Die Fitmacher für die Cloud

Krankenhäuser werden cloud-affin, so die Beobachtung von Markus Zappolino, Manager Presales Public Sector bei Dell EMC.

Immer mehr Einrichtungen möchten IT-Kosten sparen und überlegen daher, ihre Rechner- und Datenkapazitäten nach außen zu geben. Doch jedes Krankenhaus startet unter anderen Bedingungen. Im Gespräch mit HealthTech Wire erläutert Zappolino, warum jede Klinik ihre individuelle Cloud-Readiness kennen sollte – und welche Vorarbeiten sie leisten muss, bevor sie sich auf das Abenteuer Cloud einlässt.

Herr Zappolino, Sie begleiten Firmen, Organisationen und so auch Krankenhäuser auf ihrem Weg in Richtung Cloud-Computing. Unterstützen sie also darin, ihre Daten in die Cloud zu geben...

Ja, aber darum, also das bloße Outsourcing, geht es nicht allein.

Sondern?

Unter dem Begriff Cloud stellen sich viele lediglich die Auslagerung von Daten vor, das Speichern von Informationen außerhalb des eigenen Rechenzentrums. Doch dieser Blick greift zu kurz. Um fit zu sein für die Cloud – um cloud-ready zu sein, wie wir es nennen –, gehören einige Vorarbeiten dazu.

Können Sie das näher erläutern?

Das wesentliche Merkmal einer Cloud-Readiness ist die Automation von Abläufen. Wir als Dell-Technologies-Konzern verfolgen ein Betriebsmodell, bei dem nicht nur das verwalten der Daten im Mittelpunkt steht, sondern zuvorderst die Frage, wie ich die vielen Anwendungen und virtuellen Maschinen in meiner Einrichtung organisieren, standardisieren, automatisieren und schnell zur Verfügung stellen kann. Früher diskutierte man diese Fragen auch unter dem Schlagwort SOA, Service Oriented Architecture, heute finden sie sich im Cloud-Readiness-Modell wieder. Also: Wie viele meiner Prozesse kann ich standardisieren, wie viele automatisieren? Welche Anwendungen und Dienste kann ich intern steuern und nahtlos Leistung zuschalten oder wegnehmen, welche muss ich vielleicht doch nach draußen geben? Die Vertriebssteuerung? Die Personalkostenabrechnung? In welchem Weg liegt der größte Benefit für mein Haus?

Warum sollten sich Kliniken mit diesen Fragen beschäftigen?

Weil die Projekte immer komplexer, die Daten und Anwendungen immer größer bzw. mehr werden. Ich frage meine Kunden zu Beginn unserer Gespräche häufig, wie sich die IT-Situation in ihrem Haus zuletzt entwickelt hat. Fast jeder berichtet davon, dass seine Applikationslandschaft in den letzten fünf bis acht Jahren immens gewachsen ist: mehr Software, mehr Virtuelle Maschinen. Ein 300-Betten-Haus hat heute schnell mal 120 oder mehr Anwendungen. Und bei der Zahl bleibt es nicht. Zudem wächst die Masse an Daten in einer Klinik. Nur ein Beispiel: Ein Gastroenterologe entscheidet sich vielleicht plötzlich, Videos von seinen Untersuchungen aufzuzeichnen, speichert immense große Video Files ab, aber die IT-Abteilung hat dafür – und davon können Sie fast ausgehen – gar keine Planung, ist gänzlich überrumpelt.

Wo genau lauern hier Probleme?

Die Masse an Anwendungen und Daten wirft Fragen nach den Kapazitäten auf: Wie viele Speichermedien brauche ich, aber auch: Wie viele virtuelle Maschinen (VM) kann eine IT-Vollzeitkraft verwalten? Das lässt sich ganz konkret in Kennzahlen, nämlich in VM per head oder in Terabyte per head, messen. Wenn ich jetzt die Zahl der VM nach oben drehe, aber die Mitarbeiterzahl stagniert, etwa weil ich keine IT-Fachkräfte finde oder mein Personalbudget nicht erweitert werden darf, welche Folgen drohen mir dann? Und wie kann ich gegensteuern, bei gleicher Mannschaft? Es geht einfach um die Frage, wie eine Klinik ihre Informationstechnik bestmöglich skalieren kann. Und um Ihre Frage nochmal aufzugreifen: Die Kliniken sollten sich nicht nur damit beschäftigen. Die vorausschauenden tun es bereits.

Das Problembewusstsein unter Kliniken ist also da?

Oh ja. Diese Themen brennen Klinik-IT-Verantwortlichen unter den Nägeln. Erst kürzlich hat mir ein Klinikentscheider gesagt: 'Wenn ich unsere aktuellen Projekte auf 20 Jahre hochrechne, dann stoße ich auf ein massives Kapazitätsproblem.' Die Kliniken müssen hier nachlegen – und wollen das auch.

Aber woher weiß eine Klinik, welchen Weg sie einschlagen muss?

Da kommen wir ins Spiel: Wir haben einen Cloud Readiness Accelerator entwickelt, mit dem wir die Situation von IT-Organisationen unter die Lupe nehmen. Wir helfen den Klinik-IT-Entscheidern dabei, eine Standortbestimmung zu geben: Wo stehen sie, welche Software haben sie, welche der Tätigkeiten sind manuell, was sind ihre Ziele, wie kann ihre IT mitwachsen?

