Von der Wiege bis zur Bahre … nichts als Formulare

Schritt für Schritt kommt die Vernetzung der Ärzte in Deutschland voran. Zum 1. April 2018 haben Ärzte ein breiteres Einsatzfeld, digitale Überweisungen zu nutzen.

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Cornelia
Wels-Maug

Patienten an einen Kollegen überwiesen, Arbeitsunfähigkeit bescheinigen, Arznei-, Heil- oder Hilfsmittel verordnen―für all das, muss ein Arzt ein Formular ausfüllen und genauen Vorschriften genügen. Im Zeitalter der Digitalisierung drängt sich immer mehr die Frage auf, ob diese Vorgänge wirklich noch in Papierform erfolgen müssen.

Neben der konventionellen Bedruckung und der Blankoformularbedruckung besteht bereits heute bei drei ausgewählten Vordrucken die Möglichkeit der digitalen Nutzung, die aber nicht finanziell gesondert gefördert wird. Dabei handelt es sich um die Überweisung zum radiologischen Telekonsil (Muster 6), die Laborüberweisung (Muster 10) seit Juli 2017 sowie den Anforderungsschein für Laboruntersuchungen bei Laborgemeinschaften (Muster 10A).

Digitale Überweisungen ab April 2018

Neu wird ab April dieses Jahres die Überweisung auf Muster 6, „wenn für die Durchführung der Leistung des überweisungsannehmenden Arztes kein Arzt-Patienten-Kontakt erforderlich ist“, lässt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) verlautbaren. Bislang sind per Formular 6 nur digitale Überweisungen zum radiologischen Telekonsil möglich. Vom 1. April an wird es dann aber möglich sein, auch EKG-Langzeitdaten an einen Kollegen zum Auswerten zu versenden oder Daten für ein geriatrisches Assessment mit dem digitalen Muster 6 an den überweisungsannehmenden Arzt papierlos zu übersenden, teilt die KBV mit. Ferner kann das digitale Muster 6 auch für Überweisungen vom Chirurgen zum Pathologen verwendet werden.

Ärzten bleibt jedoch die digitale Nutzung der Laborüberweisung freigestellt, die Verwendung der konventionellen Vordrucke oder der Blankoformularbedruckung sind weiterhin möglich. Da üblicherweise keine Verpflichtung zur Nutzung digitaler Vordrucke besteht, muss vor dem Versand im Einzelfall geprüft werden, ob der Empfänger überhaupt digitale Vordrucke empfangen kann.

Anforderungen an den digitalen Austausch

Praxen, die über KV SafeNet und KV-Connect, einem Kommunikationsdienst für Ärzte im sicheren Netz, dem sogenannten SafeNet, der Krankenärztlichen Vereinigung (KV) verfügen und Inhaber eines Heilberufe Ausweises sind, haben die Möglichkeit, die neuen digitalen Anwendungen zu nutzen.

Aber um überhaupt Formulare digital versenden und empfangen zu können, ist es erforderlich, die Inhalte verschlüsselt und geschützt zu übermitteln. Dabei muss die hierfür verwendete Software von der KBV zertifiziert worden sein. Damit die übermittelten Daten vor dem Zugriff Unbefugter geschützt sind, müssen die Inhalte einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung während der Übermittlung unterzogen werden sowie eine Transportsignatur verwendet werden, die verhindert, dass die Daten unbemerkt verändert werden können. Für beides müssen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfohlene Verfahren eingesetzt werden und es muss sichergestellt sein, dass Absender und Empfänger eindeutig identifiziert werden können.

Für die Archivierung der digitalen Vordrucke gelten dieselben Vorschriften wie für die konventionellen Vordrucke.

Das Interesse an der Nutzung dieser digitalen Anwendungen wird umso größer sein, je mehr Praxen an die Telematik Infrastruktur (TI) angeschlossen sind. Vielleicht werden sich Praxen auch dadurch erst zu einem TI Anschluss entschließen, um diese Dienste nutzen zu können.

Quelle: KBV

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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