Christian Rebernik, Gründer und Geschäftsführer Vivy

Ab Juli gibt es eine persönliche Gesundheitsakte per App für 25 Millionen Versicherte

Gesetzliche und private Krankenkassen stellen mit Unterstützung eines IT-Dienstleisters und eines unabhängigen Start-ups eine persönliche Gesundheitsakte auf die Beine, die durch ihre Bedienungsfreundlichkeit punktet, der DSGVO genügt und vom TÜV zertifiziert ist.

Während die Politik noch über eine zeitgemäßere Gestaltung der elektronischen Gesundheitskarte sinniert, einem Projekt, das über die letzten 14 Jahre Unsummen verschlungen hat ohne, dass es eine adäquate Lösung dafür produziert hätte, stellte diese Woche das Berliner Start-up Vivy GmbH eine elektronische Patientenakte vor: Sie setzt beim Patienten an und ist konform mit der Datenschutzgrundverordnung. Außerdem hat der TÜV Rheinland der App bescheinigt, dass sie die Anforderungen hinsichtlich Integrität, Authentizität und Vertraulichkeit von sensiblen Daten erfülle, die Daten durch eine verschlüsselte Kommunikation gemäß dem Stand der Technik schütze und im Rahmen ihrer Funktionalität angemessene Berechtigungen nutze. Damit befindet sich nun nach der AOK und Techniker Krankenkasse eine dritte Lösung für eine elektronische Patientenakte auf dem deutschen Markt.

Eine gemeinsame Lösung

Für die Schaffung der App haben sich gesetzliche und private Krankenversicherungen sowie Bitmarck, der IT-Dienstleister von mehr als 90 Krankenkassen, mit dem Start-up, das die App betreibt, zusammengetan und erstmals eine gemeinsame elektronische Gesundheitsakte auf den Weg gebracht. Konkret heißt das, dass Betriebs-, Ersatz- und Innungskrankenkassen sowie private Krankenversicherer ihren um die 25 Millionen Versicherten mit „Vivy“ ein kostenfreies Werkzeug anbieten, um ihre persönlichen Gesundheitsdaten in einer App zu verwalten, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung anlässlich der Vorstellung der App in Berlin. Darüber hinaus bietet die App Nutzern die Funktion an, sie jederzeit als digitale Gesundheitsassistentin zu unterstützen.

„Mit einer gemeinsamen Plattform von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen treiben wir die digitale Transformation im deutschen Gesundheitswesen voran. Die Versicherten nutzen im Alltag immer mehr digitale Prozesse und erwarten solche Möglichkeiten auch im Bereich ihrer Gesundheit“, erläutert Andreas Strausfeld, Vorsitzender der BITMARCK-Geschäftsführung.

Umfang der App

Versicherte können in einigen Fällen schon ab Juli 2018 über die Vivy App Gesundheitsdaten wie beispielsweise Arztbriefe, Befunde, Laborwerte, Medikationspläne, Notfalldaten und Impfinformationen einfach und sicher speichern. Sie entscheiden darüber, welche Informationen sie in der App speichern und mit wem sie diese teilen wollen. Der Gebrauch der App ist freiwillig.

Vivy soll dazu beitragen, dass Mehrfachbehandlungen reduziert, Medikamentenunverträglichkeiten besser erkannt und Therapien unter Berücksichtigung vorangegangener Erkrankungen zielgenauer bestimmt werden können. Außerdem verbessern digitale Prozesse den Komfort für Patienten: Vivy bietet eine Erinnerungsfunktion für Arzttermine und die Medikamenteneinnahme und lässt Versicherte ihre Überweisungen oder Leistungsübersichten unkompliziert verwalten. Die elektronische Gesundheitsakte ist Teil eines neuen Gesundheitsökosystems, das den Patienten mit Praxen, Laboren, Krankenhäusern sowie Krankenkassen und -versicherungen verbindet.

Der Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, Andreas Storm, betont: „Mit dieser Gesundheitsakte werden wir Patienten ein Instrument in die Hand geben, mit dem sie erstmals selbst in umfassender Weise über ihre medizinischen Daten verfügen können. Damit stärken wir ihre Selbstbestimmung im Versorgungsprozess. Leistungserbringer profitieren davon, wenn Patienten ihnen unkompliziert Daten zur Verfügung stellen können. Durch die Bündelung verschiedener Informationen beim Patienten selbst können Behandlungen gezielter erfolgen und Risiken minimiert werden.“

Einfache Handhabung für Leistungserbringer

Ärzte und andere Behandler können Untersuchungsdaten sehr einfach in der App ihrer Patienten bereitstellen und brauchen dafür keine Software zu installieren, heißt es in der Pressemitteilung. Es genüge ein Webupload aus ihrer Praxissoftware heraus oder das Versenden eines Faxes an Vivy. Die Kooperation zwischen den verschiedenen privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen würde gewährleisten, dass Ärzte und Therapeuten nicht Dutzende Lösungen kennen müssen. „Besonders hervorzuheben ist dabei, dass die elektronische Gesundheitsakte auch den Leistungserbringern wie Ärzten oder andere Vertretern von Heilberufen eine einfache Handhabung ermöglicht. Das wird vor allem durch die Anbindung an Arzt- und Krankenhaus-Software sichergestellt“, verweist Hans-Jörg Gittler, Vorstandsvorsitzender der BAHN-BKK.

Vivy setzt auf Bedienungsfreundlichkeit

„Die Vivy-App wurde als offene Plattform entwickelt, die wirklich jeder nutzen kann - egal, ob über eine Anbindung an die App selbst, via E-Mail oder Fax. Leistungserbringer wie Ärzte, Apotheken und Labore können sich über Vivy von Anfang an mit ihren Patienten austauschen. Ein eigenes Konto oder die Installation einer bestimmten Software sind nicht notwendig. Leistungserbringer müssen demnach keine Hard- oder Software wechseln oder erwerben, sondern können ihre üblichen Kommunikationsmedien wie E-Mail oder Fax nutzen, um die Daten an Vivy zu geben“, heißt es auf der Webseite von Vivy. Ganz zentral dabei ist die Strategie, dass Leistungserbringer nicht ihre bestehenden internen Prozesse ändern müssen. Die einzige Voraussetzung für die Nutzung sei, dass der Patient ein Nutzerkonto für die App habe und der Leistungserbringer über eine E-Mail-Adresse und/oder ein Faxgerät verfüge. Alternativ können Partner auch ganz einfach den so genannten "Vivy-Printer" installieren, mit dem Dokumente über die Druckfunktion des Praxiscomputers direkt und sicher an Patienten übermittelt werden. Für Leistungserbringer entstehen keinerlei zusätzliche Kosten.

Für Kunden nicht-teilnehmender Kassen besteht die Möglichkeit, die App gegen Entrichtung eines jährlichen Beitrags zu nutzen.

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cwm

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