Sie prüfen also, ob und in welchem Ausmaß die jeweilige Klinik cloud-ready ist?

Wir tasten den Reifegrad der Krankenhäuser dafür ab, ja. Dafür nutzen wir ein wirkungsvolles Modell, mit dem Kliniken Schritt für Schritt ihren Ist-Zustand eruieren und ihn mit ihren Zielvorstellungen abgleichen können.

Welche Werte schauen Sie sich dabei besonders an?

Unser Cloud Readiness Accelerator vollzieht sich in neun Themenfeldern, die vom Kunden nach eigenem Ermessen gewichtet werden: Wir beleuchten natürlich die gegebene Infrastruktur, die Technologien, die standortübergreifend genutzt werden, zudem alle Endanwender-Services und den Betrieb von Applikationen. Aber auch der aktuelle Automatisierungsgrad und das Management spielen mit hinein, zudem natürlich Sicherheitsaspekte: die Datensicherheit ebenso wie Governance und Konformität. Auch auf die Provisionierung und Leistungsverrechnung werfen wir einen Blick. Und schließlich spielt natürlich die Transformation der Klinik eine entscheidende Rolle: Wo will sie ihn, welche Vision verfolgt sie? Diese Eckdaten sind ja unabdingbar für die Skalierbarkeit.

Wer sitzt in diesen Assessments mit am Tisch?

Das hängt von der Größe und der Betriebsform der Klinik ab. Bei größeren Häusern, etwa Unikliniken, beteiligen sich Abteilungsleiter, Referatsleiter, natürlich der CIO oder der kaufmännische Leiter. Bei kleineren Einrichtungen beraten wir die Geschäftsführung. Und die IT-Leiter sind auf jeden Fall mit dabei.

Moment, Sie beraten in diesen Workshops IT-Verantwortliche zu Themen wie Automatisierung, Standardisierung, was auch heißen kann: zu Rationalisierung. Da drängt sich die Frage auf: Beraten Sie unter Umständen einen RZ-Leiter darin, sich selbst zu rationalisieren?

Darum geht es nicht und so sollte man es auch nicht sehen. Vielmehr steht im Vordergrund, die Voraussetzung dafür zu schaffen, in gleichen Zeiteinheiten, mit den verfügbaren Mitarbeitern mehr leisten zu können. Das hat unter Umständen zur Folge, dass sich die Rollen und die Aufgaben einzelner IT-Mitarbeiter ändern, dass der reine Administrator zum IT-Architekten avanciert, vom Verwalter zum Gestalter. Zunächst ist er derjenige, der mittels unserer Analyse versteht, welche Prozesse stattfinden – und wenn er die cloudfähig automatisiert hat, ist er vielleicht derjenige, der die Robotik dazu baut.

Was passiert, nachdem Sie alle Themenfelder durchgearbeitet haben?

Am Ende steht eine sogenannte Gap-Analyse samt Fahrplan: Das Krankenhaus sieht, wo Anspruch und Wirklichkeit besonders stark auseinanderklaffen, wo es nachsteuern kann. Zusammen mit der Eigeneinschätzung – jedes Haus legt seine Gewichtung ja etwas anders – ergibt sich dann ein Ranking, was angegangen werden sollte: etwa im Sinne einer gezielten Budgetfestlegung und eventuell sogar einer Zeitplanung. Idealerweise wird der Fahrplan dann mit oder von der Geschäftsführung verabschiedet.

Und der Fahrplan ist dann langfristig gesetzt?

Nein, da kann man durchaus nach einiger Zeit noch einmal nachjustieren. Das ist auch von unseren Kunden gewünscht. Ein Uniklinikum etwa hat mit uns vor drei Jahren eine Standortanalyse vorgenommen. Und sich jüngst nochmal gemeldet, um gemeinsam mit uns den aktuellen Stand einzuordnen. Das hat uns gefreut, denn es zeigte uns: Diese Klinik ist weiterhin unbeirrt auf Zukunft eingestellt.

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Weitere Informationen:
Der Cloud-Readiness-Accelerator von Dell EMC ist jeder Klinik zugänglich: In anderthalbtägigen Workshops erstellt ein Cloud-Experte gemeinsam mit den Klinik-IT-Entscheidern ein Reifegradmodell ihrer Einrichtung und gibt Empfehlungen zur Beschleunigung ihrer Cloud-Strategie. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Mehr Informationen unter: www.Dell.de/Gesundheitswesen

Dell Technologies

Dell Technologies (www.delltechnologies.com) ist eine einzigartige Unternehmensfamilie, die Organisationen mit der nötigen Infrastruktur ausstattet, damit sie ihre Zukunft digital gestalten, ihre IT nachhaltig transformieren und Informationen als ihr wichtigstes Gut wirksam schützen können. Das Unternehmen unterstützt Kunden jeder Größenordnung – von 98 Prozent der Fortune-500-Firmen bis hin zum individuellen Anwender – mit dem branchenweit umfangreichsten und innovativsten Portfolio vom Client über Lösungen für das Rechenzentrum bis in die Cloud.

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