Foto: Shutterstock (Piyathida P)

Eine Frage der Transparenz?

Finden Sie nicht auch, dass dieses Jahr das Sommerloch fehlt? Die gute alte Tradition: Schulferien beginnen, Temperaturen steigen, und weil alle im Urlaub sind, ist die wichtigste Nachricht das Wetter.

By
Aladin
Antic

Dumm nur, wenn sich der Rest der Welt nicht an unseren Urlaubskalender hält. Flüchtlingsdramen, Abwertung des Yuan, Grexit IV, verdrängter (?) Faschismus im eigenen Land, IS – und dann noch der Wechsel von Schweini zu ManU …

Ja, mir fällt es in diesem Jahr nicht leicht, angesichts der Ereignisse und ihrer Dimensionen (ManU! Unglaublich …) das zu tun, was wir zunehmend vernachlässigen: einfach mal abschalten, die Seele baumeln lassen – die natürlichste Therapie gegen alle physischen und psychischen Symptome, die durch den Alltag erzeugt werden.

Haben Quantität und Qualität (?) der Bedrohungen und Ereignisse tatsächlich zugenommen? Oder sind sie uns nur wesentlich präsenter durch die globale Berichterstattung, die Einzelschicksale näher durch Internet und neue Medien?

Die rasante Entwicklung der Informationstechnologie und Vernetzung hat die Menschen, die daran teilhaben, auf eine neue Stufe der Transparenz, des Wissens und der Offenheit gehoben – nun muss der Umgang damit erlernt werden. Dass dies nicht einfach ist, zeigt auch die Zunahme insbesondere verschiedener psychischer Erkrankungen.

Waren im 19. Jahrhundert Informationen noch steuerbar – über Zeitungen, Filme sowie Fernsehen, so sind diese heute nur noch schwer zu manipulieren – Twitter, Facebook und Co. haben die informelle Selbstbestimmung nachhaltig verändert.

Und das Gesundheitswesen? – Mir scheint, dass zumindest viele der heutigen Akteure (Ärzte, Verbände, Politiker, Kassenfunktionäre) diese tiefgreifenden Veränderungen noch nicht akzeptiert haben und versuchen, das Beste aus etwas Unaufhaltsamen zu machen.

Doch Informationen bedeuten Macht – der Verlust der Informationshoheit wird also von einem natürlichen Widerstand begleitet. Früher wurde jeder Mensch im Laufe seines Lebens zu einem Patienten (lat. patiens: erduldend, ertragend) als Teil eines ihn versorgenden Systems. Durch die informelle Selbstbestimmung vollzieht sich hier ein gravierender Wandel. Heute kommen viele Menschen mit einem tiefen Wissen über ihren Körper und ihren Gesundheitszustand und die Symptome zu ihrem Arzt, um sich beraten und helfen zu lassen – und bringen darüber hinaus zunehmend Informationen mit, die vorher überhaupt nicht existierten. Durch Wearables, „HealthKit“ und Co. wird dieser Trend weiter zunehmen.

Wir müssen uns sowohl in der IT der versorgenden Einrichtungen, aber auch auf Ebene der Entscheider im Gesundheitswesen aktiver und visionärer mit dem informierten Patienten und seinem wachsenden Bedürfnis auseinandersetzen. Denn Transparenz schadet letztlich immer nur dem, der sie nicht ehrlich und willentlich einsetzt – zum Wohle jedes Einzelnen.

Aladin Antic

CIO, KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantationen e. V.

Aladin Antic war in seinem ersten Leben Veranstalter von Heavy Metal-Konzerten, Redakteur einer Musikzeitschrift, DJ; in einem zweiten Leben Biochemiker, dann kam das Gesundheitswesen und machte ihn zum Healthcare-IT-Experten.

42.Blogs

Aladin Antic

Alexander Schachinger

Miriam Schnürer

Milko Jovanoski, Nuance Communications

Sonja Greye, soffico

Stefan Fritz

Seiten

David hilf!

Blog von Philipp Grätzel von Grätz

Ärzte sollten sich mal freimachen

Blog von Felix Cornelius

Und sonst so?

Blog von Philipp Grätzel von Grätz