Digitale Zukunft in Apothekerhand

Der digitale Wandel kommt und mit ihm technische Neuerungen wie die elektronische Gesundheitskarte oder Securpharm. Die Netzgesellschaft deutscher Apotheker (NGDA) hilft Offizinen, technisch auf den neuesten Stand zu kommen.

Geschäftsführer Christian Krüger erklärt, worauf die Apotheker gespannt sein können.

Auf der diesjährigen Expopharm stellt sich die vor wenigen Monaten gegründete NGDA erstmals der Öffentlichkeit vor. Wie ist sie entstanden und was sind ihre Aufgaben?

Krüger: Wir haben die NGDA aus der Überzeugung gegründet, dass der digitale Wandel den Apothekenmarkt nachhaltig beeinflusst. Wir brauchen kompetente Institutionen – auch aus der Apothekerschaft selbst – die Infrastrukturen entwickeln und Lösungen schaffen. Das E-Health-Gesetz bringt neue Rechtsgrundlagen, der Apothekenmarkt wird digitaler, außerdem kommen Neuheiten wie das Fälschungsschutz-Projekt Securpharm. Die NGDA wird diese Entwicklungen begleiten und die Apotheker auf den neuesten Stand der Technik bringen. So halten wir Apotheker die Zügel in den eigenen Händen.

Wie wird die NGDA den Arbeitsalltag der Apotheker erleichtern?

Krüger: Die eindeutige elektronische Identifikation für Apotheken, die wir derzeit im Rahmen des Securpharm-Projekts mit den Softwarehäusern realisieren, erleichtert die Anmeldung in vielen Systemen. Dadurch wird die tägliche Arbeit in der Offizin viel einfacher, beispielsweise bei elektronischen Bestellungen, für die Apotheker derzeit noch viele verschiedene Passwörter haben. Da wir in den kommenden Ausbaustufen auch Personen ermöglichen, sich eindeutig zu identifizieren und elektronisch zu unterschreiben, werden weitere Alltagsarbeiten erleichtert: Denken Sie nur an all die Prozesse, bei denen derzeit noch Ausdrucke unterschrieben werden müssen oder an Plattformen, auf denen man sich informieren möchte, zu denen aber unterschiedlichste Kennungen notwendig sind. Nicht zuletzt ist die eindeutige Identifikation auch wichtig, um Apotheken mit anderen Leistungserbringern sicher vernetzen zu können. Natür­lich wird auch die Securpharm-Infrastruktur, die wir gerade aufbauen, vieles einfacher gestalten.

Welche technischen Voraussetzungen sind dafür nötig?

Krüger: Die Identifikation einer Apotheke haben wir so unkompliziert wie möglich gestaltet. Um sie zu erhalten, sind grundsätzlich nur ein internetfähiger Computer, eine E-Mail-Adresse sowie eine gültige Betriebserlaubnis notwendig.

Gerade für Securpharm wird es wichtig sein, die Teilnehmer eindeutig zu identifizieren. Kann es Synergien zu anderen Projekten geben, etwa der elektronischen Gesundheitskarte?

Krüger: Grundsätzlich ja. Aber uns war es wichtig, nicht von einem einzigen Ident-Verfahren abhängig zu sein. Perspektivisch hat man für Deutschland geplant, dass alle Apotheken im Rahmen der Telematik-Infrastruktur eine SMC-B – also eine elektronische Institutionskarte – erhalten. Wann dieses Verfahren funktionieren wird, steht aber noch lange nicht fest. Securpharm dagegen muss bis Februar 2019 laufen, deshalb haben wir schon frühzeitig ein weiteres sicheres Verfahren entwickelt, über welches wir Apotheken für die Teilnahme an Securpharm legitimieren können. Dieses Verfahren – wir nennen es N-Ident-Verfahren – wird aber noch viel mehr können. Interessierte Apotheker können sich gerne auf der Expopharm bei uns darüber informieren.

Die Ärzte haben es vorgemacht. Was wird im Netzsystem der Apotheker genauso wie bei den Medizinern laufen und wo gibt es Unterschiede?

Krüger: Die Ärzte befinden sich in einer anderen Situation. Ihr Netzsystem wird ja auch für die Abrechnung mit den KVen genutzt. Zudem gelten für sie auch andere gesetzliche Vorgaben als für die Apotheken. Aber natürlich schauen wir uns die ärztlichen Infrastrukturen an, damit wir aus den Erfolgen, aber auch aus den Fehlern lernen können. Insgesamt werden wir von deren Erfahrungen beim Aufbau der Apotheker-Strukturen profitieren.

Können sich die Patienten darauf verlassen, dass ihre Daten sicher sind und niemand das System hacken kann?

Krüger: Unter anderem dafür wurde die NGDA gegründet. Die Patienten­daten müssen sicher sein. Wir werden von Anfang an alle nur möglichen Sicherheitsstandards und Zertifizierungen für unser Unternehmen vornehmen, wie sie beispielsweise in den entsprechenden ISO-Normen und vor allem in den Sicherheitsanforderungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik vorgegeben sind. Auch hier spielt übrigens unsere apothekerliche Erfahrung eine große Rolle. Sie prägt den Anspruch der NGDA: Wir nehmen es mit der Sicherheit genau.

Was werden wir auf der Expopharm bei Ihnen sehen können?

Krüger: Wir werden zeigen, wie die Identifikation der Apotheken an den künftigen und bestehenden Systemen aussehen wird und welche Möglichkeiten sich daraus konkret ergeben. Aber natürlich werden wir den direkten Kontakt auch nutzen, um Gespräche zu führen, die uns bei der weiteren Entwicklung helfen können. Zum offenen Dialog rund um das Thema Digitalisierung stehen wir jedem Besucher gerne zur Verfügung. Wer sich und seinen Betrieb rechtzeitig für die digitale Zukunft fit machen möchte, findet bei uns Informationen und kompetente Gesprächspartner.

Pharmazeutische Zeitung online / Anna Pannen (https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=71070), so gesehen am 08.09.17

Gesünderes Kinzigtal?

Qualität und Kosten im Blick

Vollständig digitale Brücken

Beschleunigte Leistungsprozesse und eine zeitgemäßere Kommunikation zwischen Versicherern, Patienten und Ärzten ...

Berlin setzt auf Transparenz und Vernetzung

Was tun, wenn die Vielfalt interkultureller psychosozialer Angebote so unübersichtlich ist, dass sie nicht ausgeschöpft werden kann?