Die Gesundheitsregion der Zukunft ist vernetzt

Leere Kassen, Ärztemangel, steigender Anteil an Pflegebedürftigen drängen auf neue Versorgungskonzepte. Der Kreis Darmstadt-Dieburg geht neue Wege.

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Cornelia
Wels-Maug

Wie wird die Gesundheitsversorgung der Menschen in der hessischen Region Darmstadt-Dieburg zukünftig aussehen? Vernetzt! So das Credo. Um die Region „zukunftsfähig“ zu gestalten, erhalten Patienten „eine wohnortnahe, vernetzte Versorgung von Prävention über Diagnostik und medizinischer Therapie, bis hin zu Pflege- und Rehamaßnahmen. Dabei ist besonders darauf zu achten, dass mögliche Maßnahmen umsetzbar und wirtschaftlich sind und auch die Möglichkeit besteht, den eingeschlagenen Weg nach Einstellen der finanziellen Förderung langfristig fortzuführen. Die erzielten Ergebnisse sollen messbar sein, um eine laufende Evaluierung und Weiterentwicklung zu ermöglichen“.(1)

Regionales Gesundheitsnetz als Modellregion der Zukunft

Angesichts eines Mangels an Haus- und Fachärzten, defizitärer Krankenhäuser und der steigenden Zahl älterer Menschen, die einer angemessenen Versorgung bedürfen, haben sich der Landkreis Darmstadt-Dieburg zusammen mit der Stadt Darmstadt beim hessischen Ministerium für Soziales und Integration als Modellregion für den Aufbau eines "Regionalen Gesundheitsnetzes" beworben und den Zuschlag erhalten. Nun arbeiten sie an einem umfassenden, intersektoral vernetzten sowie nachhaltigem medizinischen Versorgungsmodell, das auch die Pflege im Alter miteinbezieht.

Behandlungsbrüche vermeiden

Ziel ist es, die Haus- und Fachärzte mit der Pflege in der Region zu verbinden. Schon jetzt führt die fehlende Vernetzung an dieser Stelle dazu, dass beispielsweise Pflegeheime in zunehmendem Maße keinen Arzt zur Behandlung ihrer Bewohner mehr finden. Dies führt dazu, dass manches neue Pflegeheim zu großen Teilen leer steht, da es ohne eine gewährleistete ärztliche Betreuung keine neuen Heimbewohner aufnehmen darf.

Schaffung Medizinischer Versorgungszentren

Vielerorts steht man kommunalen Medizinischen Versorgungszentren (MZV) skeptisch gegenüber, oft auch aus Angst vor der finanziellen Belastung, die damit verbunden ist. In Darmstadt-Dieburg dagegen will man mit einem innovativen Primärversorgungszentrum neue Wege beschreiten: Neben Allgemeinmedizinern und einem Weiterbildungsassistenten sollen mindestens eine nichtärztliche Praxisassistentin (NäPA) sowie eine Case Managerin in dem Zentrum arbeiten. Das Primärversorgungszentrum wird auf einem der aktuell bereits fünf existierenden MVZ im Landkreis aufbauen. Dabei werden die gegenwärtig fünf dort angestellten Ärzte in das neue Zentrum übernommen und zusätzlich NäPA und Case Managerin neu eingestellt werden.

Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD), der in der vergangenen Woche das "Versorgungskonzepts 2025" vorstellte, unterstrich: "Wir wollen damit eine Blaupause setzen." Neben dem Primärversorgungszentrum enthält das "Versorgungskonzept 2025" drei weitere Bausteine:

  • Eine geriatrische Versorgung entlang eines klar identifizierten Versorgungspfads mitsamt Hausarzt-, geriatrischen Schwerpunktpraxen und Kreiskliniken.
  • Die Versorgung psychisch Erkrankter mittels einer Clearingstelle. Über eine telefonische Beratung soll die passende Therapieform identifiziert und vermittelt werden.
  • Das Vorantreiben der sektorenübergreifenden Versorgung unter Einbezug eines regionalen Beirats, bestehend aus Gemeindevertretern, Ärzteschaft und Klinikvertretern.

Das "Versorgungskonzept 2025" hat der Landkreis zusammen mit der OptiMedis AG, die ja auch hinter dem erfolgreichen Modell integrierter Versorgung “Gesundes Kinzigtal“ steht, erarbeitet. Laut eigenen Angaben ist das Darmstädter Vorhaben in dieser Form bislang bundesweit einmalig. Im November soll der Kreistag das innovative Versorgungsprojekt absegnen, das, so Schellhaas, bereits in 2018 umgesetzt werden könnte. Wir sind gespannt.

(1) Mehr Informationen siehe http://www.gesundheitsnetz-suedhessen.de/gesundheitsnetz/

 

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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