eHealth Summit Austria 2017 mit neuem Besucherrekord

Mehr als 330 Besucher aus den Bereichen Wissenschaft, Politik, Industrie und Anwender fanden sich vom 23.- 24. Mai im Apothekertrakt von Schloß Schönbrunn in Wien ein, um aktuelle Themen und Perspektiven rund um den Bereich eHealth zu diskutieren.

By
Dr. Michaela
Endemann

Der eHealth Summit Austria ist eine bewährte Kooperationsveranstaltung bestehend aus der wissenschaftlichen Konferenz der eHealth20XX und der HIMSS Anwenderkonferenz. Die Vorträge und Diskussionen des Summits wurden  hauptsächlich auf Englisch abgehaltenen und umfassten alle aktuellen Bereiche: Von Big Data, Cyber Security, Künstliche Intelligenz, Personalisierte Medizin, über Machine Learning, IT Standards, bis hin zu AAL und EHR. Zudem wurde dem Programm 10 DFP-Fortbildungspunkte der Österreichischen Akademie der Ärzte attestiert.

Digitale Transformation verändert Geschäftsmodelle

Prof. Martin Gersch vom Department Wirtschaftsinformatik der Freien Universität Berlin referierte in seiner Keynote über die digitale Transformation. In manchen Bereichen sei sie überreguliert und langsam. Andere Bereiche würden sich dank Innovationen schneller verändern. „Durch IT, genauer Big Data und Künstliche Intelligenz, erhalten wir neue Erkenntnisse, aber die Hindernisse liegen immer noch im sinnvollen Zusammenfügen der Datenbestände in Datensilos“. Er zog Vergleiche mit der Musikindustrie, die es lange versäumt habe, ihre Geschäftsmodelle anzupassen und mahnte: „Ich kann nicht an alten Geschäftsstrukturen festhalten“. Zunehmend würden neben technischen Fragestellungen auch der Nutzen von Daten diskutiert.

„Was ich vermisse, ist der menschliche Faktor in der Medizin. Wenn ich daran denke, dass ein Arzt nur mehr einige wenige Minuten Zeit für den Patienten hat!“

Bart de Witte, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Gründer der Quantified Self Austria

eHealth ist zu einer globalen Chance geworden

„Digital Health bedeutet nicht nur eHealth, oder Spitäler vernetzen. Es ist zu einer globalen Chance geworden, für alle Beteiligten. Wir haben bisher noch nicht dagewesene Möglichkeiten, die erfolgreichen eHealth Projekte zu skalieren“, sagte Bart de Witte von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften sowie Gründer der Quantified Self Austria in seiner Keynote am zweiten Tag der Veranstaltung. Doch eines stimmt Bart de Witte, bedenklich: „Was ich vermisse, ist der menschliche Faktor in der Medizin. Wenn ich daran denke, dass ein Arzt nur mehr einige wenige Minuten Zeit für den Patienten hat!“ Er führte anschaulich aus, dass Maschinen dem Menschen einiges an Arbeit abnehmen könnten. Fehlerraten z.B. bei der Bilderkennung oder auch der Handschriftenerkennung seien in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen; doch den menschlichen Wert eines Arztgespräches werde IT nicht ersetzen können.

Der Arzt als empathischer Lotse

Und genau darin liegt nach Meinung mehrerer Vortragender und auch Teilnehmer die Chance für ein verändertes Arztverständnis. Dazu Johannes Hohenauer, Ebner Hohenauer HC Consult, in seinem Vortag zu „Chancen oder Risiken für Gesundheitsversorger“. Er sagt: „Die Virtualisierung des Berufsbildes Arztes ist bereits vollzogen“. Der Arzt werde aber immer noch den Rehabilitationsantrag unterschreiben müssen. „Die Mediziner werden in einem zunehmend komplexer werdenden System als Lotse gefordert sein, die Patienten zu unterstützen“.

Daten sind das neue Öl für die Pipeline ELGA

Natürlich darf die österreichische elektronische Gesundheitsakte (ELGA) in einer in Wien stattfindenden eHealth Konferenz nicht fehlen. Der neue Geschäftsführer Günter Rauchegger berichtete über die Erfahrungen seit dem „go live“ im Dezember 2015 sowie den durchaus optimistischen Plänen für die Zukunft. „Derzeit arbeiten österreichweit bereits mehr als 140 Einrichtungen, Spitäler und Pflegeeinrichtungen sehr erfolgreich mit ELGA und der Rollout im stationären Bereich wird in den nächsten Monaten weitergeführt“, so Rauchegger. Dem medizinischen Personal stehen ärztliche und pflegerische Entlassungsbriefe, ausgewählte Labor- und Radiologiebefunde (e-Befunde) sowie verschreibungspflichtige und wechselwirkungsrelevante nicht verschreibungspflichtige Medikamente (e-Medikation) zur Verfügung. Seine Vision: „Wenn Daten das neue Öl sind, dann ist ELGA die Pipeline, also eine etablierte und zentrale Basisinfrastruktur im Gesundheitswesen, in dem sich zukünftig eine große Zahl an Anwendungen realisieren lassen“.

Anschauliche Beispiele aus einem papierlosen Spital

Wie nahtlos IT im Krankenhaus bis nach Hause heutzutage sein kann, zeigte ein Beispiel von Cerner: „Meet Anna“, ein Liveact. Anna wird mit einem Schwangerschaftsproblem in ein Krankenhaus aufgenommen und dank vielfältiger IT Lösungen, ELGA Anbindung bis hin zum Telemonitoring umfassend auf allen Stationen und zu Hause betreut.

Eine Bühne für Start-ups — HIMSS Europe Start-up Slam

Neben den wissenschaftliche Sessions zeigte sich einmal mehr die gelungene Verknüpfung zwischen Wissenschaft und Industrie in Form von innovativen Start-ups. Die drei Gewinner des diesjährigen Start-up-Slams erhalten als Preis eine ein- bis dreitägige individuelle Beratung durch die Firma Deloitte. Den ersten Platz belegte Peter Langkafel mit SpeechAgain, gefolgt von Elisabeth Dokalik-Jonak mit Memocorby. Der dritte Platz ging an Roland Galler mit Instahelp.

Dr. Michaela Endemann

Was wir wollen!

Forderungen an die E-Health Strategie der nächsten Legislaturperiode

„Das Management der digitalen Transformation steht im Fokus des Swiss eHealth Summit 2018“

Interview mit Prof. Dr. Jürg Blaser, Präsident der SGMI, und Rainer Herzog, General Manager D-A-CH der HIMSS Europe

Leadership & Digital Transformation

Rückblick auf den Swiss eHealth Summit 2018