Die Führungsetagen haben den Mehrwert der IT entdeckt

Die digitale Transformation ist ein hochaktuelles Thema. HealthTech Wire hat Rudolf Maly, Senior Manager Healthcare & Research, Dell EMC Public Sector Sales, gefragt, welche Entwicklungen er diesbezüglich im Gesundheitswesen beobachtet hat.

Zu welchen Änderungen führt die digitale Transformation in der Gesundheitsbranche?

Durch die Digitalisierung ändert sich die Erwartungshaltung des Patienten. Sie ist geprägt von den Erfahrungen, die er bei Onlinetransaktionen gesammelt hat. Auch bei der Gesundheitsversorgung möchte der Patient in Zukunft als Kunde in einer Informationsgesellschaft verstanden werden, der z. B. jederzeit Zugriff auf Vertreter des Gesundheitswesens haben kann, ohne an Öffnungszeiten gebunden zu sein. Der Patient drängt auf Serviceoptionen, wie einen Arzttermin online buchen zu können oder rechtzeitig über einen verspäteten Arzttermin informiert zu werden, um unnötige Wartezeiten zu vermeiden.

Außerdem ist der durch „Dr. Google“ beeinflusste Patient eine neue Herausforderung für praktizierende Ärzte. Die besser informierten Patienten haben eine gesteigerte Anspruchshaltung, wenn sie dem Arzt gegenübersitzen.

Für Krankenhäuser eröffnet die Digitalisierung insbesondere Chancen im Hinblick auf Kosteneinsparungen und Qualitätssteigerung in der medizinischen Versorgung zum Wohle des Patienten. Sie ermöglicht gleichzeitig auch den Aufbau neuer Serviceangebote wie beispielsweise auf dem Gebiet der Personalisierung der Medizin, angefangen bei der Genomsequenzierung bis hin zum personalisierten Portal.

Versicherern hilft die Digitalisierung, sich durch patientenspezifische Zusatzangebote besser im Wettbewerb zu profilieren. Gleichzeitig eröffnet sie die Möglichkeit, auf Basis der Kundendaten, neue präventive Angebote zu schaffen, die verhindern, dass ein Bürger überhaupt zum Patienten wird.

Welche Implikationen hat die digitale Transformation auf die Rolle des CIOs und seine Möglichkeiten, die Digitalisierung voranzubringen?

Die Führungsetagen in den Krankenhäusern haben den Mehrwert der IT entdeckt. Das Management tritt immer mehr mit der Erwartung an CIOs heran, dass diese trotz meist knapper Budgets und Ressourcen schnellstmöglich neue strategische Konzepte umsetzen sollen.

Die IT-Abteilung in einem Krankenhaus kümmert sich daher nicht mehr nur um das Installieren, die Inbetriebnahme und Wartung von IT-Systemen, sondern sie wandelt sich zu einem Dienstleister. Im Dialog mit den Fachabteilungen müssen Anforderungen gemeinsam herausgearbeitet und neue Prozesse aufgesetzt werden. In Zukunft wird von IT-Mitarbeitern erwartet, dass sie nicht nur technisch versiert sind, sondern auch auf der medizinischen Prozessebene mitdenken können. Der CIO steht vor der Aufgabe, einen Spagat zu vollziehen, bei dem er zwei Kulturen zusammenbringen muss: die der klassischen IT und die der Medizin.

Die Digitalisierung führt auch dazu, dass künftig alles, was zu ‚commodity’ in der IT-Abteilung zählt, an externe Dienstleister abgegeben werden kann.

Wo sehen Sie die Rolle von Industriepartnern wie Dell EMC bei der Umsetzung der digitalen Transformation?

Dell EMC unterstützt die Digitalisierung entlang der drei Eckpfeiler: Kosteneinsparung, Qualitätssteigerung und Personalisierung.

Hinsichtlich Kosteneinsparung helfen wir unseren Kunden, eine moderne Infrastruktur aufzubauen, die Standardprozesse unterstützt, einheitliche IT-Systeme schafft und Abläufe und Prozesse automatisiert. Dadurch schaffen wir Freiräume für das medizinische Personal, sich mehr ihren eigentlichen Aufgaben zuwenden zu können.

