch Ansätze erhalte, um unterschiedliche Behandlungsergebnisse durch verschiedene Leistungserbringer zu verstehen, deren Ursachen zu finden und Abläufe zu verbessern. Philips hat durch den Zukauf von VitalHealth eine Plattform erworben, die es erlaubt, dies umzusetzen. „Krankenhäuser können auf der Plattform beispielsweise Patientenpfade vorbereiten, Patientenbefragung anbieten und dabei die Leistungsanforderungen verschiedener Stakeholder unterstützen. Daten können direkt synchronisiert werden oder triggern bestimmte Prozesse, sodass zum Beispiel vor einer bestimmten OP standardisiert Patientendaten erhoben und zur Verfügung gestellt werden“, erläutert Dries.

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Royal Philips (NYSE: PHG, AEX: PHIA) ist ein führender Anbieter im Bereich der Gesundheitstechnologie. Ziel des Unternehmens mit Hauptsitz in den Niederlanden ist es, die Gesundheit der Menschen zu verbessern und sie mit entsprechenden Produkten und Lösungen in allen Phasen des Gesundheitskontinuums zu begleiten: während des gesunden Lebens, aber auch in der Prävention, Diagnostik, Therapie sowie der häuslichen Pflege. Die Entwicklungsgrundlagen dieser integrierten Lösungen sind fortschrittliche Technologien sowie ein tiefgreifendes Verständnis für die Bedürfnisse von medizinischem Fachpersonal und Konsumenten. Das Unternehmen ist führend in diagnostischer Bildgebung, bildgestützter Therapie, Patientenmonitoring und Gesundheits-IT sowie bei Gesundheitsprodukten für Verbraucher und in der häuslichen Pflege. Philips beschäftigt etwa 74.000 Mitarbeiter in mehr als 100 Ländern und erzielte mit seinem Gesundheitstechnologie-Portfolio in 2017 einen Umsatz von 17,8 Milliarden Euro. Mehr über Philips im Internet: www.philips.de

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