Martin Fuchs, Post CH AG

Die lückenlose Gesamtsicht aller Medikamente eines Patienten im Rahmen der eMedikation ist ein echter Mehrwert

Beim Swiss eHealth Summit 2017 in Lausanne wird die Schweizerische Post insbesondere ihre eMedikationslösung vorführen. Der angestammte Logistikanbieter baut zunehmend seine Position im Gesundheitswesen aus und verhilft damit, die digitale Transformation umzusetzen.

Im Vorfeld des Summits erläutert Martin Fuchs, Head Business Area E-Health, Post CH AG, wie sich die Post auf dem Gebiet der eMedikation positioniert.

Was macht die Schweizerische Post im E-Health Bereich? Wie sehen Ihre Pläne aus?

Die Post versteht sich als ein Logistikunternehmen, das Daten, Güter, Geld, und Personen transportiert. Im Gesundheitswesen koppeln wir gesundheitsrelevante Prozesse an physische Logistikprozesse und positionieren uns als Komplettanbieterin für den sicheren Transport von digitalen Informationen und physischen Gütern.

Die Behandlungs- und Logistikprozesse wachsen immer stärker zusammen. Genau hier ist die Post mit ihrer E-Health Kollaborationsplattform, die Patienten, Dokumente und Institutionen verbindet, eine Vertrauenspartnerin. Außerdem genießen wir bei der Bevölkerung einen hohen Vertrauensvorschuss. Denn durch die anderen Interaktionen mit uns wissen sie, dass wir mit Informationen und Daten sehr sorgfältig umgehen. Das gilt auch für die Gesundheitsorganisationen wie Spitäler, Arztpraxen oder Seniorenheime.

Im Kontext der eMedikation wollen wir weitere Partner wie Apotheken und Spitex-Organisationen (dem Aquivalent der ambulanten Pflege in Deutschland) einbinden. Hier wollen wir insbesondere von einer guten Integration in deren Primärsysteme und die sinnvolle Nutzung von Interaktions- und Wechselwirkungschecks profitieren. Unsere eMedikationslösung, die ein gewichtiges Modul unserer E-Health Plattform darstellt, möchten wir gemeinsam mit unseren Partnern flächendeckend ausrollen.

Wie definieren Sie den Begriff eMedikation?

Wir verstehen darunter die Gesamtheit des komplexen Medikationsprozesses in der heutigen Welt, den wir digital verbessern wollen, sehr ähnlich zu den Definitionen, welche die interprofessionelle Arbeitsgruppe (IPAG) erarbeitet hat. Es geht um den kompletten Lebenszyklus einer Medikation, die beim Patienten beginnt und aufhört, bis hin zur Feststellung des Outcomes, um zu vermeiden, dass ein Mensch durch Medikation in Gefahr gebracht wird. eMedikation umfasst die Verordnung durch einen Arzt, der dabei alle wichtigen Informationen zur Verfügung hat, über die digitale Verarbeitung eines elektronischen Rezeptes, bis zur Herausgabe des Medikamentes durch den Apotheker (oder Arzt, falls Selbstdispensation erlaubt ist) mit vorausgehendem Wechselwirkungscheck und potenzieller Umstellungen auf Generika sowie eventueller Dosisanpassungen. Eine Beratung des Patienten bzgl. korrekter Einnahme kann ebenfalls durch digitale Hilfsmittel erfolgen, sodass der Patient bei der Medikamenteneinnahme z. B. durch eine App mit Erinnerungsfunktionen unterstützt wird. Außerdem kann Feedback an Behandler und Industrie (beispielsweise über unerwünschte Reaktionen) gesendet werden. Wir wollen allen involvierten Stakeholdern die relevanten Informationen optimal liefern. Das können die Spitex oder Angehörige sein, die im Medikationsprozess oftmals eine zentrale Rolle spielen, oder der Patient selbst, der einen aktuellen Überblick über seine Medikamente erhält.

Wie verbreitet ist die Verwendung von eMedikationslösungen mittlerweile auf dem Schweizer Gesundheitsmarkt?

Derzeit sind eMedikationslösungen nicht so verbreitet. Dies wird sich aber ändern, da bis Ende 2020 die Infrastruktur für das elektronische Patientendossier (ePD) in großen Teilen steht und die Spitäler angeschlossen sein müssen. Ein echtes ePD ist seit einigen Jahren in Genf live, inklusive einer eMedikationslösung. Genf ist in dieser Hinsicht vielen anderen Kantonen voraus. Das Unispital in Genf sowie Apotheker, die Ärzteschaft und Seniorenheime der Region arbeiten in diesem Kontext mit der E-Health Plattform der Post.

