HIMSS Analytics ermittelt die wichtigsten Prioritäten für Gesundheits-IT in Europa

Die neueste eHealth Umfrage von HIMSS Analytics gibt einen Einblick in die Schwerpunkte der IT-Führungskräfte Europas hinsichtlich der Gesundheits-IT. Obwohl die Prioritäten der Länder bezüglich eHealth relativ homogen sind, trifft das nicht auf deren Umsetzung zu.

IT-Führungskräfte von Krankenhäusern in Europa haben die gleichen Prioritäten und sehen sich ähnlichen Herausforderungen gegenüber wie ihre Kollegen in anderen Regionen der Welt, einschließlich der Vereinigten Staaten, so lautet eines der zentralen Ergebnisse des gerade veröffentlichten HIMSS Analytics Annual European eHealth Surveys 2018.

Als Schwerpunkte respektive Herausforderungen identifizierte die Studie die Thematiken Patientenermächtigung, Austausch von Gesundheitsinformationen, Schutz sensibler Daten sowie die Steuerung des wachsenden Bedarfs an einem tieferen Talentpool.

Der Patient und seine Daten gewinnen an Bedeutung

Gesundheitseinrichtungen auf der ganzen Welt sehen sich, im Wesentlichen, angesichts der digitalen Transformation denselben Chancen und Herausforderungen gegenüber. Unabhängig davon, ob man es nun als Patientenerfahrung, -beteiligung oder -ermächtigung bezeichnet, hat HIMSS Analytics herausgefunden, dass Konsumenten, die ihre eigenen Daten besitzen und verwalten, sei es in Form von Apps oder Wearables, von den 571 Studienteilnehmern als eine hohe Priorität eingestuft werden.

„Die Fortschrittlichkeit und Dynamik im Bereich eHealth variiert", kommentierte Jörg Studzinski, Direktor für Forschungs- und Beratungsdienstleistungen bei HIMSS Analytics. „Während Länder wie Deutschland und die Schweiz bessere und mehr elektronische Patientenakten benötigen, können insbesondere die nordischen Länder und die Niederlande ihren Fokus bereits jetzt auf innovativere Formen der Gesundheitsversorgung richten, die Zusammenarbeit verschiedener Leistungserbringer vorantreiben und Patienten aktiv an Aspekten der Selbstfürsorge und Prävention beteiligen."

Zu diesem Zweck hat HIMSS Analytics die Reife der elektronischen Patientenakte sowie die Fähigkeit zum Austausch von Gesundheitsdaten als Faktoren, eHealth Projekte voranzutreiben, aufgelistet.

Auf dem Weg zu gemeinsamen Gesundheitsversorgungsmodellen

„In der zweiten Welle der Digitalisierung muss sich das Gesundheitswesen auf ein gemeinsames Gesundheitsversorgungsmodell hinbewegen", sagte Jordi Piera, Chief Information Officer und F & E-Beauftragter bei Badalona Serveis Assistencials, Mitglied des Global Conference Education Committees bei der HIMSS und Sekretär des strategischen IT-Vorstands des katalonischen Gesundheitswesens. „Patienten sollten in der Lage sein, alle Arten von Behandlungen an ihrem bevorzugten Ort zu erhalten", fügte er hinzu. „Dies wird wiederum die Effizienz und Nachhaltigkeit unserer Einrichtungen steigern."

Um dieses Modell der geteilten Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, ist auch im Zeitalter des Konsumismus eine starke Cybersicherheit erforderlich. Diese zu gewährleisten hat einen hohen Stellenwert für nahezu alle Befragten. Aufgrund unzureichender IT-Budgets in den Gesundheitseinrichtungen in vielen Ländern ist dies jedoch eine große Herausforderung, wie die Untersuchung von HIMSS Analytics zeigt.

„Öffentliche Gesundheitseinrichtungen werden regelmäßig von Hackern angegriffen und verlieren oft wertvolle Informationen", berichtete Piera. „Wir müssen uns stärker auf den Schutz unserer Systeme konzentrieren, die Zahl der Cyberangriffe nimmt zu und unsere IT-Infrastrukturen und Mitarbeiter sind darauf nicht eingerichtet. Darüber hinaus wächst die Anzahl, der mit den Systemen verbundenen Geräten von Patienten und dies ist ein noch größeres Risiko. "

Nachfrage nach neuen Tech Talenten steigt

Patientenermächtigung, Umsetzung von Interoperabilität und die Sicherung von Gesundheitsinformationen schüren den Bedarf nach neuen Fähigkeiten und führen zu noch nie da gewesenen Karrieremöglichkeiten.

„Während es vor einigen Jahren oft ausreichend war, die digitale Transformation einem CIO oder einem IT-Direktor anzuvertrauen, reicht dies heute nicht mehr aus", erklärte Studzinski. „Chief Digital Officers und Chief Innovation Officers treten in mehr Organisationen, insbesondere in größeren Einrichtungen auf. Außerdem es ist wahrscheinlich, dass wir in Zukunft noch mehr Differenzierung der beruflichen Rollen sehen werden."

Eigenheiten des D-A-CH Gebiets

„In Bezug auf den D-A-CH Raum zeigen die Ergebnisse der Erhebung, dass es einige Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Unterschiede zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt“, erläuterte Studzinski. Der D-A-CH Raum ist keine homogene Einheit und die drei Länder weisen zum Teil deutliche Unterschiede hinsichtlich der Fortschritte bei der Implementierung sowie der Priorisierung von eHealth auf. „Gemeinsam haben die Schweiz und Deutschland beispielsweise, dass die Leistungserbringer, insbesondere die Krankenhäuser, einen vergleichsweise niedrigen Digitalisierungsgrad aufweisen und noch verhältnismäßig stark auf papierbasierte Arbeitsprozesse setzen. Insofern verwundert es auch nicht, dass die Priorität vieler Einrichtungen gegenwärtig darauf liegt, ihre internen Patientenakten ins digitale Zeitalter zu überführen und entsprechende Technologien einzuführen oder weiter auszurollen“, verwies Studzinski. Er fügte hinzu: „Österreich ist in diesem Punkt bereits einen Schritt weiter, es kann allerdings auch nicht zu führenden Ländern in Europa, insbesondere im Norden, aufschließen."

Außerdem wird keines der drei Länder im Bereich eHealth gegenwärtig als besonders innovativ oder fortschrittlich wahrgenommen. In keinem der D-A-CH Länder ist die Unzufriedenheit mit Digitalisierungsinitiativen der Regierung beziehungsweise der öffentlichen Hand höher als in Deutschland. „In Deutschland gibt es eine hohe Unzufriedenheit mit den Digitalisierungsinitiativen seitens der übergeordneten Verbände, Behörden und der Regierung. Dies ist angesichts der geringen Fortschritte in der Vergangenheit sicherlich auch wenig verwunderlich. Einige Ankündigungen der letzten Monate seitens der aktuellen Bundesregierung geben immerhin vorsichtigen Anlass zur Hoffnung, dass es nun endlich zu spürbaren Verbesserungen kommt – nicht nur für die Leistungserbringer oder die Hersteller von Gesundheits-IT-Lösungen, sondern insbesondere für die Patienten,“ erhoffte sich Studzinski.

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cwm

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