Die Qualitätssteigerung unterstützen wir dadurch, dass wir neben Rechen- und Speicherkapazitäten, auch über Analysewerkzeuge und intelligente Applikationen verfügen, um unbekannte Zusammenhänge aufzudecken. Wir sind in der Lage, Datenseen, sogenannte Data Lakes mit Dell EMC Islion aufzubauen. Dabei werden sowohl Behandlungs- (sogenannte „warme Daten“) als auch Verwaltungsdaten (sogenannte „kalte Daten“) und vom Patienten selber erhobene Werte mit entsprechender technologischer Unterstützung zusammengeführt und analysiert. Dadurch können wir schon den ersten Schritt in Richtung Personalisierung gehen. Dabei ist es wichtig, ein intelligentes Netz so aufzubauen, dass die Daten der Kunden hinreichend geschützt sind. Dabei erlaubt unsere Pivotal Lösung die notwendige agile Entwicklung.

Dell EMC arbeitet mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zusammen, das die Genomforschung in Deutschland maßgeblich vorantreibt. Mit der Isilon Technologie stellen wir die für die Genomsequenzierung benötigte Speicherkapazität zur Verfügung.

Sie haben eine Partnerschaft mit Intel. Welche Vorteile ergeben sich daraus für Ihre Kunden?

Die Produkte von Dell EMC ermöglichen das Speichern und Analysieren von Daten. Unser Partner Intel bringt Geschwindigkeit in diesen Prozess hinein, sodass sich Effizienz und Echtzeit miteinander verbinden. So unterstützt uns Intel z. B. sehr im Genomics-Umfeld. Zusammen haben wir High Performance Referenzarchitekturen für den Bereich Genomsequenzierung erstellt und in Walldorf, in Partnerschaft mit Intel und SAP, eine Referenz für Big Data Analysen im medizinischen Bereich aufgebaut.

Können Sie noch andere interessante Beispiele nennen, bei denen Digitalisierungsstrategien innovativ von Ihnen realisiert bzw. Herausforderungen gelöst wurden?

In Schottland setzen wir in einer Kooperation mit dem dortigen NHS, Medizinwissenschaftlern der Universitäten Glasgow, Edinburgh, Aberdeen und Dundee sowie Vertretern der Industrie unsere Plattform ein, die es erlaubt, klinische Studien durchzuführen und dabei Genomdaten zu generieren und Data Lakes aufzubauen und zu analysieren, um so einen Beitrag zur stratifizierten Medizin zu leisten.

Mit den vermehrten Möglichkeiten der Technologie setzen Kliniken sich zugleich dem rasant zunehmenden Bedrohungspotenzial aus. In einer Klinik in Deutschland haben wir die Back-up-Strategie so geändert, dass sie besser vor Angriffsszenarien, wie z. B. Ransomware, geschützt ist. Im Rahmen der BMBF-Förderung „Bessere Therapien dank Medizininformatik“ engagieren wir uns im HiGHmed Medizininformatik Konsortium zur Gestaltung einer innovativen IT-Plattform für Versorgung und Forschung. In den Niederlanden sind wir mit Pivotal unterwegs, um dort die Applikationsentwicklung zu dynamisieren.

Dell Technologies

Dell Technologies (www.delltechnologies.com) ist eine einzigartige Unternehmensfamilie, die Organisationen mit der nötigen Infrastruktur ausstattet, damit sie ihre Zukunft digital gestalten, ihre IT nachhaltig transformieren und Informationen als ihr wichtigstes Gut wirksam schützen können. Das Unternehmen unterstützt Kunden jeder Größenordnung – von 98 Prozent der Fortune-500-Firmen bis hin zum individuellen Anwender – mit dem branchenweit umfangreichsten und innovativsten Portfolio vom Client über Lösungen für das Rechenzentrum bis in die Cloud.

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