In vielen anderen Regionen ist die Lösung entweder noch nicht live, oder läuft noch in Form von Piloten. Im Kanton Waadt nutzen bereits ausgewählte Ärzte, Apotheker und Spitäler eine eMedikationslösung. Der Kanton Aargau ist gerade dabei, ein eMediaktionsprojekt zu pilotieren und den Outcome zu messen. Dabei arbeitet die Stammgemeinschaft Aargau (Stehag) gemeinsam mit der Uni Basel, dem Kantonsspital Baden und Apotheken im Aargau zusammen, um die Interventionen durch Apotheker nach einem Spitalaustritt wissenschaftlich zu evaluieren. Dann gibt es noch die sogenannte Medikationskarte aus dem Projekt der Stiftung Patientensicherheit, die versucht, einen besseren Informationsfluss von Medikationsdaten beim Eintritt in und Entlassung aus den Spitälern zu verwirklichen.

Unsere Erfahrungen im Kanton Genf sind sehr ermutigend und die involvierten Akteure wollen unbedingt durchgängige eMedikationslösungen ausbauen. Die Kantone Genf und Waadt engagieren sich dafür, dass es zu einer breiten Anwendung kommt und die kantonalen Verbände von Spitex, Apothekern und Ärzten wollen kooperieren.

Vor welche Herausforderungen stellen eMedikationslösungen Anwender als auch Anbieter?

Aus Sicht der Post besteht die größte Herausforderung, die Ärzteschaft eng in den neuen digitalen Prozess einzubinden. Sie muss vom Mehrwert und der Nutzerfreundlichkeit überzeugt werden. Daher muss die Lösung ganz einfach zu bedienen und vor allem sehr tief in die heutigen Primärsysteme der Akteure integriert werden. Weder Ärzte noch Apotheker wollen ein zweites System bedienen, sie wollen weiterhin mit ihrem Primärsystem arbeiten. Damit ist auch die nächste Herausforderung genannt: Die Hersteller der Primärsysteme müssen dabei mithelfen, denn eine gute Austauschplattform, wie die Post sie anbietet, reicht allein nicht.

Wie funktioniert die eMedikationslösung der Post?

Die Post hat in enger Kooperation mit den Genfer Unispitälern eine vollständige Lösung für den eMedikationsprozess geschaffen. Mit unserer eMedikationslösung, die sich stark an dem internationalen Standard von IHE Pharmacy ausrichtet, können alle angeschlossenen Ärzte neue Medikamente verschreiben und jederzeit einsehen, was andere Kollegen verschrieben haben. Die angeschlossenen Apotheker können auch die Informationen lückenlos einsehen und bei Bedarf kommentieren (wie Dosisanpassungen oder Substitutionen). Der Patient oder andere von ihm autorisierte Behandler können jederzeit die Medikation einsehen. Durch den Überblick über die aktuelle sowie historische Medikamentengabe, können unter Berücksichtigung des gesamten medizinischen Status eines Patienten sinnvolle und spezifische Checks zu Wechselwirkungen, Unverträglichkeiten oder Risikofaktoren durchgeführt werden.

Können Sie uns einige Beispiele von Nutzern Ihrer Lösung nennen?

In Genf haben sich 29.000 Bürger ein ePD eröffnen lassen und können unser eMedikationsmodul nutzen. Dabei stößt die eMedikationslösung auf gute Akzeptanz, da die Informationen schnell und einfach zur Verfügung stehen. Die lückenlose Gesamtsicht aller Medikamente eines Patienten wird als echter Mehrwert gesehen.

Gibt es für Anwender finanzielle Zuschüsse vom Bund für die Implementierung einer eMedikationslösungen?

Nein, nur indirekt über die Anschubfinanzierung des ePD. Aber Kantone wie Genf und Waadt sind sehr am Thema interessiert und investieren heute schon in mehr Medikationssicherheit und somit mehr Patientensicherheit.

Was können die Besucher von der Post auf dem Swiss eHealth Summit im September erwarten?

Auf dem eHealth Summit legen wir den Fokus auf die eMedikationslösung. In einer Session wird ein Kunde erläutern, wie die eMedikationslösung in der Praxis funktioniert und wir präsentieren an unserem Stand dieses System live. Dies ist interessant für Besucher, da die Post bisher der einzige Anbieter in der Schweiz ist, der ein ePD mit einem eMedikationsmodul kombiniert hat.

Außerdem werden einige Kunden aus den Kantonen am Stand sein, um mit Besuchern darüber zu sprechen, aus welcher Motivation heraus sie in dieser Sache stringent fortfahren und was Kunden von einer guten kompletten Lösung erwarten können. Zusätzlich werden wir weitere Themen rund um Post E-Health an unserem Stand vorstellen.

 

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Post CH AG

Die Schweizerische Post bietet im Bereich eHealth eine modulare Lösung für das elektronische Patientendossier an. Diese wurde gemeinsam mit dem Kanton Genf im Modellversuch "e-toile" entwickelt und bereits 2011 von eHealth Suisse mit dem Label "Überregional" als strategiekonform zur eHealth Strategie Schweiz erklärt.

Wankdorfallee 4
3030 Bern
Schweiz
Phone: 
+41 848 888 888
Website: 
www.post.ch

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