Wie halten Menschen in Deutschland mit der Digitalisierung Schritt?

Die Verwendung digitaler Angebote ist stark von der Wahrnehmung des damit verbundenen Nutzens abhängig – und dies fehlt hierzulande oft noch, gerade im Gesundheitsbereich. Das Interesse daran steigt je jünger und besser ausgebildet ein Individuum ist.

Letzte Woche wurde die von dem Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie D21-Digital-Index 2018/2019 vorgestellt. Die große jährliche Erhebung gibt den Digitalisierungsgrad der Gesellschaft in Deutschland auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten wieder und fasst die Subindizes Zugang zu und Kompetenzen bei digitalen Anwendungen sowie Einstellungen (Offenheit) gegenüber neuen Entwicklungen in einer einzigen Kennzahl zusammen. Außerdem untersucht sie die Unterschiede zwischen urbanen und ländlicheren Regionen.

Steigender Digitalisierungsgrad

2018 lag der Index bei 55 Punkten, das ist eine Steigerung im Vergleich zu den erreichten 53 Indexpunkten in 2017. Dabei liegt der Digitalisierungsgrad der Großstadtbevölkerung mit 58 Indexpunkten um fünf Punkte über dem der Landbevölkerung. Menschen in der Großstadt nutzen das Internet länger, vielfältiger und häufiger, sie verfügen über höhere Kompetenzen und Offenheit. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass in der Stadt jüngere Menschen, häufig in Singlehaushalten sowie mehr Menschen mit höherer Bildung und mehr Vollzeiterwerbstätige als im ländlichen Raum leben, findet die Studie.

„Wir schauen im Detail, wie die Menschen in Deutschland mit den Auswirkungen der Digitalisierung umgehen“, erläutert Hannes Schwaderer, Präsident Initiative D21 e. V. „Es bewegt sich etwas in der Digitalen Gesellschaft! In den letzten fünf Jahren stieg der Digitalisierungsgrad um vier Punkte an“, fährt er fort. „Wir sehen, dass insgesamt immer mehr Bürgerinnen und Bürger souverän mit der Digitalisierung umgehen und sich offen für den technischen Fortschritt zeigen. Das ist ein gutes Zeichen“, findet er.

Jedoch sind „weiterhin multiple digitale Spaltungen der Gesellschaft zu beobachten“, legt die Studie offen: „Nach wie vor zeigt sich ein Generationeneffekt, die älteren Generationen können bei der Digitalisierung kaum mit den jüngeren mithalten. Ebenso wirkt sich die Bildung auf den Digitalisierungsgrad einer Person aus, sowie der Umstand, ob und wie jemand berufstätig ist. Berufstätigkeit generell, aber insbesondere Schreibtischtätigkeiten, führen zu mehr Berührungspunkten und Erfahrungen mit digitalen Technologien und Anwendungen.“

Digitalisierungsgrad als Orientierungshilfe

Die Ergebnisse der Studie sollen dazu dienen, Fortschritte in der Gesellschaft zu identifizieren und entsprechendes Handeln abzuleiten. Somit bildet der Index eine Grundlage, „aktuelle und zukünftige Entwicklungen abzuschätzen.“

Die Studie, für die im Zeitraum August 2018 bis Juli 2018 insgesamt 22458 Interviews geführt wurden, erfasst sowohl ‚Onliner‘ als auch ‚Offliner‘ und ist damit ein repräsentatives Abbild der deutschen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren.

Der Index reflektiert, wie gut die deutsche Bevölkerung insgesamt mit der Digitalisierung Schritt hält. In 2017/2018 legt sie einen Schwerpunkt auf das Thema „Vernetzte Lebenswelt“ und untersucht, wie die Menschen zu Smart-Home-Anwendungen und dem Bereich E-Health stehen. Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, sagt im Grußwort der Studie: „Mit den diesjährigen Schwerpunktthemen E-Health und Smart Home / Vernetztes Leben nimmt die Studie Anwendungsbereiche in den Blick, in denen die Digitalisierung der Gesellschaft einen besonders hohen Nutzen entfalten kann. Dies gilt auch für das mir besonders am Herzen liegende Zukunftsthema Künstliche Intelligenz“.

