Bern Kulisse; Foto: Jan Bhalla

„eHealth wird konkret und sichtbar“

Die fehlerfreie Medikamentenverordnung ist für den Erfolg einer Therapie sehr wichtig.

Um den Prozess der Abgabe von Medikamenten sicherer zu gestalten, wurde in den vergangenen Jahren die Aufrüstung der primären IT-Systeme in Spital und Praxis mit Clinical Decision Support-Diensten empfohlen. HCI Solutions, der Schweizer Anbieter von Produktstammdaten, Informationsplattformen und Softwarelösungen rund um die Medikation,  engagiert sich heute wieder für ausgedruckte Medikationspläne und Impfdossiers. Resignation? Über die Motivation und die Chancen berichtet Dr. Matthias Sonnenschein, Product Manager Medical Data.

HealthTech Wire / Interview

Alle reden davon, dass das Gesundheitswesen von Digitalisierung profitiert. Beispielsweise wird schweizweit das elektronische Patientendossier für Spitäler und Heime verpflichtend eingeführt. Wieso rudert ein Unternehmen wie HCI Solutions „zurück“ und rückt den ausgedruckten Medikationsplan neben dem elektronischen Impfdossier in den Fokus seiner Aktivitäten?

Der Medikationsplan auf Papier bietet auf einfachem Wege eine Übersicht über alle Arzneimittel. Und schon alleine das erhöht die Patientensicherheit, weil die Betroffenen erkennen, wann, wie und warum sie welche Arzneimittel einnehmen sollen. Hier ergibt sich ein klarer Mehrwert für den Erfolg einer Therapie, weil durch den Medikationsplan einem Patienten etwas in die Hand gegeben wird, das verdeutlicht, wie die verschiedenen Behandlungen zusammenkommen. Wenn Ärzte Patienten aktiv mit einbeziehen, erhöht sich die Compliance und die behandelnden Ärzte und Apotheker profitieren ebenfalls.

Inwieweit können Ärzte, Spitäler oder Apotheken profitieren? Bitte erläutern Sie.

Da gibt es mindestens drei gute Gründe: Erstens erhalten alle Leistungserbringer dank des 2D-Barcodes, der auf dem Medikationsplan aufgedruckt ist und der alle Angaben des Plans enthält, die komplette Medikation der Patienten und das auch in digitalisierter Form. Sie können einfach in das lokale System eingelesen und angepasst werden.

Also doch weg vom Papier. Aber wie „einfach“ ist „einfach“ und was kann sich daraus für Leistungserbringer und Patienten ergeben?

Die Umsetzung des elektronischen Medikationsplans (eMediplan), ebenso wie die des elektronischen Impfdossiers (eImpfdossier), basiert in der Schweiz auf nationalen beziehungsweise international anerkannten Standards. Die Felder sind normiert, die Inhalte wurden einheitlich, nonproprietär festgelegt und die Daten zu Arzneimitteln und Impfstoffen liegen dank der Stiftung Refdata und den INDEX-Datenprodukten der HCI Solutions bereits in den Systemen vor. Das macht es für die Anbieter von Software für Spitäler, Praxen und Apotheken technisch einfach und kostengünstig, die Funktionalitäten zum Einlesen der Daten aus dem Medikationsplan einzubinden. Beim Impfdossier werden IHE Standards verwendet und es gibt einen von eHealthSuisse bereitgestellten „Connector“, über den der Anschluss klar geregelt ist und dank dem der Eintrag im Impfdossier für den Arzt und demnächst auch für den Apotheker zum Standardprozess wird. Auf diese Weise sind die Bedingungen erstmals so gut, dass sich diese Initiativen, Medikationsplan und Impfdossier, spürbar rasch flächendeckend im Schweizer Markt verbreiten können. Und weil das so einfach ist, ist das der zweite Grund, warum alle Beteiligten am Ende profitieren. Im Fall des Medikationsplans wird mithilfe von Papier eHealth konkret und sichtbar und das erscheint uns wichtig.

Gehen Sie davon aus, dass so nur bestehende Prozesse verbessert werden oder gibt es auch noch neue Qualitäten in der Gesundheitsversorgung?

Das ist der dritte gute Grund, sich für den Medikationsplan auf Papier zu engagieren, auch wenn wir eigentlich Anbieter von eHealth Lösungen sind. Sowohl beim eMediplan wie auch beim eImpfdossier werden strukturierte und codierte Daten erzeugt. Auf dieser Basis können dann Clinical Decision Support–Dienste ihre Arbeit aufnehmen. HCI Solutions hat als Erweiterung des Medikationsplans umfassende „medication checks“ entwickelt, die aus jedem Primärsystem aufgerufen werden können. Werden also die Daten via Barcode aus dem papierbasierten Medikationsplan ausgelesen, so liegen diese digital vor und die „medication checks“ können eingesetzt werden. Wenn zum Beispiel einfach prozessintegriert Dosischecks durchgeführt oder auf Interaktionen und Allergien geprüft werden können, dann erhöht sich die Patientensicherheit signifikant. Und zwar ohne, dass die bestehenden Systeme einzeln nachgerüstet werden müssten. Mit anderen Worten: HCI Solutions bietet jetzt erstmals allen Softwareanbietern die Möglichkeit, ihre Produkte mit geringem Aufwand mit ausgearbeiteten Medikationsschecks zu erweitern und damit aufzuwerten. Und davon profitieren am Ende Patienten, Ärzte, Apotheken und das gesamte Gesundheitssystem.

###

© HIMSS Europe GmbH

Alle Rechte vorbehalten. Auszüge dürfen für nicht-kommerzielle Zwecke und unter Angabe der Quelle HealthTech Wire weiterverwendet werden.

HCI Solutions

HCI Solutions unterhält Datenbanken und entwickelt Managementlösungen, die speziell auf die Bedürfnisse für den vernetzten Gesundheitsmarkt ausgerichtet sind. Die Produkte umfassen sowohl das Management von Inhalten als auch von Softwarelösungen.

Untermattweg 8
3000 Bern 1
Schweiz
Phone: 
+41 58 851 26 00
Fax: 
+41 58 851 27 10

„Bei TASY steht die EMR im Mittelpunkt – und damit der Patient“

Interview mit Miriam Schnürer, Philips DACH & Dr. med. Gereon Blum, Krankenhaus Düren

Swiss eHealth Summit 2017: Willkommen in Lausanne!

Veranstaltungsthema „Healthcare meets innovation“ in neuer Location: SwissTech Convention Center in Lausanne beherbergt diesjährigen Summit

Webinar „Digitalisierungslücke im Gesundheitswesen schließen“

Dr. Rainer Pausch, Product Group Head, SDKs, ABBYY Europe