Das denken die Schweizer: eHealth Barometer 2019

Ab Frühjahr 2020 wird das elektronische Patientendossier (EPD) in der Schweiz verfügbar sein. Im eHealth Barometer 2019 hat das Land seine Bürger schon jetzt zu den neuen digitalen Gesundheitsdiensten befragt.

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Anna
Engberg

Das eHealth Barometer befragt seit 2009 regelmäßig die Schweizer Einwohner sowie repräsentative Gesundheitsfachpersonen aus sieben Bereichen über den aktuellen Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen und gibt Aufschluss über persönliche Einstellungen, aktuelle Nutzung und Bedürfnisse in Bezug auf das elektronische Patientendossier (EPD), eHealth und die Digitalisierung von Gesundheitsdiensten allgemein.

Die nationale Umfrage „eHealth Barometer 2019“ wurde von der gfs.bern, der Gesellschaft für Sozialforschung, durchgeführt. Für das eHealth Barometer 2019 wurden 1832 Gesundheitsfachpersonen, darunter Ärzte, Kantone, Apotheken, Pflegeleiter und andere Gesundheitsdienstleister sowie 1200 Schweizer nach Zufallsprinzip telefonisch befragt.

Digitale Arzt-Patient-Kommunikation in der Schweiz

Blickt man auf die Umfragewerte, ergibt sich ein positives Bild mit Blick auf die Akzeptanz von eHealth: zwei Drittel der befragten Schweizer Einwohner sind mit der elektronischen Speicherung ihrer persönlichen Gesundheitsdaten, speziell der Notfalldaten, einverstanden und rund 70 Prozent stimmen dem Austausch der Daten mit den Behandlern grundsätzlich zu.

Mit 78 Prozent ist die Akzeptanz des elektronischen Patientendossiers (EPD) bei den Schweizer Bürgern allgemein hoch und mehr als die Hälfte ist zur Eröffnung eines EPD, vorzugsweise über den Hausarzt, bereit. Nur rund ein Drittel der Schweizer lehnt die digitale Speicherung ihrer Patientendaten weiterhin ab.

Dennoch zeigt die nationale Umfrage auf, dass sich die Potenziale der Möglichkeiten von eHealth, besonders bei den Kommunikationskanälen, noch tiefergehend ausschöpfen lassen. Aktuell steht nur etwa jeder vierte Schweizer (28 Prozent) mit seinen Gesundheitsdienstleistern bereits per E-Mail in Kontakt. Messenger-Dienste sind mit 9 Prozent noch wenig im Einsatz. Der telefonische Austausch mit dem medizinischen Behandler ist gegenüber der Online-Kommunikation mit 71 Prozent weiterhin im Vorzug. Videotelefonie und Chatbots sind mit 2 Prozent Nutzungsrate weiterhin noch eine Randerscheinung.

Die Verfügbarkeit digitaler Dienste ist dennoch ein wichtiges Kriterium für die Schweizer: für mehr als zwei Drittel ist es bei der Arztwahl wichtig, Termine auch online vereinbaren zu können. Auch besondere Online-Services in Bezug auf angestellte Rezepte werden begrüßt. Ein knappes Drittel der Schweizer Bürger wäre an der Nutzung von Online-Sprechstunden als Alternative zum Arztbesuch interessiert.

Die gefragtesten eHealth-Dienste in der Schweiz

Smartphone-Apps für Fitness und Bewegung sowie Notruf-Apps gehören der Umfrage zufolge zu den bekanntesten digitalen eHealth-Angeboten, die bei knapp zwei Dritteln der Schweizer Bevölkerung gut bekannt sind. Rund ein Drittel der Schweizer Bürger hat sich außerdem bereits mit Apps zur Messung von Vitalwerten und mit dem EPD auseinandergesetzt.

Andere eHealth-Dienste wie die Online-Speicherung der Patientenverfügung, digitale Impfausweise und Organspendekarten sowie Apps zur Erinnerung an Medikamenten-Einnahmen und Früherkennung von Allergien und Krankheiten sind dagegen noch verhältnismäßig unbekannt.

Bekanntheits- versus Nutzungsgrad

Obwohl viele Online-Dienste bereits bekannt sind und sich die meisten Schweizer eine Nutzung vorstellen können, werden die entsprechenden Dienste tatsächlich aktuell noch nicht konsequent genutzt: Fitness-Apps liegen mit einem Nutzungsgrad von 41 Prozent ganz vorn, gefolgt von Notruf-Apps mit 34 Prozent.

Gerade einmal 11 Prozent der Schweizer nutzen derzeit das EPD. Anwendungen wie Medikamenten-Reminder, digitale Patientenverfügungen, Impfausweise und Organspendekarten werden erst von knapp einem Fünftel der Schweizer verwendet.

Insgesamt zeigt der Trend jedoch einen Anstieg der Nutzungsrate bei den einzelnen eHealth-Diensten an, da sich zunehmend auch ältere Patienten für die innovativen Services interessieren.

Breite Akzeptanz – kaum noch Datenschutz-Bedenken

Insgesamt konnte das jüngste eHealth Barometer aufzeigen, dass das EPD in der Schweiz zunehmend an Zuspruch gewinnt und Datenschutz-Bedenken ausgeräumt werden konnten. Die Bereitschaft zur digitalen Speicherung der eigenen Gesundheitsdaten ist allgemein gestiegen – sowohl bei den „Digital Natives“ als auch bei der Generation 65+.

Zudem wurde die Zahlungsbereitschaft für digitale Gesundheitsdienste im eHealth Barometer 2019 untersucht: nur für ein Drittel der Einwohner der Schweiz kommt demnach ein bezahlter Zugang zum EPD in Betracht.

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Anna Engberg

ist eine in Wiesbaden ansässige freiberufliche Journalistin mit den Schwerpunkten Gesundheit und Technologie.

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