E-Health in Deutschland

Für Altmaier ist e-Health ein Anwendungsbereich, in dem „die Digitalisierung der Gesellschaft einen besonders hohen Nutzen entfalten kann.“ Dies ist wichtig als Signalwirkung für den Erfolg der Digitalisierung überhaupt: „Die positive Wirkung der Digitalisierung wird sich schließlich nur dann für alle entfalten, wenn der Wandel in der Mitte der Gesellschaft verankert ist und er von allen gesellschaftlichen Gruppen angenommen wird,“ verweist Altmaier.

E-Health- sowie Smart-Home-Anwendungen bleiben bislang Nischenprodukte, lautet ein Ergebnis der Studie. „Jeder Dritte zeigt sich prinzipiell offen, doch nur wenige nutzen diese technischen Möglichkeiten tatsächlich. Die breite Masse erkennt aktuell keinen ausreichenden Nutzen.“

Digitale Gesundheitsanwendungen werden genutzt

Die Bevölkerung hat die meisten Erfahrungen mit digitalen Gesundheitsanwendungen, diese schließen jedoch keine telemedizinischen Leistungen ein. „Immerhin 12 Prozent der Deutschen haben bereits Bekanntschaft mit einem Schrittzähler, Apps zur Messung der Herzfrequenz, einem Blutdruck- oder Schlafüberwacher etc. gemacht. Weitere 27 Prozent sind einer Nutzung gegenüber aufgeschlossen. Gerade bei der jüngeren und der bildungsstarken Bevölkerung ist der Anteil der potenziellen Nutzer besonders hoch. Zwischen 35 und 39 Prozent der Bevölkerung sind Haushaltsrobotern sowie steuerbaren Anlagen zu Hause (Kamera, Heizung, Licht, Schlösser) gegenüber offen“.

Telemedizin von einem Viertel begrüßt

Eine medizinische Ferndiagnose oder -therapie durch einen Arzt zu nutzen, können sich 27 Prozent vorstellen und lediglich 1 Prozent der Befragten haben diese Möglichkeit bereits schon genutzt. Aber es sind noch 54 Prozent der Bevölkerung, die Telemedizin bisher weder genutzt haben, noch dies in Zukunft möchten. Laut Report wächst die Bereitschaft zu dieser e-Health-Anwendung mit dem Bildungsgrad und ist in den mittleren Generationen zwischen 30 und 49 Jahren am größten.

Digitalisierung des Gesundheitswesens: keine klare Auffassung

Möglicherweise bedingt durch die limitierte Wahrnehmung des Nutzens der Digitalisierung im Gesundheitswesen, mag es nicht verwundern, dass der Report die Auffassung vertritt: “Bezüglich der grundsätzlichen Einstellung der Menschen gegenüber dem Einsatz digitaler Technologien im medizinischen Bereich existiert in Deutschland noch kein gefestigtes Meinungsbild, keine der Überzeugungen überwiegt im Moment. Annähernd gleich viele Menschen stehen dem Einsatz von Robotern bei Operationen bzw. digitalen Gesundheitsanwendungen positiv wie negativ gegenüber. Auch die zentrale Speicherung persönlicher Gesundheitsdaten mit Zugang für Ärzte empfinden jeweils rund ein Drittel eher positiv bzw. negativ, ein weiteres Drittel ist noch unentschieden. Für die Menschen mit neutraler Einstellung überwiegen weder Ängste noch Vorbehalte, aber sie können auch keinen konkreten Nutzen in diesen Anwendungen erkennen. Am größten ist die Aufgeschlossenheit bei Menschen zwischen 20 und 30 Jahren sowie in gehobenen Bildungsschichten.

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cwm

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